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Höchstadt a. d. Aisch
Konzert

"Vom Himmel hoch" nach Höchstadt

Die evangelische Kirchengemeinde hatte zu einem Abend mit Bach'schen Orgelchorälen zu Luther-Liedern geladen.
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Der "Coro pro Musica" beim Konzert der evangelischen Kirchengemeinde Foto: Pauline Lindner
Der "Coro pro Musica" beim Konzert der evangelischen Kirchengemeinde Foto: Pauline Lindner
500 Jahre Reformation heißt aufseiten der Musik auch eine Rückblende auf das kompositorische Schaffen Martin Luthers. Diesem Gedenken verpflichtet veranstaltete die evengelische Kirchengemeinde ein Konzert, das darauf basierte. Gabriel Konjaev intonierte eine große Zahl der Orgelchoräle, die Johann Sebastian Bach auf der Grundlage Luther'scher Kirchenlieder geschaffen hat. Der "Coro pro musica" unter Klaus-Dieter Stolper und der Unterstufenchor des Gymnasiums unter Maria Thamm-Kaufmann trugen eine ausgewählte Anzahl der ebenfalls darauf beruhenden Chorsätze Bachs vor.

Gedanklich muss man sich dabei bewusst machen, dass zwischen Luther und Bach 200 Jahre liegen und seither nochmals 300 Jahre vergangen sind. Und trotzdem berühren uns diese Werke noch heute. Zurück zu den Anfängen führte Stolper zwischen den einzelnen Abschnitten des Konzerts.


"Wie ein Lauffeuer"

So war es eine Moritat über den Tod zweier Mönche, die sich zu Luthers Thesen bekannt hatten, wie sie Sänger auf Märkten vortrugen, die den Reformator 1523 anregten, selber Lieder für den Gottesdienst zu schaffen. Als sogenannte fliegende Blätter verbreiteten sich seine Schöpfungen "wie ein Lauffeuer unter den Leuten" (Stolper).

Das zweite Lied, so weiß man, war die Umformung des Psalms 130 "Aus tiefer Not schrei ich zu dir". "Eine geniale Umsetzung der Semantik" beschrieb es Stolper, wenn die Melodie in die Tiefe sinkt und sich von unten an den Herrn wendet. Die Psalmeninhalte in singbare Texte zu verwandeln, sah Luther als eine Aufgabe, die andere war, die reformatorischen Gedanken in poetischer Form zu verbreiten. So wurde schon 1524 in Nürnberg das "Acht-Lieder-Buch" mit Luthers Schöpfungen gedruckt, eine Art Ur-Gesangbuch der evangelischen Kirche.

1537 folgte die katholische Kirche mit dem "ersten Gotteslob", wie es Stolper formulierte. Das führt zu einem überkonfessionellen Gedanken: Nur im letzten Viertel der 2000-jährigen Geschichte des Christentums ist der Gesang der Laien in ihrer Landessprache im Gottesdienst fest verankert. Durch Luthers Impuls. Und trotz aller folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen um den rechten Glauben fanden viele Lutherlieder Eingang zumindest in den familiären Liedschatz von Katholiken. Das auch in diesem Konzert vorgetragene "Vom Himmel hoch, da komm ich her" dürfte das bekannteste Beispiel sein.


Melodien wie Flussläufe

Der Abwechslung in der musikalischen Gestaltung von Gottesdiensten dienten sicherlich die Bach'schen Bearbeitungen der Lutherlieder für die Orgel. Der Meister der strengen, vielschichtigen Komposition überließ es hier den Begleitstimmen, um die Liedphrase herum die Emotionen des Textes auszudrücken. So perlen die Melodien wie zarte Flussläufe im Orgelchoral BWV 684 "Christ, unser Herr, zum Jordan kam". Eigens machte Stolper auf BWV 616 "Mit Fried und Freud fahr ich dahin" aufmerksam, wie Luther den Zustand Mariens beschrieb, als sie ihren Sohn im Tempel wiedergefunden hatte. Bach wählt um das in Teile zerlegte Grundgerüst des Chorals frei erfundene Musik in einem friedvollen Tempo. Die Freude übermittelt der verwendete Rhythmus des dreisilbigen Daktylus, eines antiken Versmaßes.

Mit den "sprechenden Figuren" der Orgelchoräle näherte sich Bach den Kompositionsideen der Programmmusik vor allem des 19. Jahrhunderts. Zeitlich korrekter: Er ging ihnen in der Idee voran. Gerade hier forderte er vom Organisten ganz hohe Leistungen, wie Sechsstimmigkeit, und das für zwei Hände und zwei Füße. "Das ist mit das Schwerste, was Bach komponiert hat", machte der Chorleiter aufmerksam, nachdem Konjaev den Orgelchoral "Aus tiefer Not" gespielt hatte.

Bekamen die Chorauftritte viel Beifall, so steigerte sich der nochmals als Dank für die Vortragskunst des Organisten.

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