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Schlüsselfeld
Sicherheit

Selbstversuch: Pkw-Intensiv-Training beim ADAC in Schlüsselfeld

Über 10.000 Leute besuchen jährlich ein Training beim ADAC-Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld. Wir haben das "Pkw-Intensiv-Training" einmal selbst getestet. Im Artikel finden Sie auch ein Video!
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Foto: Tobias Stich
Foto: Tobias Stich
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Ich würde von mir selbst nicht unbedingt behaupten, eine herausragende Autofahrerin zu sein. Auf jeden Fall bin ich aber eine vorsichtige. Wer Berichte über jeden einzelnen Unfall aus Franken auf den Schreibtisch bekommt, hat einfach schon zu viel gesehen. Einmal nicht aufgepasst, leichtsinnig dem Reh ausgewichen, zu dicht aufgefahren, ... Die Gründe, warum es im Straßenverkehr kracht, sind vielfältig. Und die bittere Erfahrung zeigt: Wenn was passiert, kann man froh sein, wenn es beim Blechschaden bleibt.

Wie verhält man sich also, wenn man im Straßenverkehr in eine Gefahrensituation gerät? Zuletzt habe ich mich damit in der Fahrschule beschäftigt - das ist jetzt schon einige Jahre her. Und auch dort ging das Gefahrentraining nur so weit, auf einem abgelegenen Feldweg mal eine Gefahrenbremsung zu machen.

Genau da kommt das Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld ins Spiel. Hier will ich testen, was eigentlich passiert, wenn das Auto mal ausbricht oder wie schnell man reagieren kann, wenn ein plötzliches Hindernis auftaucht. Deswegen absolviere ich das Pkw-Intensiv-Training.


Von Jung bis Alt ist alles dabei
Zu Beginn des Trainings geht es mit der ganzen Gruppe aber zunächst in den Seminarraum. Dort stellen wir uns selbst und noch viel genauer unsere Autos vor, damit der Trainer sich ein Bild von unserer Ausgangssituation machen kann. Vom 19- bis zum 78-Jährigen ist in unserer Gruppe alles dabei.

Trotzdem duzt man sich. Da gibt es Otmar, Außendienst-Mitarbeiter, der einen nagelneuen VW Passat fährt - und mich, mit meinem Polo Baujahr '97. "Das wird lustig", sagt Trainer Christian. Er selbst arbeitet auch noch für Maserati und Porsche und reist um die halbe Welt, um Autos zu präsentieren. Für den ADAC gibt er im Jahr etwa 40 Trainings. "Das macht mir sehr viel Spaß", sagt er, "es ist für mich wie Urlaub, weil ich ja nicht selbst fahren muss."



Damit die Teilnehmer möglichst viel fahren können und trotzdem seine Anweisungen hören, bekommen wir alle ein Funkgerät, das wir im Auto bei uns tragen sollen. Die Geräte funktionieren nur in eine Richtung. So kann Christian mit allen Teilnehmern gleichzeitig kommunizieren - und alle profitieren von den Tipps, die er den einzelnen Teilnehmern weitergibt.


Der Slalom ist noch einfach
Wie im Entenmarsch fahren wir zur ersten Strecke. Dort wartet schon ein Slalom auf uns. Die anfängliche Aufregung legt sich ein bisschen, als ich ihn absolviert habe, ohne ein Hütchen abzuräumen. Dann stellt Christian aber sogenannte "Beobachtungsaufgaben": Wo fangt ihr an zu lenken? Schaut ihr nur auf das nächste Hütchen oder auf alle gleichzeitig? Nicht nur ich muss an dieser Stelle zugeben, dass ich die Fragen nicht aus dem Stegreif beantworten kann.

Wenn das Fahren irgendwann in Fleisch und Blut übergeht, achtet man nicht mehr auf Kleinigkeiten wie Blickrichtung und Handhaltung. Genau da setzt das Training an: Es ruft eingefahrene Muster wieder ins Bewusstsein und zeigt genau dort Verbesserungspotenziale auf. Das beginnt schon bei der richtigen Sitzhaltung. Ich lerne, wie wichtig ein steil aufgerichteter Sitz ist. Nur wenn beim Durchtreten der Pedale das Becken an den Sitz gedrückt wird, könne man die Bewegung des Autos richtig wahrnehmen. Christian nennt das das "Popometer".

