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Viel Platz für junge Flüchtlinge in Aisch und Adelsdorf

In Adelsdorf und Aisch werden schon bald minderjährige Flüchtlinge untergebracht. Betreut werden sie rund um die Uhr von den beiden Einrichtungen WAB Kosbach und Puckenhof. Die ersten Jugendlichen werden ab 1. Juli erwartet.
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In diesen zwei Häusern im Ulmenweg in Aisch werden insgesamt 14 minderjährige Flüchtlinge untergebracht
In diesen zwei Häusern im Ulmenweg in Aisch werden insgesamt 14 minderjährige Flüchtlinge untergebracht
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Krieg, Terror, Bombenangriffe und Tod waren lange alles, was sie kannten. In der Hoffnung auf ein ganz normales Leben machten sie sich auf den langen Weg nach Europa, nahmen alle möglichen Gefahren und Strapazen auf sich, und das völlig ohne Eltern oder anderer Angehörige. 26 dieser unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge werden im Landkreis bereits betreut. In den kommenden Monaten kommen 34 dazu. Sie werden in Aisch und in Adelsdorf untergebracht.

Anwohner wurden angeschrieben

Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) informierte darüber in der Gemeinderatssitzung am Mittwochabend. Die direkten Anwohner wurden gestern schriftlich über das Vorhaben in Kenntnis gesetzt und zu einer Informationsveranstaltung am Donnerstag, 18. Juni, in der Aischgrundhalle eingeladen. In Adelsdorf werden insgesamt 20 unbegleitete Flüchtlinge in zwei Häusern in der Bahnhofstraße und in der Aischer Straße von der gemeinnützigen Einrichtung WAB Kosbach betreut. Für insgesamt 14 Jugendliche ist der Evangelische Jugendhilfeverbund Puckenhof in ebenfalls zwei Häusern im Ulmenweg in Aisch zuständig. Alle Häuser wurden dem Landratsamt von Privatpersonen zur Unterbringung von Asylbewerbern zur Verfügung gestellt.

In Aisch sollen die ersten minderjährigen Flüchtlinge bereits am 1. Juli einziehen. Sie kommen aus einer der sogenannten Clearingstellen in Nürnberg, wo ihr Asylverfahren eingeleitet wird und sie zunächst für drei Monate aufgenommen und betreut werden. "Dort geht es erstmal um ihre Fluchtgeschichte und ihren Gesundheitszustand. Viele sind zu Fuß durch die Sahara oder landeten in Libyen im Gefängnis", erzählt Martin Burda, Abteilungsleiter beim Puckenhof. Die Jugendlichen werden psychologisch betreut, bekommen Deutschunterricht und eine Erstausstattung an Kleidung.

Sowohl in Aisch als auch in Adelsdorf werden die minderjährigen Flüchtlinge rund um die Uhr betreut. Mindestens ein Betreuer ist pro Haus immer vor Ort. Nachmittags, wenn die Kinder aus der Schule kommen, sind sie zu zweit. Darüber hinaus gibt es eine enge Kooperation mit dem Jugendamt.

Gesprächsbereit und offen

In Aisch werden in einem Haus zehn, in dem zweiten Haus vier Jugendliche untergebracht. Bereits Ende vergangenen Jahres stand das Anwesen im Ulmenweg als Wohnraum für Asylbewerber zur Debatte. "Es gab allerdings Schwierigkeiten mit den Nachbarn. Das war nicht so einfach", erinnert sich Burda. Das Vorhaben wurde schließlich fallen gelassen. "Jetzt haben wir ja aber im Vergleich zu damals eine ganz andere Situation. Wir haben eine 24-Stunden-Betreuung und ein ganz anderes Alter", meint Hannah Reuter, Pressesprecherin des Landratsamts.
Eine Anwohnerin zeigte sich gestern allerdings überrascht, als sie das Anschreiben von Bürgermeister Fischkal im Briefkasten fand. Sie dachte, das Thema Asylsuchende im Ulmenweg sei vom Tisch. "Ich bin schon skeptisch. Wir wissen ja nicht, was kommt", sagte sie. Vor allem vor jungen Männern habe sie Angst, Mädchen wären ihr lieber.

Burda rechnet mit vielen Fragen seitens der Anwohner. Er möchte Gesprächsbereitschaft und Offenheit signalisieren. Seine Erfahrungen mit den Anwohnern in Röttenbach, wo in der Weiherstraße seit März ebenfalls unbegleitete Flüchtlinge betreut werden, sind überwiegend gut. "Die Jugendlichen brauchen auch den Kontakt zu den Nachbarn. Sie sollen sich ja anpassen", sagt Burda. Man könne keine Versprechungen geben, dass alles immer super laufe. "Aber wir sind bemüht um ein gutes Verhältnis und dass alle zufrieden sind."

Chancen schaffen für die Jugendlichen

Die ersten von der WAB Kosbach betreuten unbegleiteten Flüchtlinge werden ab 1. September oder 1. Oktober erwartet. "Vorher gibt es noch kleine Umbauarbeiten", erklärt der Geschäftsführer Jürgen Ganzmann. Ihm geht es besonders um eine ganzheitliche Betreuung inklusive einer Berufsperspektive für die Jugendlichen. "Angesichts des Fachkräftemangels gibt es einen riesigen Bedarf. Wir wollen für die Jugendlichen Chancen schaffen." Ganzmann will bei der Informationsveranstaltung nächste Woche noch näher auf das genaue Konzept eingehen. "Ganz wichtig ist mir auch, dass unsere Kultur von den Jugendlichen verstanden wird", sagt er.



Die Informationsveranstaltung findet am kommenden Donnerstag, 18. Juni, um 19 Uhr in der Aischgrundhalle statt. Eingeladen sind neben den Anwohnern und interessierten Bürgern vor allem auch Vereine und Einrichtungen.


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