Sie engagiert sich in ihrem Ort beim Tanzen, Turnen, in der Blasmusik, arbeitet als Industriekauffrau und jetzt ist sie Bierkönigin in Röttenbach: Tatjana Thönnißen bestieg als vierte Vertreterin dieses Amtes am Freitag zur offiziellen Kirchweiheröffnung den Thron. "Ich freue mich sehr" sagte sie in ihrer kurzen Dankesrede, "und hoffe, dass ich Röttenbach bei den Veranstaltungen innerhalb und außerhalb unseres Ortes gut vertreten werde".

Überrascht wurde sie allerdings nicht mit dieser Ehre. "Einen guten Teil", gibt sie schmunzelnd zu auf Nachfrage, "ist es der Hartnäckigkeit des Bürgermeisters zu verdanken, dass ich diese Aufgabe übernommen habe". Bürgermeister Ludwig Wahl (FW) hatte die neue Majestät schon während der Kirchweih im vergangenen Jahr ins Auge gefasst. Beim damaligen Raustanzen startete er die erste Voranfrage. Tatjana zögerte mit einer spontanen Antwort - sie gehört nach eigenen Worten zu den Menschen, die sich eine Sache erst einmal gründlich überlegen. Im Lauf der nächsten Monate kamen jedoch so oft Nachfragen aus dem Rathaus, dass sie sich zu einer Zusage entschloss.

Von Aufgabe angetan


"Vor allem aber", sagt sie, "bin auch von der neuen Aufgabe angetan. Bei den Repräsentationsveranstaltungen auch außerhalb des Landkreises neue Menschen kennen lernen, sehen, wie es dort zugeht - das hat schon was."
Eingeleitet ins Zelt zur Krönung wurde sie von den beiden Oberortsburschen Tobias Sandel und Markus Warter im Kreis ihrer Musikerkollegen von der Röttenbacher Blasmusik. Ihre erste Aufgabe bestand dann gleich in der Mithilfe beim Ausschenken nach dem Bieranstich von Bürgermeister Wahl. Da hatte sie allerdings Glück, dass sie hinter dem Fässla stand: Trotz vielfacher Übung in den vergangenen Jahren traf Wahl wohl nicht so genau, wie er wollte: Nach dem ersten Schlag flog der Hahn und das wertvolle Nass suchte sich schwungvoll seinen Weg ins Freie.

Festwirt Herbert Sauer, der den Gemeindeoberhäuptern schon seit vielen Jahren beim Anstich zur Seite steht, reichte den Hahn jedoch schnell wieder zu, so dass es nach einem zweiten Schlag heißen konnte: "O'zapft is". Es war dann immer noch ausreichend Bier im Fass, dass die zahlreichen Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft und Kirche sowie die Ortsburschen nicht leer ausgingen.

Wahl nahm sein Missgeschick mit Humor und versicherte, dies sei bestimmt nicht die von ihm vorab noch angekündigte "kleine Überraschung" gewesen. Die entpuppte sich dann als Gratulation für den Vorstand der Röttenbacher Blasmusik, Günther Sapper. Der feierte am Freitag nämlich gleich auch seinen Geburtstag. Das "Röttenbacher Karpfenlied", das er in stiller Stunde - "ehrlich gesagt, nachts einmal um halb vier ist es mir eingefallen" - auf Anregung Wahls geschaffen hat, kam zur Uraufführung und er durfte es selbst dirigieren. Als Sänger fungierten der Bürgermeister und Vorstandsmitglied Stefan Engelhardt. Fazit des Liedes: "Ein Karpfen schmeckt dann besonders gut, wenn er in Röttenbach gegessen wird."

Fichte war 29 Meter lang


Musikalisch gestaltet wurde der Abend traditionsgemäß von "Appendix". Ein feierlicher Zug der Fahnenabordnungen der Vereine von der Kirche ins Festzelt nach einem Festgottesdienst hatte den Abend eröffnet. Am Samstag stellten die Burschen den Baum auf - 29 Meter lang und schön gewachsen. "Erst dachten wir ja so an 45 Meter" - so Tobias Sandel vergnügt." Aber man soll es ja nicht übertreiben." Die Burschen hatten also offensichtlich ebenso viel Spaß an ihrer Arbeit wie die Zuschauer.

Küchla z'ammspiln, Gecher rausschlogn, Betzn raustanzen folgen dann noch am Sonntag, der Montag gilt dem reinen Feiern mit Frühschoppen und Zeltbetrieb. Am Dienstag wird noch der Grumme aufgestellt - der kleine Bruder der Kirchweihfichte, der klein und seltsam behängt das endgültige Ende der Kirchweih anzeigt.