Sebastian Sommer ist entzückt, als er auf der Großbaustelle der Klosterkirche einen für Nordbayern einmaligen Fund erläutert. Bei Grabungsarbeiten trat ein Gipsestrich aus dem zwölften Jahrhundert zu Tage. Der Chefexperte für Bodendenkmäler am Landesamt für Denkmalpflege in München bezeichnet den 900 Jahre alten Schmuckfußboden aus der Erbauungszeit der Kirche als Sensation. Und weiter: "Dass es in der Münchauracher Kirche eine solche Kostbarkeit romanischer Baukunst geben würde, haben wir nicht erwartet."

Sebastian Sommer, Pfarrer Dieter Kuhn, Architekt Hermann Keim und der Archäologe Andreas Pross schwärmten bei einer Begehung am Freitagvormittag gemeinsam von dem Fund. Bisher hatte man sich immer darauf konzentriert, in den Wänden Farbreste zu finden, sagte Kuhn. Denn die Kirche sei früher sicherlich bunter gewesen. Dass aber unter den Füßen eine wahre Kostbarkeit schlummerte, damit hatte aber keiner gerechnet. Kuhn: "Wir sind die ganze Zeit darauf herumgelaufen". Jetzt aber traten Aufsehen erregende Befunde zu tage, die dem Gotteshaus eine ganz neue Bedeutung geben.

Bei dem Schmuckfußboden handelt es sich um einen Gipsestrich. Er weist eine Verzierung mit verschiedenen Kreisdarstellungen auf, teilweise sind sie in roter und schwarzer Farbe gefasst. Diese Art der Bodengestaltung lässt eine hohe Bedeutung und eine gute finanzielle Ausstattung des Klosters vermuten. Sie weist auch auf ein hochausgebildetes geistiges Leben im Kloster hin. In der Romanik wurden immer wieder die Mittelschiffe von Kirchen mit Symbolen des damaligen Weltbildes verziert.

Es ging dabei um das Beziehungsgeflecht zwischen Theologie, Ethik und Natur. Die Welt sollte als ein aus dem christlichen Glauben erwachsenes Ganzes begriffen werden. Schmuckfußböden dieser Art sind heute äußerst selten - und daher besonders wertvoll. In Bayern ist bislang neben dem Münchauracher Boden nur ein einziger vergleichbarer Befund bekannt: In den 1970er Jahren wurde im Kloster Benediktbeuern ebenfalls ein mit Kreisornamenten geschmückter Gipsestrichboden entdeckt.

Gegenwärtig legen Denkmalpfleger die in großen Partien zusammenhängend und jeweils über mehrere Quadratmeter erhaltenen Reste des Schmuckfußbodens frei, vermessen und dokumentieren sie. Der Gipsestrich braucht zur Konservierung unbedingt eine feuchte Umgebung. Nach Abschluss der Untersuchungen wird er deshalb sorgfältig überdeckt. Der spektakuläre Fund von Münchaurach ist dann zwar nicht mehr sichtbar, die Abdeckung und der neuen Fußboden schützen und bewahren den kostbaren Estrich jedoch für künftige Generationen.


Ausführliche Berichte zum Sensationsfund und zur Geschichte der Kirche lesen Sie im Fränkischen Tag (Ausgabe Herzogenaurach)