Höchstadt a. d. Aisch

Schwere Kindheit - mildes Urteil

Ein 25-jähriger Höchstadter wurde vor dem Landgericht Nürnberg-Fürth verurteilt. Er hatte mehrmals mit seiner erst zwölfjährigen Cousine geschlafen.
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Am Landgericht Nürnberg musste sich am Dienstag ein junger Mann aus Höchstadt verantworten.  Foto: Andreas Dorsch
Am Landgericht Nürnberg musste sich am Dienstag ein junger Mann aus Höchstadt verantworten. Foto: Andreas Dorsch
Schwerer sexueller Missbrauch in 21 Fällen. Normalerweise würde das mit zwei bis 15 Jahren pro einzelnem Fall bestraft, sagte am Dienstag Staatsanwältin Andrea Elfrich in ihrem Plädoyer vor der Jugendkammer I des Landgerichts Nürnberg-Fürth. Sie warf aber die ganz besonderen Umstände in diesem Fall mit in die Waagschale und schraubte ihre Forderung auf ein Maß zurück, dem sich das Gericht unter Vorsitz von Dieter Weidlich anschloss.

Ein 25-jähriger Mann aus Höchstadt wurde zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt und die Bewährungszeit auf drei Jahre festgesetzt.

"Der Sachverhalt steht fest", begann Richter Weidlich seine Urteilsbegründung. In den Jahren 2014 und 2015 hatte der Verurteilte sexuellen Kontakt mit seiner anfangs zwölfjährigen Cousine.
Es handelte sich um "schweren sexuellen Missbrauch, weil ein Eindringen in den Körper stattgefunden hat", erläuterte der Richter. Es gebe auch keinen Zweifel, dass es so war. Der heute 25-Jährige habe zudem gewusst, dass es strafbar ist.

Das Gericht ging beim Strafmaß aber von einem minderschweren Fall aus. So sei der junge Mann als vermindert schuldfähig einzustufen, mit "eingeschränkter Steuerungsfähigkeit". Bei der Beziehung zur Cousine sei es nicht um sexuelle Neugier gegangen. Es war eher eine Schicksalsgemeinschaft. Das junge Mädchen wollte Erfahrungen sammeln. Und das Interesse sei auch von ihr ausgegangen, sagte Richter Weidlich in der Urteilsbegründung.

Der Psychiater Peter Sauer hatte über den Verurteilten ein Gutachten erstellt. Wegen Auffälligkeiten sei mit 18 die Vormundschaft in eine Betreuung umgewandelt worden. Der Gutachter attestierte dem jungen Mann depressive Verstimmungen, Lernbehinderung, Intelligenzminderung mit Verhaltensauffälligkeiten. Er berichtete von "sehr verworrenen, instabilen Familienverhältnissen". Die eigene Mutter habe einen gewalttätigen Partner gehabt, es herrschten "rüde sexualisierende Verhältnisse". Sauer sprach unter anderem auch von einem erheblichen Reifungsdefizit, von Defiziten im emotionalen Bereich und einem Zuwendungsdefizit. Bei der Tatbegehung sei er nur eingeschränkt zurechnungsfähig gewesen.


Komplizierte Kindheit

Eindrucksvoll schilderte der etwas schüchtern und zurückhaltend wirkende junge Mann, der von seinem Betreuer begleitet und von Rechtsanwältin Gisa Tangermann-Ahring vertreten wurde, seinen Werdegang. Er sprach von einer "komplizierten Kindheit, in der einiges schief gelaufen ist".

Seine Mutter habe ihn zu den Großeltern abgeschoben, weil sie mit dem Kind überfordert war. Mit 15 sei er in ein Kinderheim gekommen, mit 18 in die erste Einrichtung. Der Vater sei früh gestorben, die Mutter inzwischen auch und so sei er 2014 zu seiner Tante nach Höchstadt gezogen. Die inzwischen zwölfjährige Tochter der Tante kannte er schon seit Jahren.

In Höchstadt sei es dann zu den ersten sexuellen Kontakten gekommen. Obwohl er ihr gesagt habe, dass es strafbar ist, habe sie Lust gehabt. Heute bereue er, "solchen Mist" gemacht zu haben. Die Zärtlichkeiten seien von beiden Seiten ausgegangen.

Die als Zeugin geladene Mutter des Mädchens erklärte in der Verhandlung, ihre Tochter, die in wenigen Wochen 14 werde, wolle die Beziehung zu dem Verurteilten fortsetzen. Mit ihrer Tochter lebe sie jetzt in Duisburg. Das Mädchen sei "sehr widerspenstig, wenn ihr etwas nicht passt", habe schon einen Kaufhaus-Diebstahl begangen und pornografische Bilder von sich verschickt. Hilfe vom Jugendamt lehne sie ab.

Der voll geständige Verurteilte hat in Weiden eine Förderschule besucht, keinen Abschluss und ist laut seinem Betreuer den Anforderungen am freien Arbeitsmarkt noch nicht gewachsen. Als Elektrohelfer ist er bei der Laufer Mühle beschäftigt. Er wird auch weiterhin von einer Mitarbeiterin der WAB Kosbach betreut.


50 Stunden gemeinnützige Arbeit

Weidlich machte dem jungen Mann deutlich, dass das Urteil auf Bewährung kein Freispruch sei. Er werde unter Aufsicht eines Bewährungshelfers gestellt und müsse 50 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Er und seine Verteidigerin nahmen das Urteil an.

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