Erlangen
Kommunalwahl

Sieben Kandidaten wollen in Erlangen ins Rathaus

Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) muss sich am Sonntag gegen sechs Konkurrenten behaupten.
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Hier im Rathaus in Erlangen ist die Amtstube des Oberbürgermeisters. Foto: Stadtverwaltung
Hier im Rathaus in Erlangen ist die Amtstube des Oberbürgermeisters. Foto: Stadtverwaltung
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Sieben Kandidaten wollen am Sonntag ihren Namen hören, wenn es darum geht, wer Erlangens Oberbürgermeister wird. Bleibt es Siegfried Balleis (CSU)? Oder wird es einer seiner sechs Konkurrenten Florian Janik (SPD), Susanne Lender-Cassens (Grüne/Grüne Liste), Elisabeth Preuß (FDP), Anton Salzbrunn (ErLi), Frank Höppel (ÖDP) oder Anette Wirth-Hücking (Freie Wählergemeinschaft Erlangen)? Wir haben mit ihnen gesprochen.

FT: Was motoviert Sie, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren?
Siegfried Balleis: Es fasziniert mich, eine Stadt voranzubringen und mich für meine Mitbürger einzusetzen.
Florian Janik: Kommunalpolitik ist Politik zum Anfassen. Es geht um Themen, die die Menschen vor Ort tagtäglich betreffen. Gute Kommunalpolitik findet im Dialog mit den Bürgern statt.
Mein direktes Umfeld mitzugestalten und dabei unmittelbar mit den Menschen in Kontakt zu sein, motiviert mich.
Susanne Lender-Cassens: Ich will was verändern, gestalten und mitmischen. Ich möchte mehr Transparenz und Bürgerbeteiligung. All das hat mir als Bürgerin gefehlt und war ein Motor, mitzumachen.
Anton Salzbrunn: Um was zu verändern. Eine soziale Stadt ist das Ziel: mehr bezahlbare Wohnungen, bezahlbare Gas- und Strompreise, Sozialticket, Semesterticket.
Frank Höppel:Nur wer bereit ist, sich ehrenamtlich zu engagieren, kann auch etwas bewirken. Ich habe Lust darauf, Erlangen mit einer Politik, die aufgeht, nachhaltig zu verändern.
Anette Wirth-Hücking: Hier kann man in seinem direkten Umfeld am meisten bewirken.

Warum sind Sie der richtige Bürgermeister für Ihre Stadt?

Balleis: Weil ich in den vergangenen 18 Jahren bewiesen habe, dass ich mich mit vollem Einsatz für Erlangen engagiere und die Stadt in eine Spitzenposition gebracht habe.
Janik: Ich bin überzeugter Erlanger und werde es bleiben. Ich möchte unser weltoffenes und lebenswertes Erlangen weiter voranbringen. Die Stadt als Ganzes sehen, die Bürger mitnehmen und gemeinsam das Beste herausholen - das ist mein Weg.
Lender-Cassens: Weil ich nicht Macht will, sondern mit anderen gemeinsam unsere Stadt gestalten möchte.
Salzbrunn: Es ist wichtig, dass soziale Regeln und Bedingungen herrschen, bisher wurde das stark vernachlässigt. Bei mir soll das Soziale wieder Vorrang haben.
Höppel: Ich möchte einen ehrlichen und pragmatischen Politikstil im Erlanger Stadtrat etablieren. Parteipolitische Ränkespiele sind mir ein Graus - die Bürger sind in die politischen Entscheidungen bestmöglich einzubinden.
Wirth-Hücking: Ich bin fair und unabhängig und frei von der Lobbypolitik. Ich stehe für Lebensqualität und Miteinander. Durch 28 Jahre Erfahrung in der Kommunalpolitik kenne ich die Verwaltungsstrukturen und die politischen Gremien sehr gut - und ich kann Menschen an einen Tisch bringen. Die Menschen stehen im Mittelpunkt meiner Politik.

Was hat Sie im vergangenen Jahr in Bezug auf Ihre Stadt am meisten geärgert und wieso?
Balleis: Dass einige sehr große Firmen sehr wenig zur Finanzierung der Aufgaben der Stadt beitragen.
Janik: Am meisten geärgert hat mich, dass der Kauf der GBW-Wohnungen misslungen ist. Jetzt gilt es, alles zu tun, um die Mieter zu unterstützen. Wo es möglich ist, werde ich als Oberbürgermeister die Wohnungen wieder ankaufen. Für den Rest des Bestands werde ich Satzungen zum Schutz der Mieter erlassen.
Lender-Cassens: Wenn Halbherziges als großer Erfolg gefeiert wird. Zum Beispiel ein Ja zur Stadt-Umland-Bahn, das 30 Jahre gedauert hat.
Salzbrunn: Die hohen Mietpreise und die hohen Fahrpreise im öffentlichen Personennahverkehr.
Höppel: Die Diskussion über die Realisierung neuer Gewerbeflächen. Wir gehen zu sorglos mit den noch verbliebenen Grünflächen und Äckern um. Der Flächenverbrauch muss unbedingt verringert werden.
Wirth-Hücking: Überreglementierung seitens der Verwaltung und mangelnde Kommunikation zwischen den Ämtern irritieren die Bürger - mangelnde Bürgerfreundlichkeit, lange Verwaltungswege. Arroganz der Mehrheitspartei, die sich die Demokratie so gebogen hat, wie es gerade passt.

