Erlangen
Universitätsprojekt

Studenten aus Erlangen bauen ein Römerboot nach

Auf den nautischen Spuren der Römer wollen Erlanger Studenten wandeln. Gemeinsam mit dem Althistoriker Boris Dreyer wollen sie ein römisches Boot nachbauen.
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Thomas Albert demonstriert, wie die Römer an die Sache herangegangen wären. Foto: Nikolas Pelke
Thomas Albert demonstriert, wie die Römer an die Sache herangegangen wären. Foto: Nikolas Pelke
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Um zu verstehen, wie die Römer mit Hilfe von Ruderbooten ganze Kontinente erobern konnten, will der Althistoriker Boris Dreyer gemeinsam mit Studenten der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) ein echtes Römerboot nachbauen. Am Donnerstag ist im Reichswald der erste Baum für das geplante Holzschiff gefällt worden. "Veni, vidi, vici!" haben die Bootsbauer in Erinnerung an den berühmten Cäsar (Ich kam, sah und siegte!) gerufen, nachdem die mächtige Eiche am Boden lag.

Zunächst hatten es die Studenten in Römermontur mit der Axt versucht. Nach kurzer Zeit eilten die Waldarbeiter der Bayerischen Staatsforsten mit ihren Motorsägen herbei. Beim Bau des Bootes werden die Studenten ebenfalls unterstützt. Erfahrene Bootsbauer passen auf, dass das Schiff später nicht untergeht. Sogar der Professor will zum Hammer greifen. "Die antiken Feldherren konnten sich schließlich auch nicht zurücklehnen", ist sich der Historiker sicher.



Semesterferien fallen aus

Das Römerboot mit dem Namen Fridericiana Alexandrina (Navis) soll schon im Jahr 2018 fertig sein. Dann feiert die Universität ihren 275. Geburtstag. "Die Studenten und ich müssen jetzt richtig anpacken", sagt Dreyer im Hinblick auf den straffen Zeitplan und bereitet seine Mannschaft schon einmal darauf vor, dass die nächsten Semesterferien ausfallen werden. Schließlich soll das Boot später nicht nur schön aussehen, sondern auch schwimmen können. Und das nicht irgendwo. Auf der Donau soll es stromabwärts gehen. "Wenn wir Glück haben, schaffen wir es bis ans Schwarze Meer", zeigt sich der 49-jährige Forscher mit dem Hang zur Praxis zuversichtlich.

Von dem gigantischen Experiment erhofft sich der Professor neue Erkenntnisse für die Geschichtsschreibung. "Wir wollen herausfinden, wie schnell so ein Schiff fahren konnte." Dafür werden Messfahrten mit modernster Technik unternommen.

Doch davor müssen die Studenten um Boris Dreyer zunächst schuften. Eine stolze Eiche (30 Meter hoch, knapp einen Meter Durchmesser) hat der staatliche Forstbetrieb am Donnerstag extra für die Erlanger Studenten gefällt und der Bootsbaumannschaft als verfrühtes Weihnachtsgeschenk überreicht. Weitere Bäume werden folgen.
Als Vorlage für den Bau dienen zwei Wracks, die in den 90er Jahren bei Ingolstadt entdeckt wurden. Die gefällte Eiche soll für den Kiel und die Spanten verwendet werden. Lerchen und Kiefern müssen noch für Planken und den Mast geschlagen werden. Im April werden die Bootsarbeiten in Erlangen beginnen.

Während der Sommermonate 2018 soll der historische Kahn sein Können zunächst auf dem Kanal zeigen und die drei Uni-Städte Erlangen, Fürth und Nürnberg im Sinne des Jubiläumsmottos "Wissen in Bewegung" verbinden. Danach geht es auf große Donau-Fahrt. Mit einer geschätzten Reisegeschwindigkeit von sechs Knoten den Römern auf der Spur.

Vorlage sind zwei römische Wracks, in den 1990er Jahren in Oberstimm bei Ingolstadt entdeckt wurden und in Manching ausgestellt sind. Sie stammen aus der Zeit um 100 n. Chr. und sind als Patrouillen- und Geleitzugboote auf den mittelfränkischen Gewässern und entlang der Donau zur Grenzkontrolle und Vorfeldverteidigung gefahren.

Technische Daten 15,7 bis 16 m lang, 2,7 m breit; 70cm Tiefgang, mit 18 bis 20 Ruderern, die in jeweils 89 cm Abstand hintereinander saßen. Die Schnelligkeit betrug bis zu sechs Knoten, mit Segel und unter Wind noch schneller.

Nachbau Das Holz - eine Eiche, eine Tanne und zwölf Kiefern - wird im Staatswald geschlagen, getrocknet und dann an den Bauort transportiert, wo im Frühjahr 2017 der Bau in einem eigenen Bauzelt beginnt. Derzeit werden auch die Eisennägel von Hand nachgeschmiedet, auf der Basis der Analysen der Nägel des Vorbild-Wracks. Der Bau ist generell für Besucher offen. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 150 000 Euro. Sponsoren und Mithelfer werden noch gesucht.

Testprogramm Nach Fertigstellung im Frühjahr 2018 steht dem Boot ein großes Programm bevor: Mit moderner Messtechnik soll das Boot auf Schnelligkeit geprüft werden und auch weite Strecken auf der Donau zurücklegen. Dabei sollen die internationalen Partner der FAU entlang der Donau bis zum Schwarzen Meer besucht werden.


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