Baiersdorf

Strohbären ziehen durch Baiersdorf

Mit dem Verbrennen des Strohbärengewands sollte früher der Tod, heute eher die kalte und dunkle Jahreszeit vertrieben werden. Eine Trachtengruppe aus Effeltrich und der Baiersdorfer Heimatverein halten diese Tradition am Leben.
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Am Ende wurden die "Felle" der Strohbären verbrannt, und einige Mutige sprangen über das Feuer. Fotos: Manfred Welker
Am Ende wurden die "Felle" der Strohbären verbrannt, und einige Mutige sprangen über das Feuer. Fotos: Manfred Welker
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Mit den Fasalecken und den Strohbären wird am Fastnachtssonntag in Baiersdorf eine alte Tradition gepflegt. Monika Hofmayer, die Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, legt allerdings großen Wert darauf, dass es sich um keinen Fastnachtsumzug handelt, von denen es viele in der Region gibt.
Sie erläuterte den Zuschauern, dass das Brauchtum um die Fasalecken vermutlich ursprünglich aus dem Brauch des "Todaustragens" am Sonntag Laetare in der Fastenzeit entstanden ist. Mit dem Stroh wurde symbolisch der Tod verbrannt. Allerdings verwischte sich im Laufe der Zeit die ehemalige Bedeutung immer mehr.
Der Brauch ruhte für längere Zeit, bis erstmals wieder 1926 der Effeltricher Gastwirt Kotz für seine "Oberdörfer" Burschenschaft die Erlaubnis erwirkte, nach Baiersdorf ziehen zu dürfen, was allerdings in diesem Jahr kaum beachtet wurde.
Eduard Rühl, der damalige Vorsitzende des Heimatvereins Erlangen, interpretierte die Aktion als Winteraustreiben. Dabei handelt es sich genau genommen um einen Heischebrauch, mit dem die Akteure in früheren Zeiten ihren Tribut einforderten - Geld, Essen oder alkoholische Getränke.

Neustart nach dem Krieg

1931 wurde die Effeltricher Abordnung erstmals vor dem Rathaus in Baiersdorf offiziell begrüßt und mit einem Geldpräsent belohnt. 1939 brachten die Effeltricher ihre Musikkapelle und eine Trachtengruppe mit nach Baiersdorf. Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg wurden 1947 erste Bemühungen verzeichnet, den Brauch erneut zu beleben. 1952 fand die nun als Winteraustreiben apostrophierte Aktion wieder als offizielle Brauchveranstaltung im erweiterten Rahmen statt und ist seitdem jedes Jahr ein Anziehungspunkt für zahlreiches Publikum.
Dies ist besonders den Mitgliedern des 1950 gegründeten Heimatvereins Baiersdorf zu verdanken. "Wir wollen, dass dieses alte Brauchtum erhalten bleibt", erklärt Monika Hofmayer. Der Heimatverein übernimmt die Verpflegung der Akteure aus Effeltrich im Feuerwehrhaus, und auf dem Festplatz am Linsengraben können die Strohbären nach der staubigen Aktion ihren Durst löschen.

Spezialgeräte für das Stroh

Aber bevor die Strohgewänder der Bären auf dem Großparkplatz symbolisch verbrannt werden können, ist viel Arbeit nötig. Seit dem Vormittag waren an diesem Sonntag zahlreiche Helfer in Effeltrich damit beschäftigt, die vier Strohbären in Wickenstroh "einzukleiden". Das Wickenstroh dafür muss extra angebaut werden, weiß Bürgermeister Richard Schmidt (CSU) aus Effeltrich zu berichten.
Die Gemeinde hat für den Anbau ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem das Wickenstroh angebaut wird, das allerdings nicht auf herkömmliche Weise gemäht werden darf. Es wurde extra ein Fahr-Mähbinder aus einem Ort bei Kronach gekauft, damit das Stroh in der ganzen Länge geerntet werden kann, ebenso ein alter Gabelwender. Das Stroh wird dann bei der Baumschule Kupfer, Hausname "Stockbauer", gelagert und für die Strohbären vorgehalten.
Die steife Montur macht das Gehen für die Strohbären nicht gerade einfach. Und trotzdem mussten beim Zug durch die Stadt die Treiber, wie Schäfer mit einem Fell bekleidet und einem Stab in den Händen, immer wieder versuchen, ihre Strohbären mehr oder weniger gut zu bändigen, die sich über am Straßenrand befindliche Mädchen und Frauen hermachen wollten. Viele blieben nach diesen stürmischen Annäherungsversuchen zerzaust und mit viel Stroh im Haar wieder am Straßenrand zurück.
An der Spitze des Zuges marschierte die Blaskapelle, nach den Strohbären folgten die Fasalecken mit Peitschengeknall. Das Gewand der Fasalecken wird in der Familie zuhause aufbewahrt. Die langen Bänder für das Gewand der Fasalecken können noch zum Teil in einem Geschäft in Forchheim gekauft werden oder müssen aus der Pfalz bezogen werden. Der Strohhut wird alle Jahre neu mit grünem Buchs besteckt und mit Bändern eingefasst. Charakteristisch ist es auch, dass die Mädchen der Tanzpaare in Tracht erscheinen, ebenso kleine Mädchen.
Nach dem "Häuten" der vier Strohbären wurde das Stroh auf einen Haufen geworfen und dann mit einer Fackel entzündet. Begleitet von der Musikkapelle führten die Burschen mit ihren Trachtenmädchen Volkstänze um das Feuer auf. Die Paare wurden durch Nachwuchsfasalecken verstärkt. Ganz Mutige sprangen am Schluss sogar über das Feuer.

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