Eine Lücke in der Höchstadter Bildungslandschaft schloss man gestern mit der offiziellen Eröffnung der Fachoberschule (FOS) im Aischgrund. Im Haus der Vereine in der Kerschensteiner Straße hieß Schulleiter Bernhard Haberl drei Klassen mit insgesamt rund 50 Schülern willkommen.

"Die Schülerzahl schwankt aber vor allem zu Schuljahresbeginn oft noch stark", berichtet Haberl aus Erfahrung. Besonders großen Ansturm gab es nach seinen Angaben auf den Zweig des Sozialwesens: "Vor allem junge Frauen fühlen sich in diesem Bereich aufgehoben und sorgten so dafür, dass eine elfte sowie eine zwölfte Klasse zustande kommen konnten." Die Wirtschaftsklasse der elften Jahrgangsstufe umfasst 13 Schüler.

Standort verlagert


Betrieben wird die neue Schule von der privaten Unternehmensgruppe Senivita mit Sitz in Bayreuth.
Sie verlagerte ihre seit vier Jahren in der Fränkischen Schweiz sitzende FOS nun bewusst in den Aischgrund. "Viele unserer Schüler kommen ohnehin aus Höchstadt, Herzogenaurach und der Umgebung", argumentiert Haberl.
So zum Beispiel Joshua aus Höchstadt. Der 17-Jährige absolvierte in diesem Jahr die Mittlere Reife und strebt nun das Abi tur an. Groß umgewöhnen muss er sich dabei nicht. Schließlich findet sich seine neue Schule gleich unmittelbar neben seiner ehemaligen Bildungsstätte, der Ritter-von-Spix-Mittelschule.

Auch die 17 Jahre alte Glauciely wechselte nach ihrem Abschluss an der Höchstadter Mittelschule an die private FOS. Genau wie Joshua, hat auch sie sich für den Wirtschaftszweig entschieden. "Ich möchte später in einem Büro arbeiten", formuliert sie ihr berufliches Ziel.

Mit einer Wirtschaftsklasse


Dabei sah es zunächst gar nicht danach aus, dass bereits in diesem Jahr eine Wirtschaftsklasse in Höchstadt installiert werden kann. Für den Anfang sollte der soziale Zweig genügen. Die große Nachfrage habe die Schulleitung aber zum Umdenken bewegt, so Rektor Haberl rückblickend.

Auch der technische Bereich soll in den kommenden Jahren noch abgedeckt werden. Für Joshua ist dieser eher keine Option. Er möchte später Jura studieren. Den für die FOS erforderlichen Notendurchschnitt von 3,5 erreichte er bereits problemlos. Während seiner Zeit in der elften Klasse werden sich nun Unterricht und Praxis in Betrieben der Region abwechseln. Für die Zukunft haben er und seine Mitschülerin Glauciely hehre Ziele - den Anfang sehen sie nun gemacht.

Aus Sicht von Lehrkraft Dorothee Bachert ist die neue Arbeitsstelle eine kleine Erleichterung. Sie zog mit der FOS nach Höchstadt um und freut sich nun über einen kürzeren Arbeitsweg. In den insgesamt fünf komplett renovierten Räumen mache der Unterricht natürlich besondere Freude. "Die recht kleinen Klassengrößen ermöglichen mir außerdem, individuell auf jeden Einzelnen einzugehen", so die Wirtschaftslehrerin.

Bereits komplett angekommen fühlten sich Nicole, Inka und Magdalena am ersten Schultag. Nach dem erfolgreichen Abschluss an der Höchstadter Realschule wechselten sie gemeinsam in die Sozialwesenklasse S 11 an der neu eingerichteten Fachoberschule. "Die Räume sind toll, unsere Lehrerin ist nett", beschreiben sie den ersten Eindruck.

Die Schule wird privat betrieben. Neue FOS-Schüler brauchen im Moment jedoch noch nichts zu bezahlen, aufgrund der staatlichen Genehmigung. Lediglich die Schüler, die nun gemeinsam mit der FOS von Ebermannstadt nach Höchstadt umgezogen sind, zahlen Schulgeld. Bis zu 200 Euro pro Monat können anfallen, orientiert an den finanziellen Mitteln der Eltern.

"Momentan läuft aber alles noch etwas provisorisch ab", gesteht Bernhard Haberl. Engpässe bei der Lieferung neuer, interaktiver Tafeln zwingen die insgesamt 15 Lehrkräfte in den ersten Tagen des neuen Schuljahres vorerst zum Improvisieren. Auch aus handwerklicher Sicht muss noch einiges ausgebessert und neu angebracht werden.

Bevor es so richtig losgeht, erhalten alle drei Klassen am heutigen Freitag aber erst einmal die Möglichkeit, sich bei einem gemeinsamen Kletterausflug besser kennenzulernen.