Herzogenaurach
Ausstellung

Verschwundene Orte im Stadtmuseum

Seit Donnerstag kann im Stadtmuseum Herzogenaurach die Ausstellung "Die verschwundenen Orte" besichtigt werden. Die Ausstellung der Organisation "Antikomplex" erinnert an verschwundene Ortschaften im Sudetenland.
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Die Bären-Drogerie war bei den Herzogenaurachern lange Zeit ein Anlaufpunkt. Foto: Manfred Welker
Die Bären-Drogerie war bei den Herzogenaurachern lange Zeit ein Anlaufpunkt. Foto: Manfred Welker
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Natascha Hergert von Antikomplex, einer Organisation, die von Tschechischen Bürgern zur Aufarbeitung der Geschichte im Sudetenland gegründet wurde, gab eine kurze Einführung. 3 Millionen Deutsche Bürger wurden nach dem Ende des Krieges aus ihrer Heimat im Sudetenland vertrieben, 2 Millionen Tschechen rückten nach, blieben aber nicht immer in der neuen Heimat. Dadurch gab es viel Leerstand, ganze Dörfer verfielen, in Grenzbereichen wurden ganze Dörfer bewusst von der Landkarte getilgt. Christian Hoyer erinnerte mit dem Schlagwort "50 Kilo" an die Vertreibung. So gelang es 33 Egerländern aus Dürnbach zusammenzubleiben und in Herzogenaurach sesshaft zu werden.

Viele Heimatvertriebene haben die Ausstellung mit Dokumenten und Objekten aufgewertet. Hoyer würdigte das "Innovative Reisegepäck", das Heimatvertriebenen das sesshaft werden in Herzogenaurach erleichterte.
Das Radiogeschäft Haberzettl gab es seit 1930 in Fischern-Karlsbad. Ein Neuanfang gelang in einem Herzogenauracher Hinterhof, bis das Geschäft lange Jahre in der Hauptstraße die Kunden unter anderem mit Hifi-Geräten versorgten.
Die Familie Glasauer war mit ihrem "Früchtekeller" im Anwesen Ellwanger am Marktplatz untergebracht, inzwischen befindet sich das Geschäft an der Ecke Goethe/Gartenstraße und ist auch mit einem Marktstand auf der Herzogenauracher Hauptstraße vertreten.
Für die Herzogenauracher war im Anwesen Steinweg 9 die Horbaschek "Bären-Drogerie" lange Jahre Anlaufpunkt.
Hubert Hable wurde 1935 in Radschin geboren. Gelernt hat er als Flaschner in Weisendorf bei der Firma Hagen, wechselte dann zur Firma Knöpfle in Erlangen und arbeitete dann in Herzogenaurach bei der Firma Scheer. In einer Vitrine finden sich Erinnerungsfotos an die Heimat und ein Wetterhahn aus Kupfer, den er für alle seine Kinder und Enkelkinder angefertigt hat.

Gesundheitsschein für Lebensmittelmarken

Manfred Lukasch, Jahrgang 1944, wurde mit seiner Familie 1946 ausgewiesen. Lukasch hatte zur Ausstellungseröffnung seine Gesundheitschein, ausgestellt von der Tschechischen Regierung, dabei. "Ohne ausgefüllten Gesundheitsschein keine Lebensmittelmarken" steht fett gedruckt und zur Bekräftigung noch unterstrichen auf dem Dokument. Weiter ist darauf noch zu lesen: "Wer eigenmächtig den Transport verläßt oder sich bei dem zuständigen Flüchtlingskommissar nicht meldet, wird als vagabundierend erachtet und sofort in ein Arbeitslager verbracht." Sein Großvater führte eine Schmiede in vierter Generation. inzwischen führt die Familie Schäfer in der siebten Generation dieses Gewerbe in Höchstadt weiter.

Heimatvertriebene engagierten sich auch in der Herzogenauracher Politik. Johann Höfner, der 1914 in Markt Krönau geboren wurde, war in Herzogenaurach von 1954 bis 1977 als Lehrer an der Hauptschule tätig. Seit 1960 saß er für die CSU im Stadtrat und amtierte von 1973 bis1984 als Zweiter Bürgermeister. Darüber hinaus engagierte er sich im Pfarrgemeinderat von St. Maria Magdalena, war Mitglied bei der Sudetendeutsche Landsmannschaft, im Gesangsverein Liederkranz und in der Singgruppe der Eghalanda Gmoi.

Karl Prokop hatte sich bereits in Bodenbach im Sudetenland für die Deutsche Sozialdemokratische Arbeiterpartei engagiert, sein Sohn Peter Prokop wuchs in Holleischen auf. Karl Prokop wirkte nach der Aussiedlung am Aufbau der SPD in Herzogenaurach mit. Seit 1952 saß er im Herzogenauracher Stadtrat. Sein Sohn Peter führt das Engagement fort.






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