Integration

Tanzen gegen die Tristesse im Flüchtlingsheim

Julia Weiland leitet ehrenamtlich einen Bauchtanzkurs für junge Frauen aus der Höchstadter Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber.
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Für die jungen Frauen aus dem Flüchtlingsheim ist der Tanzkurs von Julia Weiland (Mitte) eine willkommene Abwechslung. Foto: Mona Lisa Eigenfeld
Für die jungen Frauen aus dem Flüchtlingsheim ist der Tanzkurs von Julia Weiland (Mitte) eine willkommene Abwechslung. Foto: Mona Lisa Eigenfeld
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Zwei Schritte nach rechts, zwei nach hinten und zwei nach links. Dazu noch der richtige Hüftschwung und die ein oder andere elegante Drehung und schon steht die erste kleine Choreographie. Ayana hat den Dreh schnell raus und deshalb auch sichtlich Spaß am orientalischen Tanzen. Es scheint, als könne die junge Frau auf diese Art den Ballast ihrer Vergangenheit einfach so abwerfen. Dabei wäre das, was sie in den letzten Jahren erlebt hat, für viele ein wahrer Albtraum.

Aus ihrer Heimat Äthiopien musste die heute 29-Jährige aufgrund politischer Verfolgung fliehen. "Ich war dort vier Monate lang im Gefängnis, weil man über mich an meinen untergetauchten Ehemann kommen wollte", erzählt die junge Frau in etwas holprigem Englisch. Ganz allein sei sie nach ihrer Entlassung dann aus dem Land geflüchtet. "Lokale Probleme" hätten sie zu dieser Entscheidung gezwungen. "Außerdem hätte man immer wieder nach mir gesucht - eines Tages sicherlich mit Erfolg", erklärt sie.

Seit zehn Monaten lebt Ayana in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber am Lappacher Weg in Höchstadt. Weil sie in ihrer Heimat alles verloren hat, ist eine Rückkehr für sie nicht mehr möglich. Umso wichtiger ist es für die Frau aus Ostafrika nun, am gesellschaftlichen Leben Höchstadts teilzunehmen. "Ich möchte gerne rauskommen und Neues kennenlernen", betont Ayana. Der Alltag im Flüchtlingsheim sei oft viel zu eintönig. Neben fernsehen, kochen und einkaufen gehen, gebe es kaum etwas zu tun. Arbeiten gehen dürfen die Asylbewerber nicht.

Freude über das Angebot

Wie wichtig sportliche Betätigung für das allgemeine Wohlbefinden eines jeden Menschen ist, weiß Julia Weiland. Die Jugendpflegerin der Stadt Höchstadt ist professionelle Bauchtänzerin und gibt regelmäßig Unterrichtsstunden. So lag es für sie nahe, ihr Können nun mit den Bewohnerinnen der Gemeinschaftsunterkunft zu teilen und Abwechslung in deren Tagesablauf zu bringen. Über ehrenamtliche Angebote wie den Tanzkurs freut sich Ayana besonders: "Es ist schön, dass die Menschen uns ihre Zeit schenken und sich um uns kümmern".

Gemeinsam mit drei äthiopischen Freundinnen aus der Gemeinschaftsunterkunft nahm sie am Kurs in der Höchstadter Fortuna Kulturfabrik teil. Mit einfachen Armbewegungen zu orientalischen Klängen startete Jugendpflegerin Weiland den rund zweistündigen Crashkurs. Schnell hatten auch die übrigen Teilnehmerinnen nicht nur den sprichwörtlichen Dreh bei der typischen Bauchtanzbewegung "Rollmops" raus. Aus ihrem privaten Fundus stellte die Jugendpflegerin den Teilnehmerinnen passende Bauchtanz-Outfits zur Verfügung. Mit der 15-jährigen Anika aus ihrem wöchentlich stattfindenden Kurs hatte sie sich kompetente Unterstützung geholt.

Auch Sitina aus Äthiopien genoss diese Möglichkeit der körperlichen Betätigung: "Ich liebe Musik und tanze so oft es nur geht". Über eine Fortsetzung des Kurses würde sie sich deshalb freuen. Julia Weiland ist dieser Idee zumindest nicht abgeneigt: "Wenn es den Mädchen gefällt, werde ich auch weitere Kursstunden anbieten".

"Franken helfen Franken" unterstützt Höchstadter "Helfende Hände"

Franken helfen Franken ist der Spendenverein der Mediengruppe Oberfranken, zu dem der Fränkische Tag gehört. Seit der Gründung 2009 kamen schon knapp 153 000 Euro zusammen, die an verschiedenste Projekte, Einrichtungen und Vereine weitergereicht wurden.

Idee Die Mediengruppe erreicht mit ihren Zeitungen und Internetangeboten viele Menschen. Dies möchte sie nutzen, um sich stark zu machen für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der Hilfe auszeichnet.

Helfende Hände Der Verein wurde im Frühjahr 2014 ins Leben gerufen, mit dem Ziel, die Bewohner der Höchstadter Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber zu unterstützen. Die ehrenamtlichen Helfer organisieren unter anderem eine Gebrauchtwarenbörse und Deutschkurse, begleiten die Bewohner zu Behörden oder Ärzten.

Spendenaktion Der Fränkische Tag und "Franken helfen Franken" möchten den Verein "Helfende Hände Höchstadt" unterstützen und bitten dafür um Spenden.

Spendenkonto Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.: Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Kontonummer 302 194 501, Stichwort: "Helfende Hände"

Fragen? Mehr Informationen und Kontaktdaten unter der Adresse franken-helfen-franken.de. red


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