Erlangen
Jubiläum

Uniklinik hofft nachträglich auf Geschenke zum 200. Geburtstag

Mit einem Festakt hat die Uniklinik Erlangen Geburtstag gefeiert. Ministerpräsident Horst Seehofer könnte der Klinik bald einen großen Wunsch erfüllen.
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Horst Seehofer bei dem Festakt der Uniklinik Foto: Nikolas Pelke
Horst Seehofer bei dem Festakt der Uniklinik Foto: Nikolas Pelke
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Klein hat das Klinikum Erlangen vor 200 Jahren angefangen. Heute ist die Uniklinik ein modernes Großklinikum mit über 500 000 Patienten. "Wir feiern diesen Geburtstag mit einer Verspätung von 153 Tagen. Wir wollten einfach nicht ohne Sie feiern", begrüßte Heinrich Iro, Ärztlicher Direktor und Vorsitzender der Uniklinik, den Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU) gestern zum Festakt in Erlangen.

Mit acht Betten habe die Klinik in der Wasserturmstraße gleich neben dem Schloss begonnen. Viele Menschen hätten mitgewirkt, dass das Haus heute mit über 1300 Betten eine der leistungsfähigsten Kliniken des Landes mit internationaler Reputation sei.

"Es wurde viel Gutes getan", sagte Iro. Aber: Leider nicht nur. In der Zeit des Nationalsozialismus hätten Mitarbeiter schwere Schuld auf sich geladen. Im Gottesdienst zum Auftakt hatte die Klinik um Vergebung gebeten.
Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) lobte diese Vergangenheitsbewältigung.

"Wir wollen nach 200 Jahren nicht stehen bleiben", kündigte Iro an. Insbesondere der drohende "Verkehrsinfarkt" müsse abgewendet werden. "Freie Wege zum Uniklinikum sind lebenswichtig. Dafür werden wir kämpfen", sagte Iro. "Wir wollen weiter wachsen", betonte Iro und winkte dem Ministerpräsidenten mit dem sprichwörtlichen Zaunpfahl zu. Denn die Uniklinik würde gerne das Waldkrankenhaus am Burgberg übernehmen und erhofft sich wohl Unterstützung vom Freistaat.

Richtige Geschenke hatte Seehofer freilich nicht nach Erlangen mitgebracht. Mit leeren Händen war er aber auch nicht nach Erlangen gekommen. Der Uniklinik schenkte Seehofer eine sehr persönliche Rede. "Wir feiern heute ein Krankenhaus der Spitzenmedizin", lobte Seehofer.

Über 500 000 Patienten würden pro Jahr in Erlangen von den Segnungen der modernen Medizin profitieren. Das zeige das Vertrauen der Menschen in das Klinikum. Dann wurde der Ministerpräsident noch einmal sehr persönlich und nachdenklich. "Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig medizinische Versorgung im Fall einer Krankheit ist." Der gesunde Mensch habe viele, der kranke Mensch nur einen Wunsch. Alle Parteien in Bayern wollen die Entwicklung der Medizin fördern. Seehofer erinnerte an seine sieben Jahre als Bundesgesundheitsminister.

Das Gesundheitssystem müsse immer aus der Sicht der Patienten betrachtet werden. Nicht nur Zahlen und Bilanzen seien wichtig. Die Humanität müsse im Vordergrund stehen. Das Anliegen in Bayern und Deutschland müsse sein, allen Menschen medizinische Spitzenqualität zur Verfügung zu stellen. Unabhängig von Einkommen und Herkunft. "Zur wichtigsten Aufgabe gehört, diesen höchsten Anspruch auch in der Zukunft zu erfüllen", sagte Seehofer.


Ärzte müssen auch trösten

In seiner Rede stellte er immer wieder die Humanität in den Mittelpunkt. Das Menschliche dürfe in der modernen Gerätemedizin niemals vergessen werden. Dass Ärzte sich Zeit nehmen, Patienten zu trösten, das gehöre zur Spitzenmedizin dazu. Dass man im Krankheitsfall nicht sofort in soziale Schieflage gerät auch. Das solidarische Gesundheitssystem unterscheide Deutschland von vielen Ländern. In Amerika habe Seehofer selbst einmal einen Vorschuss bezahlen müssen, um ein Bett in einem Krankenhaus in Texas zu bekommen.

Statt eines Geschenkes hatte Seehofer eine Bitte zum Geburtstag dabei: Die Klinik soll die ideellen Werte der Humanität weiterhin in den Mittelpunkt rücken. "Sie gehören zu den Besten in Deutschland und in Europa. Darauf können alle miteinander stolz sein", dankte Seehofer den Ärzten, dem Pflegepersonal und der Verwaltung.
Derzeit entstünden zahlreiche Neubauten mit neuen Operationssälen sowie ein neuer Hubschrauber-Landeplatz. Insgesamt würden 180 Millionen Euro investiert werden. "Ich habe gehört, es könnten mehr sein", sagte Seehofer und versprach sich dafür einzusetzen, noch mehr Geld nach Erlangen zu schicken.

Innenminister Joachim Hermann (CSU) liege ihm sowieso schon ständig damit im Ohr, verriet Seehofer. Explizit erwähnte er ein Berufsschulzentrum für medizinische Berufe, das oben auf der Wunschliste der Uniklinik stehe.
"Vielleicht überreicht Bayern der Klinik dieses Geschenk bald mit etwas Verspätung", sagte Seehofer unter Beifall. Auch Oberbürgermeister Janik versprach indirekt, sich für nachträgliche Geschenke für das Klinikum einzusetzen. "Unsere Verkehrswege sind nicht für ein großes Klinikum geplant. Wir wissen, dass wir was tun müssen für das wachsende Klinikum im Herzen der Stadt", sagte er. Die Verkehrssituation sei wachstumshemmend, doch: "Wir wollen, dass die Uniklinik weiter wachsen kann."

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