Was vermissen Sie in Ihrer Stadt?
Balleis: Nichts.
Janik: Der dringende Wunsch ist der nach öffentlichen Toiletten in der Innenstadt. Dieses Anliegen wurde schon von vielen Bürgern an mich herangetragen. Darüber hinaus vermisse ich Brunnen und Wasser in der Stadt, genauso wie Grünflächen und öffentlich nutzbare Freiflächen.
Lender-Cassens: Brunnen, schöne Plätze, autofreiere Innenstadt, große Bäume in der Innenstadt.
Salzbrunn: Dass im Bereich Wohnungsbau etwas stattfindet. Statt Eigenbausiedlungen wäre eine mehrgeschossiger Wohnungsbau wichtiger.
Höppel: Eine echte Bürgerbeteiligung - diese sollte optimalerweise in den Stadtteilen erfolgen. Ich möchte eine jährliche Bürgerversammlung in jedem Stadtteil etablieren und die Bürger zu geplanten Projekten in ihrem Bezirk sowohl informieren, wie auch befragen.
Wirth-Hücking: "Grüne Welle" für die Ein- und Ausfallstraßen, Parkmöglichkeiten in der Innenstadt, Semesterticket, gut getakteter öffentlicher Personennahverkehr, bezahlbarer Wohnraum, vernünftige Haushaltspolitik, Blumenschmuck, mediterranes Flair, ansprechende Gestaltung der Innenstadt, öffentliche Toiletten, Ruhebänke, Barrierefreiheit.

Bei welchen drei Themen sehen Sie am meisten Handlungsbedarf in Ihrer Stadt und wieso?
Balleis: Die Energiewende voranbringen, den Siemens-Campus voranbringen, noch größere Anstrengungen im Wohnungsbau.
Janik: Erlangen braucht bezahlbaren Wohnraum. Dafür braucht die Stadt neues Bauland und mehr Geschosswohnungsbau, aber auch verträgliche Nachverdichtung. Erlangen braucht außerdem ein modernes, leistungsfähiges und umweltverträgliches Verkehrsprojekt. Die Stadt-Umland-Bahn wird das Rückgrat dieses Konzeptes sein. Und Erlangen braucht einen Oberbürgermeister, der die Anliegen der Bürger hört und ernst nimmt.
Lender-Cassens: Verkehr: Stadt-Umland-Bahn, Radwege, Semesterticket, günstigere Fahrpreise. Wohnen: der städtischen Wohnungsgesellschaft Grundstücke verkaufen. Nachverdichtung: wo möglich, mehr verpflichtender Sozialwohnungsbau.
Salzbrunn: Sozialer Wohnungsbau, Senkung der Fahrpreise, Sanierung der Volkshochschule und anderer Schulen.
Höppel: Wohnen: Der Wohnraum in Erlangen hat sich in den vergangenen Jahren eminent verteuert. Adäquate Wohnungen für Senioren sind Mangelware. Verkehr: Durch die im Vergleich zum Wohnraum überdimensional gestiegenen Arbeitsplätze sind auch die Pendlerzahlen stark gestiegen und verursachen in den Stoßzeiten tagtäglich Zustände nahe am Verkehrsinfarkt. Erhalt stadtnaher Grünflächen und Landwirtschaft. Maßnahmen schaffen von bezahlbarem Wohnraum hat deutlich Vorfahrt vor neuen Gewerbeflächen.
Wirth-Hücking: Verkehr: "Grüne Welle", intelligent vernetztes Verkehrskonzept, das auf Erlangen zugeschnitten ist. Bezahlbarer Wohnraum: Angebot erhöhen durch Nachverdichtung, moderater Geschosswohnungsbau, Förderung sozialer Wohnungsbau. Haushaltslage: mehr Disziplin im Umgang mit Steuergeldern, mittelfristig Schuldenabbau.

Die Fragen stellte Sabine Herteux. Elisabeth Preuß (FDP) reagierte nicht auf unsere Anfrage.


Alles Wissenswerte rund um die Wahl in Erlangen:

Stadt: In der Universitätsstadt Erlangen leben derzeit 106 600 Menschen. Davon sind circa 82 500 Männer und Frauen stimmberechtigt. Im Stadtrat gibt es 50 Sitze, jeder Wähler in Erlangen hat also 50 Stimmen, die er vergeben kann.

Wahllokale: Wählen können die Erlanger in insgesamt 95 allgemeinen Wahlbezirken und 23 Briefwahlbezirken.

Kandidaten: Als Oberbürgermeister kandidieren Bürgermeister Siegfried Balleis (CSU), Florian Janik (SPD), Susanne Lender-Cassens (Grüne/GL), Elisabeth Preuß (FDP), Anton Salzbrunn (ErLi), Frank Höppel (ÖDP) und Anette Wirth-Hücking (FWG).

Stadtrat: CSU, SPD, Grüne/GL, FDP, ErLi, ÖDP und FWG haben jeweils eine Liste für den Stadtrat aufgestellt.

Rückblick: Der 60-jährige Siegfried Balleis ist seit 1996 Oberbürgermeister in Erlangen. Die Wahlbeteiligung 2008 lag bei 51,9 Prozent.

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