Spendenaktion

Tulu lernt in Höchstadt Deutsch

Mitglieder der "Helfenden Hände Höchstadt" bringen Flüchtlingen die deutsche Sprache bei. Der Fränkische Tag leitet Zuwendungen über seinen Spendenverein "Franken helfen Franken" weiter.
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Sabine Grasse bringt Tulu deutsch bei. Vor allem lernt der 45-jährige Äthiopier Begriffe aus dem Alltagsleben, damit er sich in seinem Umfeld besser zurechtfindet. Foto: Mona Lisa Eigenfeld
Sabine Grasse bringt Tulu deutsch bei. Vor allem lernt der 45-jährige Äthiopier Begriffe aus dem Alltagsleben, damit er sich in seinem Umfeld besser zurechtfindet. Foto: Mona Lisa Eigenfeld
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Jacke war das erste Wort, das Tulu (Name von der Redaktion geändert) gelernt hat. Kein Wunder angesichts der aktuellen Temperaturen in Deutschland. Aus seiner Heimat Äthiopien ist der 45-Jährige schließlich eher heißes Klima gewohnt.

Seit sieben Monaten lebt er nun in Deutschland. Geflohen ist er allein ohne Hab und Gut. In der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge am Lappacher Weg in Höchstadt wohnt er nun mit einigen Landsleuten zusammen. Ohne Kontakt nach außen und vor allem ohne Sprachkenntnisse fühle er sich in der Stadt dennoch ein wenig verloren, sagt er. Seit zwei Monaten nimmt er deshalb am Deutschkurs teil, den insgesamt sechs Ehrenamtliche einmal wöchentlich im Christustreff der Stadtmission anbieten.


Passend zur Jahreszeit

Die Ehrenamtlichen, das sind die Mitglieder des Vereins "Helfende Hände Höchstadt", der im Frühjahr gegründet wurde. Eine Helferin ist Sabine Grasse. Die Krankenschwester und vierfache Mutter hat passend zur Jahreszeit Weihnachtsbegriffe vorbereitet.


Ohne Lehrbuch

Nach und nach füllen die Kursleiter einen Ordner mit wichtigen Begriffen des Alltags und geben den Teilnehmern Kopien der Arbeitsblätter mit nach Hause. Bezahlt wird das alles momentan noch aus eigener Tasche, wie Sabine Grasse berichtet. "Bücher oder Sprach-CDs wären natürlich noch besser", meint Grasse mit Blick auf eine mögliche Verwendung von Spendengeldern.

Ein festes Programm gebe es für den Kurs nicht. Vielmehr müsse man sich jede Woche aufs Neue den jeweiligen Teilnehmern anpassen: " Es herrscht ein ständiger Wechsel."

So verfügen manche Asylbewerber bereits über erste Deutschkenntnisse, andere könnten sich nicht einmal auf Englisch verständigen. Besonders schwer sei es für diejenigen, die die lateinische Schrift erst lernen müssen. Zur Sicherheit liegt deshalb stets ein arabisches Wörterbuch vor Grasse auf dem Tisch.

Besonderes Augenmerk legen alle Lehrer auf Begriffe, mit denen die Asylbewerber Tag für Tag in Berührung kommen: essen, trinken und anziehen. Aber auch das Alphabet soll gelernt werden.


Spielerisch lernen

"Außerdem versuche ich, so viel wie möglich auf Deutsch zu sprechen", erzählt Grasse. Besonders spielerisches Lernen, beispielsweise im Rahmen gemeinsamer Kartenspiele, sei effektiv.

Tulu möchte die Sprache in erster Linie lernen, um sich im Supermarkt besser zurechtfinden zu können. An diesem Samstag ist er der einzige Teilnehmer des Kurses. Manchmal seien es bis zu zehn Schüler, manchmal komme aber auch niemand, berichtet Grasse. Das sei für sie dann schon ein wenig ärgerlich.


Interesse an Deutschem

Alles in allem hat sie aber den Eindruck, dass die Flüchtlinge sehr lernwillig seien und gern mehr erfahren würden über Deutschland, seine Kultur und Menschen. Aus diesem Grund möchte Grasse Tulu an diesem Tag auch deutsche Traditionen und Bräuche im Zusammenhang mit der Adventszeit näherbringen. Wenn er neue Begriffe kennenlernt, ermutigt sie ihn, die Übersetzung in seiner Amtssprache aufzuschreiben.

Ob manche der Wörter in seinem Sprachschatz überhaupt existieren, bezweifelt Grasse aber: "Manchmal frage ich mich schon, ob die Teilnehmer mit den Begriffen überhaupt schon einmal in Berührung gekommen sind oder Dinge wie einen Adventskalender schon einmal gesehen haben." Ein Großteil der Kursteilnehmer sei männlich. Und das habe auch seinen Grund: "Bei großen Familien muss sich das Oberhaupt verständigen können. Die Mutter kümmert sich in der Regel lieber zu Hause um die gemeinsamen Kinder."

Geduldig nimmt sich Sabine Grasse Tulus an diesem Nachmittag an, erklärt ihm Begriffe wie Haus, Dach, Fußball, Sterne und Schuhe. Immer wieder verbessert sie seine Aussprache - bis Tulu ein paar neue deutsche Worte verständlich artikulieren kann.


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