Höchstadt a. d. Aisch
Virus

Stallpflicht nervt Geflügelhalter in Erlangen-Höchstadt

Seit über zwei Monaten gilt in Bayern die Stallpflicht. Wie lange die Federtiere noch in ihren Ställen ausharren müssen, ist unklar.
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Ein bisschen Luft schnuppern, bevor die Klappe wieder zu geht. Die Hühner von Familie Firnkäs wollen endlich wieder ins Freie.  Foto: Franziska Rieger
Ein bisschen Luft schnuppern, bevor die Klappe wieder zu geht. Die Hühner von Familie Firnkäs wollen endlich wieder ins Freie. Foto: Franziska Rieger
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Im vergangenen Jahr hat die Vogelgrippe wieder zugeschlagen. Seit November gilt in Bayern deswegen für Haus- und Nutzgeflügel eine Aufstallungspflicht. Mittlerweile sind die Tiere schon zweieinhalb Monate in ihren Ställen eingesperrt.

In der Region gebe es immer wieder positive Befunde bei Wild- und Nutzgeflügel, sagt Hannah Reuter, Pressesprecherin des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt. So wurde auf einem Hof nahe Burgbernheim im Landkreis Neustadt/Aisch der hochansteckende Subtyp H5N8 nachgewiesen. Die Vogelgrippe ist also noch längst nicht vorbei. Deswegen müssen die Geflügelhalter ihre Tiere auch weiterhin im Stall lassen. "Begeistert ist natürlich niemand von der Aufstallungspflicht. Aber die Tierhalter zeigen sich meistens verständnisvoll und sind sensibilisiert für das Thema", sagt Reuter. Wie lange die Stallpflicht noch andauert, ist unklar.


200 Hühner pro Stall

"Es ist auf jeden Fall verdammt schwer. Und sehr viel Aufwand für uns", sagt Klara Firnkäs, Landwirtin aus Bösenbechhofen. Ihre 440 Hühner picken sonst auf einer riesigen Wiese herum, die über einen Hektar groß ist. Seit der Vogelgrippe-Warnung sind sie in zwei sogenannten Hühnermobilen, fahrbaren Ställen, untergebracht. In diesen harren 200 beziehungsweise 240 Tiere aus. Rund acht Meter lang und drei Meter breit sind die Hühnermobile, Sonst öffne sich die Tür der mobielen Ställe am Morgen von alleine, damit die Hühner ins Freie wackeln können. "Am Anfang waren sie ganz schön verwirrt, warum sich da keine Tür öffnet", berichtet die Landwirtin aus Bösenbechhofen.

Je länger die Stallpflicht dauert, desto unruhiger werden die Hühner. Manche würden dann anfangen, sich gegenseitig zu picken. Wird ein Tier erst einmal angepickt, dann machen die anderen so lange weiter, bis das betroffene Huhn tot ist. Deswegen schaut Klara Firnkäs alle zwei Stunden nach dem Rechten im Hühnermobil - zusätzliche Arbeit, die sie sonst nicht hat. Wenn ein Huhn angepickt ist, dann komme es in einen kleinen Einzelstall, bis die Wunden wieder verheilt sind. "Das kommt aber immer auf die Hühner an. Der eine Stall ist ruhiger, im anderen ist es schon schlimmer", sagt Firnkäs.


Tiere brauchen Ablenkung

Deswegen müssen die Tiere jetzt andauernd beschäftigt werden. Mit einfachen Dingen, wie einem Pickstein, also stark gepresstem Futter, oder einer Wasser-Schrot-Mischung sollen die Hühner von ihrer beengten Lage abgelenkt werden. Die Hühner von Familie Firnkäs haben es in ihrer Behausung noch gut, hinten und vorne am Stall sind lichtdurchlässige Platten montiert, damit möglichst viel Tageslicht zu den Tieren kommt. Sonst würden die Behörden und Ämter immer viel von Tierschutz reden und jetzt frage keiner danach, wie es den Tieren geht, so Firnkäs.


Kunden fangen an zu schimpfen

Langsam würden auch die Kunden zu schimpfen beginnen, weil sie nicht mehr verstehen, dass die Stallpflicht so lange dauert. Ausgerechnet um Weihnachten herum sei immer irgendetwas, egal ob Schweinegrippe oder Rinderwahn, so Firnkäs. "Die Regierung müsste sich mal dahinter klemmen, dass die Stallpflicht endlich aufgehoben wird", sagt Firnkäs.

Das wünscht sich auch Yvonne Schüpferling. In Mühlhausen hält sie zusammen mit ihrem Mann 39 Strauße. Die Laufvögel dürfen sich sonst auf eineinhalb Hektar austoben. Seit November stehen sie in zwei Hallen. Die jungen Tiere sind in einer sieben Meter langen und sechs Meter breiten Halle untergebracht. Die ausgewachsenen Strauße haben mehr Platz: 15 Meter breit und 18 Meter lang ist ihre Halle. Dennoch: "Ein Laufvogel wird sich nie eingesperrt wohlfühlen", sagt Yvonne Schüpferling. Bereits zweimal hat sie einen Antrag für eine Ausnahmegenehmigung an das Veterinäramt des Landratsamtes Erlangen-Höchstadt geschickt. Einmal gleich zu Beginn der Vogelgrippe und im Dezember noch einmal - beide erfolglos. "Wir können nur abwarten, ob das Bundesministerium das Verbot lockert", sagt Schüpferling.

Die Tiere stehen in einem Offenstall. An einer Seite der Halle habe sie Netze angebracht, damit keine Wildvögel in den Stall fliegen können. Denn die könnten das ansteckende Virus bereits in sich tragen und dann an die Strauße weitergeben. Noch halte sich das gegenseitige Picken der Vögel in Grenzen, so Schüpferling.

Sie sieht die Stallpflicht vor allem als Selbstschutz für die Vögel. Denn wenn einer von dem Vogelgrippe-Virus befallen ist, müssen die anderen Tiere im Stall auch gekeult werden. Ein Schreckens-Szenario für die Familie. "Ich schwanke zwischen Existenz-Angst und Mitleid mit den Tieren. Ich möchte das nicht erleben, dass unseren Tieren etwas passiert."

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