Weingartsgreuth
Kirchweih

Vom Windrad und Kerwasbaum in Weingartsgreuth

Rund um das Aufstellen des 24 Meter hohen Kerwasbaum gab es von den Burschen aus Weingartsgreuth einige Anspielungen gegenüber den geplanten Windrädern zu hören.
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Foto: Sonja Werner
Foto: Sonja Werner
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Kommunale Entscheidung, gesetzliche Vorgaben, Bürgerwille hin oder her - das erste Windrad steht in Weingartsgreuth. Die Ortsburschen haben es aufgestellt mit ihrer Kerwasficht'n am Samstag.

In Miniaturform zwar nur, aber weithin sichtbar, beleuchtet und als unmissverständliche Botschaft: "Denn sie Wust(en) nicht, was sie tun." Das fehlende "s" in der Vergangenheitsform von "wissen" ist als Anspielung auf eine an der in der Nähe des Wachenrother Ortsteils geplanten und von der Bevölkerung nicht gerade mit Freudenschreien aufgenommenen Errichtung zweier Windkrafträder beteiligte Firma zu verstehen.

Vom "genialsten Kerwas-Gag aller Zeiten" sprach Erich Weichlein, der Kerwasburschen-Unterstützer. Deshalb sprach er eine Einladung zum Weißwurst-Frühschoppen an die Burschen und Madla aus. Er selbst sei nach eigenen Worten inzwischen "vom Dulder zum Gegner der Windkraftanlage" geworden.


Ein passendes Kerwaslied, das insbesondere beim traditionellen "Küchla-Zamspilln" am heutigen Montag dargeboten wird, wurde auch gleich gedichtet: "Des Windrod des laffd ned, des Windrod des stehd. Das do wos verdiend is, glaab I ned, I bin ja ned bleed."


24 Meter hoher Baum

. Das Baumaufstellen selbst verlief nach alter Tradition. Beim Einspielen halfen zwar nur 15 junge Männer mit - Madla gab es nur drei oder vier, so dass heuer auch auf den Kranz verzichtet werden musste -, doch beim Aufrichten waren dann auch einige "Altburschen" zur Stelle.

Der 24 Meter hohe Baum wurde mit folgendem Kommentar der Kerwasburschn aufgestellt: "Auf Grund der Nabenhöhe des Windrads von rund 15 Metern wurde der durch die bayerische 10-H-Regelung vorgegebene Mindestabstand von 150 Meter fast im gesamten Dorfgebiet eingehalten. Die immissionsschutzrechtlichen Genehmigungen der Nachbarn konnten mit zwei Kästen Freibier eingeholt werden. Die Umweltverträglichkeitsprüfung wird - wie so oft - nachgeholt. In Kürze soll darüber entschieden werden, ob das Bauwerk als Windrad oder als Kerwasbaum einzustufen ist."

Nicht berührt wurde das Liedlasingen vor der Stammgaststätte. Da musste vor allem "der klaa Geyer" ran. Niklas Geyer war mit seinen 15 Jahren einer der Jüngsten. Er entstamme einer "Ahnengalerie", die verpflichtet, denn der Vater Dieter, Mitglied der Weingartsgreuther Musikanten, "kennt jedes Kerwaliedla, das man sich vorstellen kann", so die Überzeugung der Burschen.

Das "Kerwasbaamlänge-Schätzen" am Samstagabend, bei denen die Gäste im Kronensaal ihre Schätzung abgeben konnten und derjenige gewann, der am nächsten dran war, wurde heuer ersetzt durch ein anderes Spiel:
Von zwei zusätzlichen Stämmchen durften Wettkampf-Begeisterte ein Stück absägen. Dieses sollte möglichst genau 100 Gramm wiegen. Wer das am genausten erreichte, ging als Sieger hervor.


Erste Kirchweih im Leben

Unberührt von diesen Zusammenhängen bestaunten Gäste aus Brasilien den unbekannten Brauch des Baumaufstellens. Carmelita und Irio Keifer, Deutsch-Brasilianer, deren Ur-Ur-Vorfahren nach Brasilien ausgewandert waren, sind auf Einladung der Kirchengemeinde Lonnerstadt gerade hier in der Gegend und wollten von der alten Heimat auch mal etwas Originelles mitbekommen. "So etwas haben wir noch nie gesehen", sagten die beiden danach.

Die Kerwa flutschte in Weingartsgreuth wie geschmiert. Der Kerwas-Auftakt am Donnerstag im Hof der Gaststätte war zwar auf Grund der kühlen Abendtemperatur etwas früher beendet als gewöhnlich, aber dennoch bestens besucht. Die Kerwasparty am Sportplatz - am Freitag war es schon wärmer - dauerte "bis tief in die Nacht". Der Kronensaal und der Kirchweihkaffee am Sonntag konnten sich über Besuchermangel ebenfalls nicht beklagen. Am Montag geht die Kerwa zu Ende. Der Weißwurst-Frühschoppen, das Küchla-Z'ammspiln und der abschließende Tanz am Montagabend bringen das Fest zu einem gelungenen Abschluss.

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