Dannberg
Nachwuchs

Vier Jungstörche sterben in Dannberg

Jetzt hat Lothar Ort auch in Dannberg vier tote Jungstörche aus dem Nest geholt. "Die Tiere brauchen dringend Sonne", sagt der Fachmann.
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Lothar Ort trägt die toten Jungstörche aus dem Heßdorfer Ortsteil Dannberg im Eimer. Foto: Richard Sänger
Lothar Ort trägt die toten Jungstörche aus dem Heßdorfer Ortsteil Dannberg im Eimer. Foto: Richard Sänger
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Der Mai war wirklich kein Wonnemonat - nicht nur für die Jungstörche. "Aufgrund der schlechten Witterung haben momentan viele Vogelarten - vor allem Insektenfänger - Probleme mit der Nahrungssuche und Aufzucht ihres Nachwuchses", weiß der Oberlindacher Lothar Ort. Auch der Nachwuchs im Dannberger Horst fiel dem Schlechtwetter zum Opfer.

Wie schon in Oberlindach, stellte die Firma Georg Schickert aus Dechsendorf auch in Dannberg die fahrbare Arbeitsbühne zur Verfügung. Dadurch konnte Ort das nasse und faulige Material sowie die vier toten Jungtiere aus dem Nest holen und dieses mit wasserdurchlässigem Stroh auspolstern. "Ohne Georg Schickert und seine Arbeitsbühne wäre ich aufgeschmissen, denn es ist nicht sicher, ob eine Feuerwehr aufgrund diverser Vorschriften eine Drehleiter schicken würde", meinte Ort. Wenn man schnell auf einen Hubsteiger oder eine Arbeitsbühne hätte zurückgreifen könnte, hätten die Jungtiere gerettet werden können. Deshalb ist Ort dem Dechsendorfer Unternehmer dankbar, dass er immer mal wieder die Arbeitsbühne von einer Baustelle abzieht. Allerdings ist dem Oberlindacher auch klar, dass das eben der Lauf der Natur sei und der Mensch nur in extremen Situationen eingreifen sollte.

"Ein paar warme Tage könnten die Tragödie vielleicht noch etwas abmildern und geschwächte Altstörche könnten sich ebenso erholen wie die geschwächten Jungtiere", hofft Ort. Das schlechte Wetter der letzten Tage hat den Storchenfamilien extrem zugesetzt. "So drastisch war die Lage schon seit Jahren nicht mehr", sagt dazu der Erlanger "Storchenvater" Michael Zimmermann. Vom Kamin der Steinbachbräu musste Zimmermann ebenfalls fünf tote Jungstörche bergen, aber auch die Erlanger Störchin ist tot. Sie starb an Gift. Zimmermann vermutet, dass die Störchin eine vergiftete Ratte in den Regnitz wiesen aufgenommen hat.

Auch in Höchstadt hatte Edmund Lenz eine traurige Aufgabe: Er musste drei tote Jungtiere
aus dem Nest nehmen. Kurz vor dem Verenden konnten noch zwei Jungtiere gerettet werden und der Höchstadter Storchenbetreuer wird sie wieder ins Nest zurücksetzen, wo sich dann die Altstörche wieder um die Aufzucht kümmern werden.

Das jammervolle Sterben ist den niederen Temperaturen und dem Regen zuzuordnen, denn der kalte Wind hat die kleinen feuchten Körper zu sehr geschwächt. "Dauerregen ist - ebenso wie gar kein Regen - schädlich für Störche, da in diesem Fall der Horst durchweicht", erklärte Lothar Ort. So wie schon in Oberlindach war das Nistmaterial verdichtet, nass und faulig. Da die Küken noch kein richtiges Federkleid besitzen, sterben sie an Unterkühlung.

Dabei begann die Brutsaison so viel versprechend: Die Störche hatten teils drei bis fünf Junge im Nest. "Das ist überdurchschnittlich viel und wir freuten uns darüber", sagte Lothar Ort. "Dann kam schon alles zusammen, die kalten Nächte und wegen des Regens konnten auch viele Wiesen nicht gemäht werden", resümiert Ort. Denn gerade in den frisch gemähten Wiesen gibt es für Störche Mäuse, Frösche, Insekten und Würmer, eben das richtige Futter zur Aufzucht.

Zudem sind die meisten Jungen zu groß, um unter die wärmenden Flügel der Eltern zu passen - aber noch zu klein, um sich selbst warm zu halten. "Wenn das Wetter weiter so schlecht bleibt, überleben die meisten Jungtiere nicht", befürchtet Zimmermann. Dass es in diesem Jahr nicht gut um die Störche steht, kann man auch auf den Livebildern der zahlreichen Storchen-Webcams sehen. In vielen Horsten stehen nur noch die Storchen-Eltern und in einigen Nestern liegen tote Jungtiere. "Schon ein Tag Sonne würde den Störchen extrem gut tun", meinte Ort. Dann könnten sie ihr Gefieder putzen. Richtig trocknen und aufwärmen. Ort weiß: "Das haben die Störche bitter nötig."

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