Höchstadt

Sonne sorgt für Sauerstoff in Aischgründer Teichen

Der Höchstadter Tüftler Lothar Seifert hat eine Anlage entwickelt, die mit Solarenergie zwei Gleichstrompumpen antreibt. Mit diesen können Fischweiher belüftet werden, auch wenn kein Stromanschluss in der Nähe ist.
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Lothar Seifert und sein Sohn Andre installieren die elektrischen Anschlüsse in dem Gerät, in dessen Inneren zwei große Akku-Blöcke den Stromspeichern, den das Photovoltaik-Modul tagsüber erzeugt. Foto: Pauline Lindner
Lothar Seifert und sein Sohn Andre installieren die elektrischen Anschlüsse in dem Gerät, in dessen Inneren zwei große Akku-Blöcke den Stromspeichern, den das Photovoltaik-Modul tagsüber erzeugt. Foto: Pauline Lindner
Das Gestell aus verzinktem Blech in der Werkhalle sieht aus wie ein aufgeklappter Tisch. Die Platte bildet ein Photovoltaik-Modul. Lothar Seifert und sein Sohn Andre bestücken den Innenraum und montieren die elektrischen Anschlüsse. Zwei Akkumulatoren in der Größe von Autobatterien verbinden sie mit Steckdosen an der Außenseite des "Tisches".
"Hier schließen wir dann zwei Gleichstrompumpen an" sagt Seifert und zeigt ein Plastik-Gehäuse, nicht größer als die handelsüblichen Pumpen für Gartenteiche. Ein besonderer Fortsatz sorgt für eine hohe Durchmischung mit Sauerstoff. Das Gerät ist eine sich selbst mit Strom versorgende Pumpe zum Belüften von Teichen.
So funktioniert die Pumpe - wenn gerade Tageslicht herrscht. Die Herausforderung für die Weiherbelüftung ist die Tageszeit, in der dem Wasser Sauerstoff zugeführt werden muss: die frühen Morgenstunden, bevor die Sonne aufgeht. Denn über Nacht verbrauchen Algen und Unterwassergewächse Sauerstoff, wie die Fische auch.
Inselsysteme, die den benötigten Strom aus dem Licht gewinnen, sind das Spezialgebiet von Seifert. Der Energieanlagenelektroniker hat mit dieser Technik die Bundeswehr in Afghanistan beliefert, mit Funkstationen für abgelegene Standorte.
Für ihn, der tief in der Materie drinsteckt, stellt sich das einfach dar. "Man braucht ein Photovoltaik-Modul, einen Wechselrichter und eine Steckdose, an die das Funkgerät angeschlossen werden kann. Und eine Batterie für sonnenunabhängigen oder zeitversetzten Betrieb." Nach diesem Grundprinzip baut er für die Kunden seiner Firma CET Technology (Clean Energy Transformer) individuelle Lösungen. Auch gekoppelt mit Notstromaggregaten für Winterdauerbetrieb. Auf dieser Basis hat Seifert die Lampen am Geheweg zwischen Gremsdorf und den Outlets an der Autobahn entwickelt.


Prototyp läuft seit zwei Jahren

2013, so berichtet Seifert weiter, wurde er von einem Fischzüchter angesprochen, ob Solarstrom nicht auch Teichpumpen antreiben könne. Denn von den 30 000 Teichen in Bayern sei weniger als die Hälfte über das Stromnetz erreichbar. Zwei Sommer über läuft der Prototyp schon in einem Weiher bei Hesselberg. Der Teich hat 6,5 Hektar Fläche.
"Der Besitzer ist sehr zufrieden. Die Fische nähern sich der Sauerstoffquelle wie den Futterstellen. Bei Bedarf tummeln sie sich in der Nähe", gibt Seifert die Beobachtung des Teichwirts weiter. Die Belüftungspumpen hat Seifert so eingestellt, dass ab Sonnenaufgang die Batterien aufgeladen werden, die über eine Zeitschaltuhr etwa vier Stunden nächtliches Pumpen gewährleisten. "Die Überschussenergie setzt dann die Pumpen auch tagsüber in Betrieb."


Verbrauchen statt einspeisen

Für Seifert sind die Pumpensysteme nur ein Beispiel für effizienten Einsatz von Solarenergie. Er sieht viele Möglichkeiten, auch im ganz privaten Bereich. Denn der Trend, den Strom einer Photovoltaik-Anlage zu 100 Prozent ins Netz einzuspeisen, sei vorbei. Heute wolle man den erzeugten Strom möglichst selbst verbrauchen und nur den Überschuss ans Netz abgeben.
Das kann man durch ein cleveres Energiemanagement erreichen, indem man Batteriespeicher zuschalte oder einen zusätzlichen Verbraucher. Seifert denkt dabei auch an Heizstäbe im Brauchwasser eines Hauses. Dann sei eine PV-Anlage auch aktuell mittelfristig rentabel. "Autarke und umweltfreundliche Energieerzeugung, das begleitet mich schon mein Leben lang", erklärt Seifert. So setzt er auch auf Klein-Windräder mit einer Nabenhöhe unter zehn Metern. Sie sind genehmigungsfrei und deshalb auch in geschlossenen Siedlungen zulässig. "Und: Im Gegensatz zu Wärmepumpen erzeugen sie keinen Infraschall." Dieses Phänomen habe inzwischen schon zu Nachbarstreitigkeiten geführt, weiß Seifert.
Zum Jahreswechsel verlagert Seifert seine Firma nach Lonnerstadt. Schon ansässige und weitere Firmen wollen dort im Bereich umweltfreundlicher Techniken zusammenarbeiten. "Vielleicht werden wir mal das Environmental Valley", spielt er auf modische Namensgebungen für spezialisierte Standorte an.

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