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Was Vereine bei der Pressearbeit besser machen können

Viele Vereine betreiben erfolgreich Öffentlichkeitsarbeit. Für alle, die dazulernen wollen, gibt Werner Pöhler in seinen Vorträgen Tipps.
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Alles rund um Öffentlichkeitsarbeit und gute Pressemitteilungen können Vereine bei dem Vortrag von Werner Pöhler erfahren. Foto: Daniel Naupold/dpa
Alles rund um Öffentlichkeitsarbeit und gute Pressemitteilungen können Vereine bei dem Vortrag von Werner Pöhler erfahren. Foto: Daniel Naupold/dpa
Herr Pöhler, was ist der häufigste Fehler, den Vereine bei ihrer Öffentlichkeitsarbeit begehen?
Werner Pöhler: Der Kardinalfehler ist, dass in den Vereinen alte Strukturen vorherrschen. Der Vorstand kann alles, tut alles, sagt alles, aber er delegiert nichts. Wenn dann jemand für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, ist es ein anderes Thema, ob er das dann kann, oder nicht.

Welche weiteren Fehler gibt es?
Wichtig ist die Hierarchie, in der ein Öffentlichkeitsarbeiter im Verein angesiedelt ist. Er muss öffentlich etwas machen, läuft von Pontius nach Pilatus und muss erst einmal sämtliche Ansprechpartner fragen, ob er das so veröffentlichen kann. Deswegen ist es wichtig, dass ein Öffentlichkeitsarbeiter auch Mitglied des Vorstands ist, zumindest des erweiterten Vorstands.

Es ist notwendig, dass er eine Persönlichkeit ist, um nicht immer den Segen von anderen zu brauchen.
Ein weiterer häufiger Fehler bei der Öffentlichkeitsarbeit ist, dass fast alle Vereine eine Vereinsbrille aufhaben. Sie sehen nicht den Leser, den sie ja eigentlich ansprechen wollen, sondern nur den Verein. Das müssen sie erst einmal lernen. Sie müssen ihre Arbeit, ihre Pressetexte, mehr aus der Perspektive des Lesers sehen. Die wenigsten können dafür weder ansprechend reden noch schreiben.

Was ist denn wichtig für gelungene Öffentlichkeitsarbeit in Vereinen?
Bei Pressemitteilungen muss alles sehr schnell gehen. Da muss das wichtigste ganz oben stehen. Also die W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo, Warum, Wie. Die Gatekeeper sind ja die Journalisten, die etwas Brauchbares wollen. Wenn diese dann von den Vereinen Mitteilungen mit veralteten Informationen erhalten, ist das unbrauchbar für sie.

Wie erreichen Vereine eine bessere Öffentlichkeitsarbeit?
Die Fehler sind oft vereinsintern gemacht. Dort herrscht ein altes, verkrustetes Denken vor. Ältere Mitglieder lassen sich zu nichts überreden und geben nur schwer die Zügel aus der Hand. Dort, wo junge Leute rangelassen werden, tut sich etwas in der Denkrichtung. Mehr junge Leute sorgen für neue Ideen.

Haben Sie dafür ein Beispiel?
Der Post-Sportverein Nürnberg ist ein gutes Beispiel. Dort arbeiten immer mehr junge Mitglieder an der Öffentlichkeitsarbeit mit und es läuft super dort.

Wie erleben Sie ältere Vereinsmitglieder in ihren Vorträgen?
Bei den Älteren gibt es meist einen positiven Egoismus. Sie wollen das schon lernen. Man muss ihnen klar machen, dass die Öffentlichkeitsarbeit das Zentrum ist, das einen Verein ausmacht. Sehr viele Vorstände sind aber wissbegierig und lernfähig.

Welches Verhältnis haben die Vereine zum Internet?
Das ist sehr zwiespältig und hat etwas mit der Kompetenz der Vereine zu tun. Für eine Homepage ist wichtig, dass sie Identifikation, Infos und News bietet. Eine Herausforderung für die Vereine ist, dass technisches Wissen, Kompetenz, Geld und Aktualität wichtig sind. Das können sich nicht alle Vereine leisten. Aktualität ist ja auch ein journalistisches Element. Die Corporate Identity muss stimmen, eine Homepage geht direkt an den Bürger. Eine Homepage muss langfristig angelegt sein und Glaubwürdigkeit herstellen. Öffentlichkeitsarbeit ist kein 100-Meter-Sprint, sondern ein Marathon. Sobald die Bürger sehen, die Homepage läuft, besuchen sie sie auch häufiger.

Welche Kompetenzen muss ein guter Öffentlichkeitsarbeiter besitzen?
Erstmal muss er sich ein Standing im Verein erarbeiten. Dazu benötigt er Sprachkompetenz und Methodenkompetenz. Außerdem braucht er Durchsetzungsvermögen. Und es braucht ein gutes Verhältnis zwischen dem Vorstand und den Öffentlichkeitsarbeitern. Diese Position kann ich keinem empfehlen, der nur im Verein mitläuft. Er muss im erweiterten Vorstand sein.

Was raten sie Vereinen, die gar keine Öffentlichkeitsarbeit betreiben?
"Man kann nicht nicht kommunizieren", wie das Zitat des Kommunikationswissenschaftlers Paul Watzlawick heißt, stimmt auch hier. Jedes Vereinsmitglieder betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Wenn Mitglieder in Gesprächen im Alltag über den Verein reden, ist das schon Öffentlichkeitsarbeit. Jeder Einzelne ist ein Multiplikator.

Auf welche Vereine treffen Sie bei Ihren Vorträgen?
Da ist Queerbeet alles dabei. Vom Gartenverein über den Kaninchenzüchterverein bis hin zur Freiwilligen Feuerwehr. In den sozialen Organisationen gibt es nichts, was es nicht gibt.

Das Interview führte
Franziska Rieger
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