Höchstadt a. d. Aisch
Kultur

Syrer singt bei Höchstadter Rocknacht

Die Musiggfabrik lädt am zweiten Weihnachtsfeiertag zur Rocknacht in die Fortuna Kulturfabrik in Höchstadt ein. Mohamed Barakat aus Syrien wird dabei als Sänger auftreten.
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Mohamed tritt in der Fortuna Kulturfabrik mit der Musiggfabrigg auf.
Mohamed tritt in der Fortuna Kulturfabrik mit der Musiggfabrigg auf.
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Vorsichtig steigt Mohamed Barakat über die Kabel, die sich auf dem Fußboden herumschlängeln und geht zum Mikro. Der Schlagzeuger gibt den Takt vor, und nach einer Weile beginnt Mohammed: "Aisha, écoute-moi".

Sieht er vor seinem Einsatz noch schüchtern aus, verliert sich das schnell, als er zu singen beginnt. Das Lied von Cheb Khaled ist eine Brücke nicht nur zwischen den Flüchtlingen, sondern zwischen allen, die gern Musik hören.
Bereits auf dem Altstadtfest bemerkten die Musiker der Musiggfabrigg Höchstadt, dass die Menschen aus Syrien, Äthiopien und anderen Ländern Freude an der Musik hatten, tanzten und sangen.

"Da lag die Idee quasi auf der Straße, mit den Flüchtlingen und für sie etwas zu veranstalten", erklärte Markus Moises aus dem Vorstand der Musiggfabrigg.
Wenn die Musiker zu ihrem Rockkonzert am zweiten Weihnachtsfeiertag einladen, wird Mohamed am Mikro stehen und singen.

"Musik verbindet", sind sich die Musiker der Musiggfabrigg sicher. Sie wollen den Flüchtlingen zeigen, wie unsere Kultur funktioniert, dass sie hier Freude haben dürfen, dass auch Frauen gleichberechtigt dabei sind.

Im Café International, das einmal im Monat in der Fortuna Kulturfabrik geöffnet hat, fanden die Musiker Anfang Dezember Kontakt zu Mohamed aus Syrien. Michael Nitsche von der Musiggfabrigg ist sich sicher, dass das Rockkonzert ein finanzieller Erfolg wird. Mit ihren Einnahmen wollen die Musiker Instrumente oder Musikunterricht für die Flüchtlinge bezahlen.

Vielleicht lernt Majd Baradai aus Syrien Piano spielen. Der 19-Jährige stammt wie Mohamed aus Aleppo. Beide kamen über die sogenannte Balkan-Route - also über die Türkei, Griechenland, Makedonien, Serbien, Ungarn und Österreich - nach Deutschland, lernten sich aber erst hier in Höchstadt kennen. Während der 21-jährige Mohamed bereits eine Ausbildung in einem IT-Beruf hat, möchte Majd gern studieren. Seine Zeugnisse sind bereits in München, wo sie anerkannt werden müssen, erklärt Wolfgang Kümmeth, der sich mit vielen anderen ehrenamtlichen Helfern um die Höchstadter Flüchtlinge kümmert. Majd lernt Deutsch und will sich für ein Vorpraktikum bei Siemens bewerben.

Vergleicht man das Leben der Syrer in Aleppo mit dem Leben der Flüchtlinge hier, leben sie hier zwar verhältnismäßig sicher, doch den jungen Männern fehlt in vielen Fällen ihre gewohnte große Familie. Sie haben Heimweh, halten mit den Menschen Kontakt, die noch in Syrien sind und um die sie oft bangen, wenn sie von neuem Terror hören.

Die Musiker haben noch viele Ideen in petto, wenn es darum geht, wie sich die Kulturen miteinander verbinden ließen: "Wir haben das Potenzial, und wir wollen uns engagieren", sagt Michael Nitsche. Mit dem Gesang von Mohamed in der Rocknacht zu Weihnachten soll ein Startpunkt gesetzt werden. Die Karten für die Veranstaltung in der Fortuna, die um 20 Uhr beginnt, gibt es bei den gewohnten Vorverkaufsstellen und an der Abendkasse.

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