Herzogenaurach
Sanierung

Schandfleck in Herzogenaurach soll Schmuckstück werden

Die Sanierung des Anwesens in der Hauptstraße 65 kommt dem Ziel der Stadt "Belebung der gesamten Hauptstraße" deutlich entgegen. Die neuen Besitzer wollen das Gebäude in neuem Glanze erstrahlen lassen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Karin und Michael Kampe beobachten die interessierten Blicke des Bürgermeisters German Hacker zum Scheunendach. Fotos: Richard Sänger
Karin und Michael Kampe beobachten die interessierten Blicke des Bürgermeisters German Hacker zum Scheunendach. Fotos: Richard Sänger
+6 Bilder
Das schon seit längerem leer stehende Anwesen an der Hauptstraße 65 - zuletzt Bäckerei Josef Kummeth - soll ein Schmuckstück werden. Das sind zumindest die Pläne des Ehepaares Karin und Michael Kampe, die das Haus aus dem Jahre 1734 und die dazugehörige Scheune aus dem 18. Jahrhundert kauften.

"Herzogenaurach wird unser Lebensmittelpunkt werden", erklärte das Ehepaar gemeinsam. Damit zauberten sie ein Lächeln auf das Gesicht von Bürgermeister German Hacker (SPD). Aber auch Anja Wettstein vom Amt für Planung sowie Judith Jochmann vom Amt für Stadtmarketing und Kultur wollten ihre Freude nicht verbergen. Denn immer wieder wurde dieses Anwesen von Herzogenaurachern als Schandfleck bezeichnet. Der Platz vor der Scheune musste sogar schon mal aus Sicherheitsgründen abgesperrt werden.

Und genau an diesen "Schandfleck" fand das Nürnberger Ehepaar Gefallen und will es zu einem auffälligen Blickpunkt machen. "Wir waren auf der Suche nach Wohnraum und wir mögen historische Gebäude", erklärte Michael Kampe.


Intensiv informiert

Bei der Suche stießen sie auch auf Herzogenaurach. Das Ehepaar sondierte den Immobilienmarkt und interessierten sich für die frühere Bäckerei.

Nach reiflicher Überlegung und einer Stadtführung von Klaus-Peter Gäbelein sowie Gesprächen mit den Denkmalschutzvertretern und dem Schwabacher Architekten Helmut Rester, übernahmen Karin und Michael Kampe das Anwesen.

Mit dem Architekturbüro Rester hatten sie sich den richtigen Fachplaner ins Boot geholt. Das Schwabacher Architekturbüro ist für die Sanierung denkmalgeschützter und historischer Häuser bekannt. Zahlreiche Denkmalschutzpreise bestätigen dies, zudem bestellt die IHK-Nürnberg das Büro oft zum Sachverständigen für historische Gebäude in Mittelfranken. "So ein Gebäude ist sowohl für den Planer, aber auch für den Bauherrn eine Herausforderung. Wir müssen uns dabei in die damalige Zeit zurück versetzen, das beginnt schon mit der Gebäudeaufteilung", erklärte Helmut Rester bei der Vorstellung der Eingabeplanung.

Dass diese bei der Septembersitzung des Bauausschusses Gefallen und eine breite Zustimmung finden wird, davon sind Anja Wettstein und Bürgermeister German Hacker überzeugt. Denn die Sanierung des Anwesens komme dem Ziel der Stadt, "Belebung der gesamten Hauptstraße", entgegen. "Die Hauptstraße endet bei den Haushaltswarengeschäft Maydt", erklärte der Bürgermeister. Schließlich sei der westliche Teil mit einem erheblichen Aufwand ausgebaut worden.

Ähnlich sehen es auch das Käuferehepaar und der Architekt, denn historische Gebäude sollen und müssen erhalten werden. "Solche Häuser prägen das Stadtbild und wir möchten unseren Teil dazu beitragen", sagte Michael Kampe dazu. Bis die Pläne jetzt vorgestellt werden konnten, waren viel Vorarbeit und noch mehr Gespräche notwendig. Begeistert zeigte sich Kampe von der Zusammenarbeit mit der Stadt. "Eine hervorragende Zusammenarbeit und Unterstützung, das findet man nicht überall", lobte das Ehepaar die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Rathauses. Inzwischen war auch der Denkmalschutz mehrmals im Haus, habe Messpunkte angebracht, Decken sowie Wände geöffnet und stieß überall auf viel Originales, insbesondere beim Dachstuhl des Hauses, das als "Baudenkmal" katalogisiert ist, die daneben stehende Scheune steht unter Ensembleschutz.


Prägendes Objekt

Die Scheune wird im ersten Bauabschnitt saniert und das Obergeschoss möchte das Käuferehepaar selbst bewohnen. Im Erdgeschoss können sich Karin und Michel Kampe einen kleinen Laden vorstellen, wobei noch keine Richtung feststehe. Im zweiten Bauabschnitt, beim Haus mit seinen vom Denkmalschutz teils freigelegten Balken, folgt dann die große Herausforderung. Der Architekt muss es schaffen, in das Haus zwei Mietwohnungen einzubauen, die dem heutigen Standard entsprechen. Dass das gelingt, davon sind sowohl der Architekt, als auch das Ehepaar Kampe überzeugt. Die Pläne fanden zumindest bei den Denkmalschutzbehörden Gefallen.
Dieses Objekt war lange Zeit sehr prägend für diesen Teil der Innenstadt. Die Anwohner sehnen eine Veränderung im positiven Sinn herbei und "wir hoffen nach Fertigstellung etwas zur Belebung dieses Straßenabschnittes beizutragen", erklärte Kampe nach der Führung durch das Haus. Einen kleinen Wermutstropfen gab es allerdings vom Denkmalschutz: Das Dachgeschoss des Wohnhauses darf aufgrund seines einzigartigen Dachstuhles nicht ausgebaut werden. Das sei zwar schade, aber Michael Kampe und der Architekt haben dafür Verständnis, denn beim Einbau einer Wohnung müsste in den Dachstuhl eingegriffen werden.

Planer und Bauherr stellen den Denkmalschützern ein hohes Lob aus, so war die Zusammenarbeit bisher problemlos und alle Wünsche können realisiert werden. Michael Kampe und auch der Architekt können die Höhe der Sanierungskosten nicht beziffern. "Ich rechne mal mit einer siebenstelligen Summe", meinte Kampe.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren