Das große Hauen und Stechen, wie vielleicht von einigen Bürgern erwartet oder von manchen gar gewünscht worden war, blieb aus. Die Informationsveranstaltung zur geplanten Niederndorfer Südumgehung im Vereinshaus von Herzogenaurach war von sachlichen Wortbeiträgen geprägt. Das Interesse der Bürger aus Niedern dorf und Hauptendorf, aber auch aus Herzogenaurach und Neuses war groß, alle 400 Stühle waren besetzt.

"Wir stellen heute keine Planung vor, sondern die Machbarkeitsstudie möglicher Varianten", sagte eingangs Bürgermeister German Hacker (SPD). Das schienen aber einige Zuhörer nicht gehört oder verstanden zu haben, da sie sich Sorgen um ihre Grundstücke machen.

Hacker verdeutlichte auch, dass das Vorhaben ein steiniger Weg sei und es ein schwieriger Prozess werden würde. Dass etwas geschehen muss, was vielleicht schon vor vielen Jahren hätte passieren müssen, das war nahezu allen Anwesenden klar. Nur über das "Wie und Wo", gab es dann schon sehr unterschiedliche Meinungen.


Große Bedeutung der Stadt


"Wir müssen das machen und werden es vehement vorantreiben", sagte der Bürgermeister unmissverständlich. Auch Aussagen wie "In deiner Haut möchte ich nicht stecken" würden ihn nicht davon abhalten, diese Umgehung auf den Weg zu bringen, welche Variante auch immer beschlossen wird.

Für Hacker ist auch klar, dass nichts hinter verschlossenen Türen geschehen dürfe, alle Pläne und Beschlüsse würden offen gelegt und selbstverständlich könnten auch Vorschläge mit eingebracht werden. Eben dann, wenn es nach einer Entscheidung im Stadtrat um die Planung geht, die ja der nächste Schritt sein wird.
Anmerkung des Bürgermeisters: "Die Bedeutung des Wirtschaftsstandorts Herzogenaurach ist weit über dem Durchschnitt von Städten dieser Größenordnung, das muss uns bewusst sein und dem müssen wir auch Rechnung tragen."


Keine optimale Straße


Frank Schönfelder, Geschäftsführer der Planungsgruppe Strunz, stellte mit seinen Mitarbeitern Ingo Jacobsen (Verkehrsplaner) und Jörg Meier (Landschaft und Umwelt) die Varianten vor. Es war jedem klar, dass es keine "optimale" Straße geben könne, jede der Varianten habe Vor- und Nachteile. "Unsere Aufgabe war es, eine Machbarkeitsstudie, keine Planung, zu erstellen. Darin flossen auch die Verkehrsuntersuchung von Claudia Stahl (Ingenieursgesellschaft Doktor Brenner) mit ein", erklärte Schönfelder, der sich jeder Wertung einzelner Varianten enthielt.

Schönfelder machte nochmal deutlich, dass eine Machbarkeitsstudie der Schritt vor der der Planung sei, in die nach Möglichkeit zu erwartende Probleme und Schwierigkeiten beachtet und eingearbeitet worden seien. "Ich glaube, es ist deutlich geworden: Es gibt keine Trasse, die einwandfrei funktioniert", meinte Schönfelder und deutete auch die letzte Möglichkeit an: Man lässt alles, wie es ist.

Bevor es in die Diskussion ging, erklärte Hacker: "Sie werden von mir heute keine Wertung erhalten, ebenso wenig wie von den hier anwesenden Stadträten". Diese saßen fast vollzählig verteilt im Saal.


Hat Park and Ride eine Chance?


Die mehr als einstündige Diskussion machte deutlich, dass viele Leute eben auch viele unterschiedliche Meinungen haben. So beklagte Stefan Schneider, dass die Ortschaft Neuses immer mehr von Straßen umzingelt werde und stellte die Frage: "Warum keine direkte Anbindung an die Autobahnausfahrt Frauenaurach?" Diese werde im Zuge des Ausbaus ja neu gestaltet. Dieser Aspekt sei bei den Vorbereitungen zur Studie durchaus behandelt worden, meinte Hacker und sagte weitere Überlegungen zu.

Horst Eisenack (Bund Naturschutz) brachte eine ganz andere Variante ins Gespräch, nämlich einen Planfall 4. Dieser sieht eine Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs durch die Stadtumlandbahn vor, und die Lkw-Stellplätze, die ohnehin an der Autobahn-Raststätte Aurach entstehen. Diese könnten tagsüber von Mitarbeitern der Firma Schaeffler als "Park and Ride" genutzt werden.

Teils zu Beifall, aber auch zu Murren führte ein weiterer Vorschlag. Der Fragesteller beklagte den desolaten Zustand der Niederndorfer Hauptstraße. Bei einem besseren Ausbau würden die Schaeffler-Leute schneller durchkommen und der Bau einer Umgehung würde sich erübrigen, meinte der Bürger. Otto Ebersberger aus dem Stadtteil Hasengarten machte sich Sorgen, wie denn die Anwohner des Wohngebietes zu ihren Grundstücken und von dort in den Ortskern kommen. Weiteren Bewohnern machte die geplante Schallschutzwand mit einer Höhe von etwa sieben Metern an der Nordseite ihrer Grundstücke Sorgen. "Wir wohnen dann hinter einer Mauer", war einer der mildesten Aussagen.

Schönfelder bestätigte solche Planungen und machte klar, dass dann die Verschallung nach Norden stattfinden werde und teils auch über die Mauer gehe, dass sich der Schall glockenmäßig ausbreiten würde.
Uschi Schmidt bezweifelte, dass der Staat die Stadtumlandbahn und gleichzeitig eine Umfahrung bauen würde. Hacker als auch Schönfelder betonten, dass eine Bahn und die Entlastungsstraße nichts miteinander zu tun haben.

Da im Grunde jede Trasse Nachteile bringen wird, haben sich die Planer bemüht, auf Natur und Mensch Rücksicht zu nehmen. Dass das nicht einfach ist, wurde den Zuhörern vor Augen geführt. Auch die Sorgen der Landwirte, die die Realisierung der Variante 2 ablehnen, stießen auf Verständnis. Sollte diese Trasse zum Zug kommen, ist es eine Aufgabe der Planer, die betroffenen Grundstücke neu aufzuteilen und Ausgleich zu schaffen, damit die Restflächen wieder bearbeitet werden können. Der Stadt kommt dabei zugute, dass sie in diesem Bereich ein Grundstück besitzt, das dann aufgeteilt werden kann.

"Kann man aus fachlicher Sicht den Naherholungsraum Aurach vergessen?", fragte Manfred Braun. Bei einem Bau im Talraum komme es zu einer deutlichen Veränderung und auch zu einer Verschlechterung, antwortete Jörg Meier auf diese Frage. Er wies aber auch darauf hin, dass dieser Raum nicht von Natur aus so gewachsen sei, sondern durch den Mensch verändert worden sei.


Am 5. Juli geht's weiter


Offen ist noch die Verteilung möglicher Kosten auf Land und Stadt. Das kann erst geklärt werden, wenn eine Entscheidung für eine Trassenvariante gefällt wurde. Die Spannbreite der Zuschüsse des Landes liegt dabei zwischen 40 und 65 Prozent.

Am 5. Juli wird um 20 Uhr noch eine zweite Informationsveranstaltung geben, bei der Nachfragen gestellt werden können und Diskussionen möglich sein werden. Dann wird der Stadtrat am 19. Juli in seiner Sitzung entscheiden.