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Erlangen
Neujahrsempfang

Seehofer gibt sich in Erlangen zahm

In Erlangen verteilt Bayerns Ministerpräsident viel Lob und bringt Stefan Müller für den Parteivorsitz ins Gespräch.
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In der Heimatstadt von Innenminister Joachim Herrmann (r.) bezeichnete Horst Seehofer diesen als "kompetent und hilfreich". Fotos: Dorothea Weiler
In der Heimatstadt von Innenminister Joachim Herrmann (r.) bezeichnete Horst Seehofer diesen als "kompetent und hilfreich". Fotos: Dorothea Weiler
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Nach unerfreulichen Meldungen über Politikerschelte in den eigenen Reihen äußerte sich Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer beim Neujahrsempfang der CSU Erlangen-Höchstadt und der Stadt Erlangen betont lobend über Kollegen. Wie ein Triumphator war er unter der Fanfare des Spielmannszugs der Spielvereinigung Erlangen, umringt von einem Pulk Fotografen, durch den langen Mittelgang in die Erlanger Stadthalle eingezogen. Doch seiner Redetaktik war eine gewisse Anspannung durchaus anzumerken. Ganz offensichtlich wollte er diesmal nicht anecken.

Verschiedene Kollegen in der mit über 750 Menschen besetzten Heinrich-Lades-Halle bedachte Seehofer ausschließlich mit Lob. Im Gegensatz zu Söder, dem er vorgeworfen hatte, von Ehrgeiz zerfressen zu sein, rühmte er jetzt Stefan Müller, den jungen örtlichen Bundestagsabgeordneten, ob seiner "bodenständigen Politik und Bescheidenheit". In der Debatte um den künftigen Parteivorsitz, berichtete Seehofer, werde immer auch Müllers Name genannt. Auch Innenminister Joachim Herrmann, die Landtagsabgeordnete Christa Matschl und Erlangens Oberbürgermeister Siegfried Balleis bekamen reichlich Lob aus dem Mund des Ministerpräsidenten. Politik sei nicht mehr Herrschaftsausübung, sondern Dienstleistung am Menschen, und Balleis sei für viele Menschen der Inbegriff dieser Dienstleistung, wofür er dem "lieben Siggi" herzlich danke.

Seehofers Selbsterkenntnis
Er selbst lege in der Zusammenarbeit mit anderen Politikern großen Wert auf Loyalität und schätze diese ganz besonders am Erlanger Joachim Herrmann, den er immer konsultiere, wenn er Hilfe brauche. Kompetent und "unheimlich hilfreich" habe sich Herrmann in solchen Situationen stets erwiesen. Dabei sei er sich durchaus bewusst, dass es nicht einfach sei, jeden Tag mit ihm als Ministerpräsidenten zusammen zu arbeiten, gestand Seehofer ein. Und ging sogar soweit, festzustellen: "Ich möchte selber mit mir nicht arbeiten müssen."

Allerdings hatte Seehofer mit den Medien dann doch ein Hühnchen zu rupfen. An Talkshows, so der Politiker, nehme er grundsätzlich nicht teil, da noch keine Talkshow jemals zur Lösung von Problemen geführt habe. Und sicher frage das Fernsehen anlässlich des Neujahrsempfangs mehr nach der Zukunft Markus Söders anstatt nach der Zukunft Bayerns, konnte er sich einen grimmigen Seitenhieb nicht verkneifen. An Punkten, die zu Missverständnissen führen könnten, vergewisserte sich Seehofer immer wieder: "Sie verstehen, was ich meine?" "Ich bin für Reformen und Erneuerung unter Beibehaltung des Bewährten", nahm Seehofer Fahrt in Richtung Zukunft auf. Bayern sei heute, sagte Seehofer, eine Topregion in Deutschland.

"Mir steht es nicht zu, Bayern zum Paradies auszurufen, aber die Vorstufe zum Paradies sind wir allemal", gab er vollmundig seiner Überzeugung Ausdruck. Die Studenten, die vor dem Eingang warteten, um seine Unterschrift in Sachen Abschaffung der Studiengebühren einzufordern, haben ihn womöglich wieder ein wenig ins Irdische zurück geholt. Mit Sicherheit taten das jedenfalls die Sternsinger aus der Pfarrei St. Bonifaz, die mit ihrem Vers deutlich machten, dass die Welt noch nicht ganz in Ordnung ist: "Wir bitten euch herzlich, helft Kindern in Not, denn so viel von ihnen fehlt das tägliche Brot."
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