Herzogenaurach
Neujahrsempfang

Uwe Kekeritz rechnet mit Merkel und der Regierung ab

Bündnis 90/Die Grünen starten kämpferisch ins Wahljahr 2013. Der Bundestagsabgeordnete aus Neustadt/Aisch kritisiert Kanzlerin Merkel. Und er nimmt die Kommunen in die Verantwortung.
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Uwe Kekeritz nahm kein Blatt vor den Mund.
Uwe Kekeritz nahm kein Blatt vor den Mund.
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Für eine schonungslose Abrechnung mit den Industrieländern und ihrem Umgang mit der Dritten Welt nutzte der Orts- und Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen seinen Neujahrsempfang. Im Hotel Novina am Olympiaring erläuterte der Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz aus dem Landkreis Neustadt/Aisch, wie er sich sinnvolle Entwicklungshilfe vorstellt.

Kekeritz ist überzeugt: Die "klassische" Entwicklungshilfe ist und war nie sinnvoll − den betroffenen Ländern ist viel mehr geholfen, wenn sie mit den reichen Industrieländern einen fairen Handel pflegen können, bei dem nicht nur Großkonzerne und Zwischenhändler verdienen, sondern auch die Erzeuger. Nur gemeinsam könne der Kampf gegen Hunger und Armut gewonnen werden. Daran können sich auch die Kommunen aktiv beteiligen und eine entwicklungspolitische Verantwortung übernehmen. Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit seien zu ächten. "Ich setze mich für einen Ausbau kommunaler Entwicklungspolitik, umfassende Bildung, für nachhaltige Entwicklung und gute Kooperation von lokalen und internationalen Akteuren ein", erklärte der Abgeordnete. Globales Denken und lokales Handeln müsse das Ziel sein.

Eine Möglichkeit sei, dass sich "faire Kommunen" bis ins Detail darauf festlegen, nur fair gehandelte Produkte zu verwenden. "Unsere Städte und Gemeinden können Politik mit dem Einkaufswagen machen", sagte der Kekeritz.


Es geht nicht nur um Kaffee


"Fair Trade", dieses Label bekommen Produkte, die fair gehandelt, fair bezahlt, unter fairen Arbeitsbedingungen und ohne Kinderarbeit hergestellt wurden. "Fair Trade" sei ein entscheidender Wirtschaftsfaktor in vielen Entwicklungsländern. Dabei gehe es nicht nur um Schokolade und Kaffee. Textilien mit dem Etikett "Fair Trade" seien ebenfalls stark im Kommen.

Jahrelanges politisches Versagen habe sich zu einer handfesten globalen Bedrohung ausgewachsen. Die Klima-Erwärmung um zwei Grad sei fatal. So seien viele Inseln und Küstenstreifen massiv vom steigenden Meeresspiegel bedroht und damit auch Millionenmetropolen wie Kairo und Lagos. Die Wüstenbildung schreite voran, ganze Regionen werden verlassen und soziale Strukturen zerstört.

Ins Visier nahm Kekeritz auch die zunehmende Verarmung in Deutschland. So prangerte er den ständig wachsenden Markt des Niedriglohnbereichs und der Zeitarbeit an. Rund 1,6 Millionen Menschen seien Hartz-4-Aufstocker und 2,5 Millionen Kinder würden in einem der reichsten Länder als arm gelten.

"Wir rasen mit enormer Geschwindigkeit auf eine Altersarmut zu", erklärte Kekeritz. So verweigere Bundeskanzlerin Angela Merkel den Mindestlohn und fördere so die soziale Ungerechtigkeit in Deutschland und Europa. "Und trotzdem erklärt die Regierungschefin, dass ihre Regierung die erfolgreichste seit der Wende sei. Schließlich hat ja Rösler auch den Armutsbericht gefälscht", polterte der Abgeordnete.


Die Profitgier am Pranger


Zum Abschluss bekam auch die Pharmaindustrie wegen Medikamententests in Indien und Afrika ihr Fett weg. Kekeritz' Fazit: Die Profitgier verursache weltweiten Hunger, zerstöre die Umwelt, schädige das Klima, schaffe elendige Arbeitsbedingungen, mache Menschen zu Versuchsobjekten und führe in immer kürzeren Abständen zu Finanzkrisen.

Neben so viel ernsten Themen sorgte Musik zwischendurch für lockere Stimmung. Dafür zeichneten Verena Schröder und Katharina Feyerer mit ihren Beiträgen verantwortlich.




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