Höchstadt
Tourismus

Unter 26 Karpfenland-Reiseleitern ist sogar eine Brasilianerin

Aus den unterschiedlichsten Berufen kommen 26 Bewerber, die sich zum Karpfenland-Reiseleiter ausbilden lassen wollen. Startschuss dafür war am Samstag in Höchstadt.
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Auch Fridolin, der steinerne Karpfen im Höchstadter Kreisverkehr am Bahnhof, ist eine Attraktion für Besucher. Foto: FT-Archiv
Auch Fridolin, der steinerne Karpfen im Höchstadter Kreisverkehr am Bahnhof, ist eine Attraktion für Besucher. Foto: FT-Archiv
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Ana-Paula Gehr liebt Karpfen. So sehr, dass sie ihr Lieblingsgericht in einer Woche schon viermal gegessen hat, wie sie bei der Vorstellung verrät. Das an sich wäre nicht weiter verwunderlich, wenn - ja wenn das Heimatland der jungen Höchstadterin nicht so weit entfernt wäre. Ana-Paula ist Brasilianerin und in ihrer Heimat kennt man vermutlich gar keine Karpfen.

Jetzt möchte sie Karpfen, Kultur, Geschichte und Spezialitäten des Aischgrunds besser kennenlernen und sie dann anderen Menschen näher bringen. Eventuell auch Besuchern, die von weither - vielleicht aus ihrer Heimat - kommen. Das wäre ganz im Sinne des Vereins "Karpfenland Aischgrund" und der unter seinem Dach gegründeten Agentur "Karpfenland-Travel", die den Aischgrund touristisch vermarkten will.

Am Samstag ging's in die Vollen: Im Kommunbrauhaus stellten sich 26 Bewerber einer Ausbildung zum Karpfenland-Reiseleiter. Teichwirte, Krankenschwestern, Erzieherinnen sind ebenso darunter wie bereits ausgebildete Gäste-, Kräuter- oder Naturführer, die ihr Wissen um den Aischgrund vertiefen wollen. Den weitesten Weg hatte Heinrich Armer aus Fürth, der bereits Naturführungen mit Schwerpunkt Ornithologie leitet.

Liebe zur Landschaft verbindet

Eines verbindet sie alle: "Die Liebe zu dieser Landschaft!" Für etliche von ihnen ist der Aischgrund zur liebenswerten neuen Heimat geworden. Möglichst viele Facetten dieses Juwels wollen die künftigen Reiseleiter kennenlernen und "nach außen" tragen.

Bislang sei der Aischgrund mit seiner Schönheit "unterrepräsentiert" gewesen, war aus der Runde zu hören. Damit soll jetzt Schluss sein. Dafür sorgen die Profis der Incoming Agentur, Geschäftsleiterin Sandra Hammer und der Reiseexperte Helmut Dresel. Sie vernetzen, knüpfen Verbindungen, "kümmern" sich um die Gästeführer, die bislang auf sich allein gestellt waren.

"Das ist genau das, wonach ich gesucht habe", stand für viele fest, nachdem sie von dem Angebot erfahren hatten. An fünf Samstagen werden sie nun geschult, unternehmen Exkursionen, lernen das Karpfenland mit all seinen schönen Seiten kennen. Neben der einzigartigen Teichlandschaft zählen dazu die "vier Ks" - Karpfen, Kräuter, Kren und Kellerbier. Aber auch Tradition und Geschichte, Kunst und Kultur der Region.

Freude über das Interesse

Über das große Interesse freute sich ganz besonders Höchstadts Bürgermeister Gerald Brehm (JL), zugleich Vorsitzender des Vereins Karpfenland Aischgrund. Dieser wurde nach den Worten von Walter Jakob "aus einer Bierlaune heraus" vor Jahren im Weberskeller ins Leben gerufen. Aus dem Mund des Vorsitzenden der Teichgenossenschaft erfuhren die "Schüler" auch die wichtigsten Zahlen über die Karpfenregion. Wie groß ist das Karpfenland, welche Landkreise zählen dazu, wie wird der Fisch vermarktet, ja selbst die Konflikte mit dem Naturschutz wurden dargestellt.

Um nur einige Zahlen zu nennen: 7185 Teiche mit einer Fläche von 2800 Hektar gibt es in der Region. Nicht alle werden jedoch für die Speisefischzucht genutzt. Die Mehrheit der Teichwirte wirtschaften laut Jakob im Nebenerwerb und "aus Liebe zur Scholle". Um diese einzigartige Kulturlandschaft zu erhalten, müssten sie "noch Geld mitbringen." 200 Gaststätten und Fischküchen im Aischgrund würden jährlich 750 Tonnen Karpfen verkaufen. Die "Wertschöpfung" daraus beträgt nach Jakobs Rechnung mindestens 10 Millionen, die Summe also, die als Umsatz durch den Karpfen erzielt wird.

Was es darüber hinaus an Wissenswertem über den "Aischgründer Spiegelkarpfen" - übrigens eine eingetragene "geschützte geographische Angabe" - zu sagen gab, vermittelte Höchstadts Karpfenexperte Martin Oberle. Über weitere Besonderheiten des Aischgrunds, unter anderem als Wirtschaftsstandort für die Kräuter- und Teeverarbeitung, referierte Michael Raabe von der Martin-Bauer-Gruppe. Kräuterpädagogin Irene Prell aus Neuhaus hatte sich die Kree, Kren, oder Meerrettich genannte Spezialität aus dem Aischgrund für ihren Vortrag ausgesucht. Von seinem Ursprung - "bereits Hildegard von Bingen erwähnt ihn als Heil- und Gewürzpflanze" - bis zu seinen Inhaltsstoffen, wusste die Referentin viel über die scharfe Wurzel zu berichten.

Karsten Wiese, Vorsitzender des Kellerbergvereins, besuchte den Kurs nach eigenen Worten in einer Doppelfunktion. Als Referent stellte er den Höchstadter Kellerberg, eine Anlage, die schon 1698 nachgewiesen ist, vor. "Viele wissen nicht, welchen Schatz wir hier haben." Privat möchte Wiese dazu lernen, um eventuell künftig auch durchs Karpfenland zu führen.
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