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Mühlhausen
Altes Handwerk

Von Karpfen und Hechten aus Mühlhausen

Walter Jakob ist Fischwirt aus Leidenschaft, dabei ist er in der Stadt aufgewachsen. Letztendlich half die Bundeswehr dabei, seinen Traum zu verwirklichen.
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Für das Foto hat sich der Fischwirt Walter Jakob aus Mühlhausen auf ungewohntes Terrain begeben: hinter die Verkaufstheke. Foto: Jann Weckel
Für das Foto hat sich der Fischwirt Walter Jakob aus Mühlhausen auf ungewohntes Terrain begeben: hinter die Verkaufstheke. Foto: Jann Weckel
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Auf die Frage hin, was den Beruf des Fischwirts ausmacht, gerät der Mühlhausener Walter Jakob sofort ins Schwärmen: "Das ist der schönste Beruf, den es gibt. Die Vielfalt macht es aus." Kein Tag sei planbar. Mal an der frischen Luft, mal am Schreibtisch. "Es kann sein, dass ich am einen Tag voller Schmieröl bin, weil ich in unserer Werkstatt zu tun hatte. Am nächsten bin ich vielleicht voller Speiseöl, weil ich viel mit Lebensmitteln gearbeitet habe", sagt er. Dazu die Mischung aus traditioneller Arbeit und modernen Elementen: "Es gab mal den Spruch von Laptop und Lederhose. Bei uns ist das wirklich so."


Vom Stadtkind zum Fischwirt

Doch von Anfang an: Walter Jakob ist in Nürnberg geboren. 14 Jahre seines Lebens verbrachte er dort, bis seine Eltern beschlossen, aufs Land zu ziehen. Der Grund: Sein Vater wollte sich mehr seinem Hobby widmen. Dem Angeln.

So kam irgendwann auch der Kontakt zu den dortigen Fischwirten zustande. "Ich habe in meinem Leben nur eine einzige Bewerbung geschrieben", erzählt Jakob mit einem gewissen Stolz. Eine Ausbildungsstelle als Fischwirt bei der Fischereigenossenschaft sollte es sein, und er erhielt den Zuschlag. Als er allerdings Jahre später gerade seinen Wehrdienst absolviert hatte, war die Genossenschaft aufgelöst worden. "Da war ich erst einmal ohne Arbeit. Aber ich hatte zum Glück 320 Mark Entlassungsgeld von der Bundeswehr", erinnert er sich. Damit pachtete er einige Teiche und entwickelte seinen Betrieb von da an stetig weiter.

"Dann habe ich in einen landwirtschaftlichen Betrieb eingeheiratet. Mit der Milchviehhaltung war aber irgendwann nicht weiterzumachen. Meine Frau war auch der Meinung: Eigentlich ist alles da. Es wäre schade, wenn der Hof den Bach runter geht." Und so wurde dieser zum Fischereibetrieb umgebaut. "Und ich bereue es nicht einen Tag", so Jakob.

Der Familienbetrieb läuft. Und sogar die Chancen auf einen Nachfolger stehen bei drei Söhnen nicht schlecht: "Mein ältester Sohn hat eigentlich Landschaftsgärtner gelernt, schult jetzt aber gerade in einem anderen Betrieb zum Fischwirt um", sagt Walter Jakob. "Das freut einen schon sehr. Wir haben aber nie Druck ausgeübt. Auch beim Ausbau des Hofs haben wir darauf geachtet, dass wir den Kindern keine moralische Verantwortung aufzwingen und sie das Geschäft weiterführen müssen." Denn auch seine eigenen Eltern hätten ihn immer unterstützt - trotz des ungewöhnlichen Berufswunschs.

Rund 70 Hektar Gesamtfläche werden aktuell bewirtschaftet. "Da ist auch noch ein bisschen Landwirtschaft und Forst dabei", erklärt Jakob. Auch Auszubildende sind regelmäßig Teil des Teams. "Das sind oft Angler, die ihr Hobby zum Beruf machen wollen. Besonders wichtig sind aber die, die erst die Ausbildung machen und dann studieren. Die sitzen dann später in den Verwaltungen, wissen aber trotzdem, was Arbeiten bedeutet", so Jakob.
Wie schon erwähnt, ist der Arbeitsalltag vielseitig: Vom Flicken von Netzen, über das Reparieren der eigenen Geräte, bis hin zum Messen des Fettgehalts der Karpfen mit modernster Technik. Und natürlich die Pflege der Teiche: Zum Beispiel werden auch Raubfische mit den Karpfen dort platziert, um schädliche Kleinfische zu bekämpfen. Doch Vosicht: "Ein kleiner Hecht und große Karpfen geht gut. Andersrum freut es am Ende nur den Hecht."


Erfolgreiche Selbstvermarktung

Seine Ware bringt Walter Jakob als Selbstvermarkter in seinem Hofladen an den Mann: "Obwohl das hier eine Karpfenregion ist, gibt es nicht so viele Kollegen, die das machen. Viele verkaufen zwar in den Karpfenmonaten ihre Fische vor Ort, aber richtige Fischgeschäfte gibt es kaum." Das Angebot seiner Ladens umfasst neben den hauseigenen Süßwasserfischen auch Seefisch. "Deswegen haben wir auch nur von Mittwoch bis Samstag geöffnet. Am Montag landen die Fische an der Küste an, dann ist meistens Dienstag Auktion und Mittwoch ist der Fisch dann hier. Am Montag würde man nur Fisch von der Vorwoche geliefert bekommen", erklärt Jakob.

Besonders dankbar ist er, dass viele Kunden den Weg nach Mühlhausen auf sich nehmen, statt im Supermarkt oder im Internet ihren Fisch zu kaufen. Grund sei auch die fachkundige Beratung durch seine Frau: "Sie hat sich ein enormes Fachwissen angeeignet." Er sagt: Sogar größer, als sein eigenes.

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