Adelsdorf

War das Baugebiet Reuthsee in Adelsdorf ein Fehler?

In Adelsdorf regt sich Kritik am Wohngebiet Reuthsee. Einige Gemeinderäte bereuen offen, dem Projekt in dieser Form zugestimmt zu haben.
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Foto: Christian Bauriedel
Foto: Christian Bauriedel
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Wer zur Zeit einen Ausflug an den Adelsdorfer Ortsrand unternimmt, kommt unweigerlich ins Staunen. Denn dort, im Baugebiet Reuthsee, wird deutlich, wie es aussieht, wenn der Ort in den nächsten Jahren um ein Viertel wachsen wird. Eine Investorengruppe um Ralph Munck errichtet hunderte Reihenhäuser. Fast 2000 Menschen sollen hier in ein paar Jahren leben.

Einigen der Gemeinderäte scheint jetzt erst klar zu werden, was auf die Kommune zukommt. Teils ist von einer Fehlentscheidung die Rede. Interessant ist jedoch: Der Gemeinderat hatte das Projekt in dieser Form einstimmig beschlossen.

"Ich muss mich bei allen Adelsdorfern entschuldigen", sagt Norbert Birkner (FW). Er würde die Entscheidung so nicht noch einmal treffen. "Ich bin mehr als unglücklich", so Birkner, der von den Adelsdorfern schon oft auf die Bauweise der Häuser angesprochen worden sei.
"Ich habe nicht erkannt, welche Tragweite das hat und in welcher Weise sich das Dorf verändern wird." Es sei ein Fehler, wenn sich Adelsdorf "nach der 10 000-Einwohner-Marke streckt." Birkner wünsche sich, dass Adelsdorf seinen "ländlich geprägten Charakter" behält.


Einsicht kommt zu spät

Doch machen könne man eben jetzt nichts mehr. Der Bebauungsplan ist rechtskräftig. Ein Mix aus Einzel- und Mehrfamilienhäusern, der im Ort sonst vorherrscht, ist am Reuthsee noch nicht zu sehen. Es entsteht eine Siedlung mit dicht gebauten Blocks. Flachdächer, kleine Gärten, Einheitsbauweise.

Auch Jörg Bubel, SPD-Gemeinderat, bereut, dafür die Hand gehoben zu haben: "Ich sage, im Rückblick war es ein Fehler. Ich habe zwar hier und da Kritik angebracht. Aber mitgestimmt habe ich." Doch warum kommt die Einsicht so spät? Er sei unter dem Eindruck einer gewissen "Panikmache" gestanden, dass man das Gebiet aus finanziellen Gründen unbedingt brauche.

Zehn bis zwanzig solche Reihenhäuser könne Adelsdorf vertragen. "Aber in dieser Menge und Dichte ist es eigentlich unerträglich. Sämtliche städtebaulichen Aspekte wurden außer acht gelassen", sagt Bubel. Es sei zudem schwierig, die neuen Anwohner in den Ort zu integrieren. Vom Verkehr ganz abzusehen, so Bubel. "Wenn nur ein Viertel der Reuthsee-Einwohner samstags Brötchenholen fährt, dann staut sich alles."


Alle Pläne waren bekannt

Eine andere Einschätzung hat Jutta Köhler, Zweite Bürgermeisterin (Pro Adelsdorf). "Wir haben uns im Vorfeld Gedanken gemacht. Es gab seinerzeit mehrere Gutachten." Bedenkenträgern erwidert sie, dass zuvor Pläne auslagen und Infoveranstaltungen stattfanden. "Jeder Bürger hätte die Möglichkeit gehabt, ein Veto einzulegen."

Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) äußert ebenfalls Unverständnis: "Wir wussten, was dort entstehen wird. Alle Themen wurden abgearbeitet." Der Baustil sei nun mal die moderne Art zu Bauen. "Es scheint ja anzukommen. Sonst würde ja nicht so viel davon verkauft."

Andreas Maier und Ulrich Günther von der CSU sehen die Bebauung ebenfalls nicht als Fehlentscheidung. "Wir stehen nach wie vor dazu. Ich akzeptiere aber auch Meinungen, die sagen, dass das nicht zu Adelsdorf passt", sagt Maier.

Maier und Günther waren damals dabei, als einige Gemeinderäte sich in Heroldsberg, Zirndorf und Feucht Beispielhäuser anschauten. Man habe mit den Bewohnern dort gesprochen. "Und die waren begeistert", so Maier. Er selbst juble nicht unbedingt. Aber es müsse ja vor allem den neuen Anwohnern gefallen.
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