So bunt wie die Gruppe der Befürworter ist auch die inzwischen geschmiedete Allianz gegen die geplante Stadt-Umland-Bahn (StUB). "Stuttgart 21 - Berliner Flughafen - StUB ERH?" sind die Plakate überschrieben, mit denen die Gegner das Projekt beim Bürgerentscheid am 19. April stoppen wollen. "Wer sich tiefer mit dem Thema befasst, kann nur bei uns dabei sein", sagte Gerald Brehm am Freitag in einem Pressetermin.

Der Höchstadter Bürgermeister und Sprecher der FW-Fraktion im Kreistag hatte sich mit der "Allianz der Vernunft" in der Röttenbacher Fischküche Fuchs getroffen. Am Tisch saßen neben Brehms Fraktionskollegen Ludwig Wahl, Karsten Fischkal, Irene Häusler, Herbert Saft und Patrik Prell auch FDP-Kreisrat Michael Dassler, die langjährige CSU-Landtagsabgeordnete Christa Matschl und Altlandrat Eberhard Irlinger (SPD). Sie alle sehen in der geplanten Bahn das falsche Projekt zur Lösung der Verkehrsprobleme im Landkreis.


Pendler-Problem nicht gelöst
Die 90 Prozent Zuschüsse, mit denen die Befürworter werben, seien nicht vorhanden, stellt Brehm fest. Weil nicht alle Streckenabschnitte gefördert werden, würde man nur auf gut 60 Prozent kommen. Vom Bund sei noch null da.

Die StUB würde das Pendler-Problem im Landkreis nicht reduzieren, ist Brehm überzeugt. Zudem sei Herzogenaurach-Erlangen eine der am wenigsten befahrenen Linien. Mit dem "Luxusausbau" Südumgehung werde der Bedarf auf dieser Linie sicher nicht steigen. Nach Brehms Berechnungen blieben am Ende vielleicht 40 bis 60 Leute mehr für den ÖPNV auf dieser Strecke. Diesen Bedarf könnte man mit einem Bus abdecken. Mit der StUB würde zudem der nur 18 Minuten brauchende Schnellbus nach Erlangen gestrichen.

Ein Ast nach Höchstadt würde auf die von den Gegnern jetzt schon auf 400 Millionen Euro geschätzten Kosten noch obendrauf kommen, rechnet Brehm vor. Er fordere Ist-Zahlen über die Leute, die von Herzogenaurach nach Erlangen fahren, bekomme sie aber nicht. Der Kreis habe sie nicht und der OVF gebe sie nicht raus, sagt Brehm.


25 Millionen wären weg
"Wenn wir jetzt in die Planung gehen, sind 25 Millionen Steuergelder weg." Laut Berechnungen bringe die StUB 4320 Umsteiger mehr. Das würde aber 362 Millionen Euro kosten. Für 17 Millionen würde man mit einem optimierten Bussystem 6000 Umsteiger erreichen, rechnet Brehm vor. Genau der Betrag, auf den die laufenden jährlichen Kosten für die StUB veranschlagt sind. Mit einem optimierten Busnetz könne man jetzt schon die Verkehrsprobleme lösen und nicht erst in 20 Jahren.

Die StUB sei kein politisches Thema und bringe auch keine Polarisierung zwischen Herzogenaurach und Höchstadt, sagt Röttenbachs Bürgermeister Ludwig Wahl. "Wir reihen uns in Stuttgart 21 und den Berliner Flughafen ein", fürchtet Wahl und kritisiert, dass bei den bisherigen Untersuchungen nicht auf Alternativen eingegangen wurde. Jetzt einem Zweckverband beizutreten, sei die falsche Entscheidung. Wahl sieht keinen Sinn in einer StUB, die nur einen minimalen Teil des Kreises erschließt. Er setzt auf ein flexibles Busnetz statt einem starren System, fragt nach dem echten Nutzen für die Herzogenauracher Bürger und bezweifelt, dass auch die geplante Südumgehung und die neuen Parkhäuser der Großbetriebe berücksichtigt wurden.


Immer bessere Argumente
Allein die Südumgehung nehme jedem ÖPNV was weg, sagt Michael Dassler. Herzogenaurach brauche aus seiner Sicht eine direkte Anbindung nach Nürnberg und zum Flughafen. Ein Schiene liege im Boden und sei nicht flexibel. Der FDP-Politiker stellt fest, dass die Argumente gegen die StUB immer besser werden und auch Zuschüsse Steuergelder seien. Jeder, der einen Zweckverband wolle, wolle auch bauen, ist Dassler überzeugt.
Ein erklärter Gegner der StUB ist auch Altlandrat Eberhard Irlinger. "Ein verantwortlicher Kommunalpolitiker lässt so ein Projekt nicht zu", sagt er. Wenn Herzogenaurach ÖPNV-Probleme hätte, ließen sich diese von heute auf morgen mit dem Bus lösen. "Wer setzt sich eine Stunde in eine StUB, wenn er von Herzogenaurach nach Nürnberg will?", fragt sich Irlinger.

Die Kosten würden steigen und steigen und es sei unverantwortlich, immer von 90 Prozent Zuschuss zu reden. Der Bund könne 60 Prozent nicht bezahlen. Im Moment gebe es keine Sicherheit. Für Irlinger ist kein Argument der Befürworter stichhaltig. Die Region sei auch ohne die StUB eine der stärksten in Deutschland. Und wo die Herzogenauracher Großunternehmen ohne StUB Nachteile im globalen Wettbewerb haben sollen, kann der Altlandrat nicht nachvollziehen: "Was manchmal aus Herzogenaurach kommt, ist schon arrogant."


Nicht einmal mit dem Fernglas
Die Bedeutung der StUB für die Wirtschaft stellt FW-Kreisrat Patrik Prell in Frage. Der Landkreis habe ohne StUB Vollbeschäftigung, Nürnberg mit schienengebundenem Verkehrssystem die höchste Arbeitslosenquote in Mittelfranken.

Christa Matschl begrüßt die Allianz der Vernunft, in der sie sich als Bürgerin von Uttenreuth sieht. Sie will den östlichen Landkreis durch ein intelligentes Bussystem anbinden, das auch finanzierbar ist. Darin unterstützt sie Kalchreuths Bürgermeister Herbert Saft. Für ihn fährt die StUB am östlichen Landkreis vorbei: "Wir werden sie nicht einmal mit dem Fernglas sehen." Hinter die Bezuschussung stellt Matschl noch ein großes Fragezeichen. Ihr Mitstreiter Karsten Fischkal ist enttäuscht, dass immer von 90 Prozent geredet wird.

FW-Kreisvorsitzende Irene Häusler will jetzt die Bürger mitnehmen und hofft, "dass die Initiative der Vernunft greift". Der Kreis höre nicht vier Kilometer hinter der Landkreisgrenze auf, sagt Häusler.

Die StUB-Gegner sind unter www.die-bessere-alternative-fuer-alle.de auch im Internet zu finden.