Herzogenaurach
Politik

Stammtischgespräche statt Schlagabtausch

Auch im Landkreis Erlangen-Höchstadt verzichteten die Parteien wegen des Zugunglücks bei Bad Aibling auf den Politischen Aschermittwoch im klassischen Sinn.
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Die Herzogenauracher SPD-Urgesteine Peter Prokop und Dieter Breyer (v. l.) ließen sich den Abend in der Gaststätte Heller nicht entgehen. Foto: Richard Sänger
Die Herzogenauracher SPD-Urgesteine Peter Prokop und Dieter Breyer (v. l.) ließen sich den Abend in der Gaststätte Heller nicht entgehen. Foto: Richard Sänger
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Der Politische Aschermittwoch in Bayern zählt zu den traditionsreichsten politischen Veranstaltungen im Freistaat. Jedes Jahr kommen dazu Tausende nach Ostbayern, um den meist deftigen Reden der Parteienvertreter zuzuhören. Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling hat die CSU ihren traditionellen Politischen Aschermittwoch allerdings abgesagt, und auch die Parteien von Linkspartei bis AFD verzichteten auf ihre Kundgebungen.
Das Unglück wirkte landesweit bis in die Kommunen hinein, denn auch die meisten Ortsverbände verkniffen sich den verbalen Schlagabtausch. Zum traditionellen Heringsessen traf man sich vielerorts am Mittwochabend aber trotzdem, denn die Wirte hatten sich schließlich vorbereitet.
In der Herzogenauracher Brauereigaststätte Heller trifft sich am Aschermittwoch immer der SPD-Ortsverein, und auch in diesem Jahr waren nahezu alle Plätze besetzt.
Wie Vorsitzende Renate Schroff erläuterte, habe der Landesvorsitzende Florian Pronold empfohlen, dem Beispiel der Landes-SPD zu folgen. Die Zweite Bürgermeisterin begann den Abend mit einer Schweigeminute und erklärte dann: "Heute ist nicht der Tag für einen Schlagabtausch und für Satire." Die Gedanken seien bei den Opfern des Zugunglücks und deren Angehörigen, "wir denken aber auch an unseren Dieter Händel (kürzlich gestorbener SPD-Stadtrat, Anm. d. Red.) und an seine Familie, deswegen wird heute auch Bürgermeister German Hacker nicht zur Stadtpolitik sprechen", sagte Schroff. Es blieb deshalb ein Abend für Tischgespräche, die sich auch immer wieder um das Zugunglück drehten.
Renate Schroff hatte ihr Vorgehen mit Antje Körner, der Vorsitzenden des CSU-Ortsverbandes, abgesprochen. Die Mitglieder der CSU trafen sich im Sportheim des 1. FC Herzogenaurach, und auch dort gab es keinen Redner. Die Ortsvorsitzende erinnerte ebenfalls an Bad Aibling und erklärte, dass auf einen Schlagabtausch verzichtet werde. Politik sollte an diesem Abend nicht in den Vordergrund stehen, sondern die Mitglieder bekämen Gelegenheit, sich zu unterhalten und mit den Stadträten auszutauschen.
Auch die CSU-Ortsverbände Weisendorf, Großenseebach und Heßdorf wollten ihren Aschermittwoch nicht mehr absagen, zu dem in diesem Jahr ins Gasthaus Schmitt nach Großenseebach eingeladen worden war. Der Weisendorfer CSU-Ortsvorsitzende und Landrat Alexander Tritthart begann den Abend mit einer Schweigeminute, erinnerte an die Opfer des Zugunglücks und an die schwere Arbeit der Rettungskräfte.
Der Großenseebacher Ortsvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Stefan Müller verzichtete ebenfalls aus Respekt vor den Opfern des Unglücks von Bad Aibling auf "deftige" Reden. Er gab aber einen kurzen Überblick über die aktuelle politische Lage, insbesondere zum Thema Flüchtlinge. Denn davon sei nicht nur Deutschland betroffen, sondern bekanntlich auch der Landkreis und nahezu alle Gemeinden. In diesem Zusammenhang dankte der Staatssekretär insbesondere den vielen Ehrenamtlichen in den Helferkreisen, ohne die das alles überhaupt nicht zu stemmen wäre. Müller mahnte aber auch eine schnellere Bearbeitung der Asylanträge und eine umfassende Registrierung der ins Land kommenden Personen an.
Im Vordergrund stand aber bei den drei Ortsverbänden ebenfalls das gemütliche Miteinander. Alexander Tritthart sprach am Morgen danach von vielen guten Gesprächen bei marinierten Heringen und gebackenen Karpfen.
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