Weisendorf
Hilfsaktion

Schule entsteht mit Weisendorfer Geld in Zubza

Die jungen Weisendorfer "Zubzas" berichteten in einer Pressekonferenz von Projekten, die sie derzeit in Indien unterstützen. Dazu gehört der Bau einer Schule in Zubza im Nagaland.
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Auf der Baustelle in Indien ist vieles Handarbeit. Fotos: privat/Sänger
Auf der Baustelle in Indien ist vieles Handarbeit. Fotos: privat/Sänger
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Mit "Namaste", einer hinduistischen Grußformel, begrüßte Schülerin Luisa Rödel die Gäste einer Pressekonferenz, zu der die Weisendorfer "Zubzas" am Donnerstag eingeladen hatten. Seit sechs Jahren setzen sich junge Weisendorfer für ihre Altersgenossen in Zubza im indischen Nagaland ein, erzählten Anne-Sophie Reichert und Hanna Meyr. Was mit einer Brieffreundschaft begann, hat sich inzwischen in zahlreichen Hilfsprojekten niedergeschlagen. So seien aus Weisendorf schon die Ausstattung einer Sanitätsstation, Krankenzimmer, Trinkwasserspeicher, Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen, aber auch Hilfe zur Selbsthilfe wie der Aufbau einer Schweinezucht finanziert worden.

Hanna Meyr trug den Brief eines Kindes aus Zubza vor: "Bitte behalte mich in deinem Gebet, deine Unterstützung ist sehr wichtig. Im Nagaland gibt es viele Christen. In den Dörfern können nur wenige Menschen schreiben und lesen. Viele Menschen leben noch in armseligen Hütten. In den Dörfern sterben viele Kinder im Kleinkindalter. Die Kinder - besonders die Mädchen - müssen oft bei der Feldarbeit oder im Steinbruch helfen und können nicht zur Schule gehen."

Die junge Weisendorferin berichtete weiter, dass jedes dritte Kind in Indien unterernährt sei, darunter leiden besonders sie Mädchen, weil ihre Brüder mehr zu essen bekommen als sie. Viele Babys würden in den ersten Jahren an Unterernährung und auch mangels medizinischer Versorgung sterben. Jedes fünfte Kind geht nicht zur Schule, Kinder sammeln Müll oder durchwühlen die Müllplätze, und Mädchen werden als Haushaltshilfe missbraucht.

Weisendorfer Schule löst Bretterbude in Peducha ab


Leonardo Ruck referierte über den Bau einer Schule in Peducha in Verantwortung von Peter Jose Palely vom Don-Bosco-Orden. Peducha sei ein abgelegenes Dorf, und die Leute seien sehr arm, der Analphabetismus sei unter den Familien des Stammes weit verbreitet. Aber jetzt tue sich etwas, mit Weisendorfer Hilfe wird eine Schule gebaut, die eine kleine, einfache Bretterbude ablöst.

Delegation aus Weisendorf reist im Oktober zur Einweihung


"Wir, die Zubzas, sind sehr betroffen über die ärmlichen Umstände, unter denen unsere Freunde unterrichtet werden - wo doch gerade eine gute Schulbildung der einzige Weg aus der in Nordindien vorherrschenden Armut ist", sagte Leonardo Ruck. Im Oktober soll die Schule fertig sein, und eine Delegation aus Weisendorf wird bei der Einweihung dabei sein. Der Don-Bosco-Orden sorgt später für den Betrieb der Schule, beschafft die Lehrer und bestimmt das pädagogische Konzept. Die Schule steht für alle Kinder ab etwa fünf Jahren offen. Eine Auswahl gibt es nicht.

Josefine und Helene Inkmann hoffen, dass durch Schulbildung auch für die Familien mittelfristig ein besserer Lebensstandard erreicht werden kann. So sei der Schulbesuch bislang nur wenigen Mädchen möglich gewesen. Hefte und Stifte, schon diese kleinen Anschaffungen überfordern die Möglichkeiten der armen Familien. Mit Hilfe der Salesianer Don-Boscos und des Kindermissionswerks werde die neue Schule den 150 Kindern in Peducha neue Bildungsmöglichkeiten eröffnen.

Da viele Einwohner beim Schulbau kräftig mit anpacken, entstehe ein Wir-Gefühl, das den Stellenwert des Projekts unterstreicht. In vergleichbaren Fällen habe sich gezeigt, dass solche Schulen zu Dorfmittelpunkten werden.

Paula Tögel erinnerte an anfängliche Schwierigkeiten bei der Finanzierung und Bedenken, ob das nötige Kapital für eine schlichte Schule beschafft werden kann. Aber durch die Aktionen der Zubzas, des Kindermissionswerks, der Sternsinger und nicht zuletzt durch die Erzdiözese wurde es geschafft. "Ohne euch hätten wir das niemals gewagt. Den Mut für dieses Vorhaben habt ihr uns gegeben. Ohne eure Mitarbeit und großzügigen Spenden wäre dies nicht möglich geworden. Herzlichen Dank und dhan-ya-war", sagte Paula zu den Sponsoren und Gästen der Pressekonferenz.

"Wir sind stolz darauf, dass wir keine Spendengelder für unsere Ausgaben verwenden müssen. Jeder gespendete Euro kommt an. Es gibt bei der Zubza-Hilfsaktion keine Verwaltungskosten. Die Organisation ,Jugend hilft' unterstützt unsere Aktionen und bezahlt unsere Aufwendungen für Kopien und Ausstellungen", bedankte sich auch Projektleiter Erich Klimek.

Im Anschluss berichtete Walter Rinderer, der durch das Internet auf die Zubzas aufmerksam wurde, von einem dreimonatigen Aufenthalt im Nagaland und dem Bau der Schule. In seinen Adern fließt Weltenbummler-Blut. Nicht nur aus reiner Abenteurer-Lust besucht er ferne Länder. Er will den Ärmsten der Armen helfen. "Schon während meines Studiums wollte ich Entwicklungshelfer werden, aber es kommt meist anders als man denkt, und ich musste bis zu meinem Ruhestand warten", erzählte Rinderer, der ein Bauunternehmen in Schwarzenbach bei Pressath führte.

Walter Rinderer packte mit an

Er nahm Kontakt zu Ernst Klimek auf und flog letztendlich auch ins Nagaland, um den Bau der Schule in die Wege zu leiten, zu beginnen und auch einen Teil des Rohbaus zu begleiten. Rinderer berichtete über unglaubliche Zustände, aber auch über sehr freundliche Menschen, bei denen die Gastfreundschaft trotz aller Armut und des täglichen Überlebenskampfs ganz oben steht.

Rinderer hat auch aus eigener Tasche Geld zum Kauf von Baumaterial spendiert, um den Bau beginnen zu können. Inzwischen wurde die erste Betondecke betoniert, und er baute eine Duschanlage mit Warmwasser. Dafür wurde eine Solaranlage mit einem 500-Liter-Tank auf das Schuldach gestellt.
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