Höchstadt a. d. Aisch
Besuch

Spenden für die Suppenküche in Armenien

Dank der kontinuierlichen Unterstützung aus Höchstadt kann diese Einrichtung für Bedürftige in Armenien seit Jahren am Leben erhalten werden.
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In der "Küche der Barmherzigkeit" werden bedürftige Menschen in Armenien mit Lebensmitteln versorgt. Spenden aus Höchstadt leisten dazu einen wesentlichen Beitrag.  Foto: privat
In der "Küche der Barmherzigkeit" werden bedürftige Menschen in Armenien mit Lebensmitteln versorgt. Spenden aus Höchstadt leisten dazu einen wesentlichen Beitrag. Foto: privat
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Für die alten Menschen, für Straßenkinder, Behinderte und Bedürftige ist es ein Zufluchtsort, ein Ort, um zu überleben: Die "Küche der Barmherzigkeit", in der sie täglich eine warme Mahlzeit, dazu noch Obst und Brot zum Mitnehmen bekommen.

450 Menschen, zusätzlich 15 Familien aus Syrien, werden so in Eriwan, der Hauptstadt Armeniens, täglich versorgt, erzählt Karlheinz Scheide, zu Gast bei der Höchstadter Familie Walcher. Der Pfarrer im Ruhestand leitet zusammen mit Pfarrer Alfons Wenger, beide aus Schwäbisch Gmünd, die Suppenküche in Armenien. Um dieses kirchliche Projekt am Leben zu erhalten, braucht es Geld.
Inzwischen wurde es um ein "Haus der Hoffnung" erweitert, in dem auch eine Kleiderkammer und Duschen vorhanden sind.


Fast 100 000 Euro

Die Höchstadter Sankt-Georgs-Gemeinde hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass diese Einrichtung im wirtschaftlich schwachen Armenien caritativ tätig sein kann. Seit 1998 wird in Höchstadt alljährlich im Februar zur Spendenaktion aufgerufen. Fast 100 000 Euro, umgerechnet mehr als 5000 Euro pro Jahr, wurden seither in Höchstadt gesammelt.

Pfarrer Scheide, der inzwischen seinen 80. Geburtstag feiern konnte, kam eigens nach Höchstadt, um sich für das Engagement von Margarete und Georg Walcher und die Spendenbereitschaft der Höchstadter zu bedanken. Begleitet wurde er von zwei armenischen Musikerinnen, der Sopranistin Lusine Azaryan, Solistin an der Wiener Staatsoper, und der Pianistin Stella Mnatsakanova, die den Dank in einem Benefizkonzert in der Pfarrkirche musikalisch weiter reichten.

Um den "Ärmsten der Armen" helfen zu können, hat Pfarrer Scheide mit Margarete und Georg Walcher und seinem Freundeskreis ein richtiges Netzwerk aufgebaut. Die Eheleute Walcher sind über ihre armenischen Patenkinder, deren Familie als Asylsuchende in Höchstadt lebte, dazu gestoßen. "Wir konnten ihnen nichts nach Armenien schicken", erzählt Margarete Walcher. Daher habe sie nach Kontakten gesucht und sei auf Gerhard Meier, den Gründer der Suppenküche, gestoßen.

Für Pfarrer Scheide, der vor 15 Jahren dessen Nachfolge antrat, waren "die Walchers" immer "ein Stützpunkt". "Sie waren stets an meiner Seite", sagt er dankbar.

Diese caritative Arbeit schätzt auch Bürgermeister Gerald Brehm (JL), der dafür höchstes Lob fand. Die Eheleute Walcher seien dafür von der Stadt geehrt worden. Zwei Gedenksteine - am Graben und zwischen Realschule und Anton-Wölker-Schule - stellen in Höchstadt den Bezug zu Armenien her. Ein Stein, der an den Völkermord an den Armeniern zu Anfang des 20. Jahrhunderts erinnert. Der andere Stein stammt von einem Künstler, der sich so dafür bedankte, dass er drei Jahre in Höchstadt leben durfte, "satt wurde und nicht gefroren hat", wie Margarete Walcher erzählt.


Zahl der Toten unbekannt

Wie sie weiter berichtet, hat es 1998 in Armenien ein schweres Erdbeben gegeben. Niemand kenne die Zahl der Toten, da zu dieser Zeit viele Flüchtlinge aus Aserbaidschan im Land waren. Bis heute habe das Beben Spuren im Land hinterlassen. Viele Menschen wären noch immer körperlich und seelisch gezeichnet. Bei den sehr niedrigen Renten wüssten viele alte Menschen nicht, wovon sie leben sollen.

Armenien sei der älteste christliche Staat der Erde, erzählt Pfarrer Scheide. Er hält sich immer wieder "über lange Strecken" in dem Land am Kaukasus auf, das 1991 - nach dem Zerfall der Sowjetunion - unabhängig wurde.
Der Suppenküche folgten weitere Projekte. Unter anderem werden in fünf Städten Jugendprojekte unterhalten. Vielen jungen Armeniern wurde eine Ausbildung, kranken Menschen Operationen und ärztliche Versorgung ermöglicht. Spielsachen, Bücher, Sportgeräte, Schultafeln wurden ins Land gebracht.

Das Waisenhaus wurde mit 38 Stockbetten ausgestattet. Mit Hilfe der "Sternstunden" konnten Lehrwerkstätten für die Waisenkinder errichtet werden. Das bislang größte Projekt sei eine Solaranlage auf dem Waisenhaus, die im Dezember fertig geworden ist.
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