Hemhofen

Sirin bringt Hemhofener Kinder zum Nachdenken

Die Geschichte von der kleinen Türkin Sirin, die sich einen Weihnachtsbaum wünschte, ging den Hemhofener Grundschülern nahe.
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Die Kinder drückten der Puppe Sirin die Hand. Fotos: Heike Reinersmann
Die Kinder drückten der Puppe Sirin die Hand. Fotos: Heike Reinersmann
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Für die Grundschüler gab es kurz vor den Ferien ein Figurentheater mit seelisch-moralischem Tiefgang. Es war die anrührende Geschichte von Sirin, einer Erstklässlerin, die mit ihren Eltern aus der Türkei nach Deutschland kam. Sie versucht in kindlich-eindringlicher Weise, die Kulturen beider Länder zu verstehen und zu verbinden.
Sichtlich berührt zeigten sich die Grundschüler von den gefühlvollen Erlebnissen der kleinen Sirin. Wolfgang Tietz vom Figurentheater Regenbogen gelang es ganz meisterhaft, die Spannung für die Erst- bis Viertklässler über eine Stunde zu halten und durchaus zu steigern.
Bereits der Anfang macht die Schüler neugierig und aufnahmebereit, indem scheinbar minutenlang eine orientalisch anmutende Musik erklingt und das unbelebte Bühnenbild zu betrachten ist.
Vater (Wolfgang Tietz) und Tochter Sirin - eine Puppe - gewähren Einblicke in ihren genügsamen Alltag in einer einfachen Wohnung.
Während der Vater die Nachrichten im Fernsehen sehen will, wünscht sich Sirin etwas mehr Zeit und Zuwendung durch den Vater. Sie möchte, wie die deutschen Kinder, einen Weihnachtsbaum, aber ihr Vater findet: "Das geht nicht, wir sind doch Moslems. Wir feiern Ramadan."
Notgedrungen schaut sie mit ihm die Nachrichten, bekommt Bilder von Kriegsschauplätzen zu sehen und fragt ihren Vater: "Warum haben die Erwachsenen immer Krieg?" "Weil sie unterschiedlicher Meinung sind", antwortet dieser und wird stutzig, als die Tochter resümiert: "Dann haben wir auch Krieg!" Denn Sirin findet es durchaus richtig, einen Weihnachtsbaum zu haben.

Der Baum steht im Garten

Der Vater wird nachdenklich, weil er sich eingestehen muss: "Es macht mich traurig, dass ich dir nicht alles erklären kann." In einem Zeitensprung übernimmt Tietz nun die Rolle des Erzählers und lässt Sirin den Weihnachtsbaum im Garten entdecken. Sie schleicht sich raus und schmückt den Baum mit ihren gebastelten Sternen, als sie das Wunder von Weihnachten erlebt und der große Stern auf sie zukommt. Erschöpft schläft sie ein und wird später durchgefroren von ihrem Vater gefunden. Von Selbstvorwürfen gequält stellt er fest: "Ich habe sie nicht geachtet. Ich habe nicht bemerkt, dass sie Sterne gebastelt hat."
Die Hingabe seiner Tochter rührt ihn und weckt seine Seele auf: "Wenn wir alle etwas abgeben, dann gehören alle Feste allen und wir können zusammen feiern."
Diese Botschaft ist bei den Schülern angekommen. Sie nutzen die Gelegenheit, nach der Vorstellung der kleinen Sirin Fragen zu stellen oder auch um ihr die Hand zu reichen. Der Gedanke von Weihnachten hat sich für alle Kinder und Lehrer deutlich gezeigt. Frohen Herzens gingen die Schüler anschließend in ihre Klassenverbände - wohl auch, um die eine oder andere Begebenheit noch einmal zu besprechen.
Die Idee des neuen Schulleiters, Herbert Winter, den Schülern in Kooperation mit dem Förderverein Pro Schule dieses Theaterstück als Weihnachtsgeschenk zukommen zu lassen, kam bei allen gut an.
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