Das sollen wir auch benutzen, wenn wir Vollbremsungen üben. Etwa 100 Kilo müssen wir aufs Bremspedal kriegen - das geht nur mit Schwung. "Zu zaghaft, Lena!", kritisiert Christian über Funk, "da geht noch viel mehr." Wir steigern langsam das Tempo und messen immer wieder den Bremsweg der einzelnen Fahrzeuge. Wie viel 10 oder 20 km/h dabei ausmachen, habe ich eigentlich in der Fahrschule gelernt. Es aber im echten Leben noch mal zu erleben, ist tatsächlich etwas ganz anderes.


Üben für den Ernstfall
Das gilt besonders für die Übungen, die danach folgen: Ausweichen, Kurven, Schleudern. Unter der ständigen Begleitung von Christian erlebe ich die Grenzsituationen, die im Straßenverkehr eigentlich nicht passieren sollten. Und wenn sie doch passieren, geht es oft nur um Sekundenbruchteile. Um uns für jede Gefahrensituation das richtige Verhalten anzueignen, probieren wir erst verschiedene Herangehensweisen aus. Nach einer kurzen Bilanz und weiteren Tipps von Christian geht es dann an den Feinschliff. Beim dritten Versuch fällt es mir schon deutlich leichter, den plötzlich aus dem Boden schießenden Wasserfontänen auszuweichen.

Nur bei der allerletzten Übung müssen ich und der Polo kapitulieren. Eine in den Boden eingelassene Platte bringt das Auto auf glatter Straße zum Ausbrechen. Während andere Teilnehmer dank ESP ihr Auto schnell wieder unter Kontrolle bringen, schleudert es mich jedes Mal. Neben dem kurzen Radstand meines Autos spielt auch die nachlassende Konzentration eine Rolle. So ein ganzer Tag hinter dem Steuer macht sich bemerkbar.

Der Zweck des Trainings ist damit aber auf jeden Fall erfüllt - schließlich sollten nicht nur die Grenzen des Fahrzeugs ausgetestet werden, sondern auch die eigenen.


Info: Alles übers Fahrsicherheitszentrum in Schlüsselfeld
Geschichte Seit vier Jahren gibt es das Fahrsicherheitszentrum am Standort Schlüsselfeld. Ursprünglich sollte es in Höchstadt gebaut werden, scheiterte dort aber am Widerstand der Bürger.

Fläche Das Trainingsgelände erstreckt sich über 12,5 Hektar. Auf sieben Trainingsstrecken können verschiedene Fahrsituation simuliert werden, zum Beispiel scharfe Kurven, Schneeglätte, ein ausbrechendes Fahrzeug oder plötzlich auftretende Hindernisse.

Besucher Im Jahr absolvieren 10 000 Teilnehmer ein Training in Schlüsselfeld. Etwa 50 Prozent sind dabei Privatkunden, die andere Hälfte Firmen. Diese laden zum Beispiel ihre Außendienst-Mitarbeiter zum Sicherheitstraining ein oder mieten die Strecke für Präsentationen.

Trainings Die beliebteste Schulung ist das Pkw-Intensiv-Training. Auch das Training für junge Fahrer wird häufig gebucht. Neben den Standard-Trainings für Pkw und Motorrad werden auch eine Vielzahl von Sondertrainings angeboten, zum Beispiel für Wohnwagen-Gespanne, große Einsatzfahrzeuge oder Senioren.

Einzugsgebiet Alles im Bereich von einer Fahrstunde liegt laut Leiter Jörg Macharski im Einzugsgebiet des Zentrums. Die nächsten vergleichbaren Angebote gibt es in Fulda und Augsburg.

Personal Für Verwaltung, Instandhaltung und Catering sind 13 Personen fest angestellt. Alle ADAC-Trainer sind selbstständig und arbeiten auf Auftragsbasis. Etwa 30 davon arbeiten regelmäßig in Schlüsselfeld.

Aktion:
Mit dem Aktionscode „inFranken.de2015“ können Sie jetzt 20 Euro bei der Buchung eines Fahrsicherheitstrainings sparen. Einfach bei der Buchung mit angeben.

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