Diese Ähnlichkeit! Euer Max* ist dem Papa ja wie aus dem Gesicht geschnitten, das sagen die anderen oft zu Maja M.* und ihrem Mann. Max' Eltern müssen dann immer ein bisschen schmunzeln. Der Papa hat das Kind nämlich gar nicht gezeugt. Aber das weiß niemand.

Max entstand aus einer Samenspende. Dazu kam es, weil das Leben nicht so wollte wie das Ehepaar M. "Wie es halt so ist", sagt Max' Mutter. "Es war relativ früh klar, dass mein Mann kein Kind zeugen kann. Wir waren beide berufstätig und haben das Thema immer wieder aufgeschoben." Irgendwann dann stand die Frage aber doch im Raum: Gibt es noch eine Chance auf ein eigenes Kind? Ist der Mann wirklich zeugungsunfähig? Ist jede medizinische Möglichkeit ausgereizt? "Man tastet sich heran", sagt die 36-Jährige.

Wie sieht der Spender aus?

Das Thema Samenspende kam ins Spiel. "Mein Mann ging von sich aus zum Spezialisten und suchte das Gespräch", sagt Maja M. "Es war klar, dass alles auf seinen Impuls hin folgen muss. Er ist ja derjenige, der den schwierigeren Part in der Geschichte hat." Tom M.* war bald überzeugt: Er wollte den Schritt gehen. Seine Frau auch.

2009 lief der technische Prozess an. Begleitet wurde das Ehepaar von Dr. Andreas Hammel, Reproduktionsmediziner und Gründer der Erlanger Samenbank. Damit diese den passenden Spender aussuchen kann, gaben Maja und Tom M. viele Daten an. "Die Auswahl geht nach den optischen Merkmalen und den Hintergründen, die am geeignetsten erscheinen", sagt Maja M. Das Ehepaar hatte die Wahl zwischen drei potenziellen Spendervätern und entschied sich für einen Mann, der Tom M. sehr ähnlich sieht.

Die Chance, durch eine Samenspende schwanger zu werden, liegt bei 15 bis 20 Prozent. Ein Wahrscheinlichkeitsspiel. Maja M. hat sich vier Mal einer Befruchtung unterzogen. Monat für Monat zum geeigneten Zeitpunkt - und immer ohne Erfolg. "Das war frustrierend", sagt sie. Sie sagt auch, sie sei ein Kopfmensch. "Aber den Fehlversuchen ist man schutzlos ausgeliefert." Da gebe es keinen Unterschied zwischen Fremd- oder Eigensperma. Man wirft alles in die Waagschale, um schwanger zu werden. Wenn es nicht klappt: Die gleiche Frustration wie bei einer "normalen" Schwangerschaft. Was bei diesem Verfahren "unromantisch" hinzukommt: Das Geld. "Man muss einige Tausend Euro in die Hand nehmen, je nachdem, wie schnell es funktioniert", sagt Maja M. "Aber es ist halt ein Preis, den man bezahlen muss."

"100 Prozent glücklich"

Auf ihrer Rechnung standen am Ende fünf Versuche. Dann hat es endlich geklappt. In dem Moment, als die Eltern von der Schwangerschaft erfuhren, "war alles andere zur Seite schoben. Wir haben uns einfach nur gefreut", sagt Maja M. Im Februar 2010 kam Max zur Welt. "Ein kleiner Knubbel, für den man Verantwortung hat und den man liebt. Das ist ein wunderbares Gefühl", schwärmt seine Mutter. "Ich bin zu 100 Prozent glücklich."

Manchmal sprechen die Eltern darüber, wie Max entstand. "Es ist toll, dass es diese medizinische Möglichkeit gibt", sagt Maja M. "Es würde mir leid tun, wenn jemand in diesem Problem verharrt. Ich kann diesen Weg jedem raten, der in die Notwendigkeit kommt." Und Tom M., dem das Kind wie aus dem Gesicht geschnitten ist? Für ihn macht es keinen Unterschied, wie Max gezeugt wurde. Er würde für ihn durchs Feuer gehen, sagt er. "Was dem Kind biologisch fehlt, wird durch alles andere, was man ihm gibt, wieder aufgefangen."

Kinder Nummer 2 steht an

Sie würden es immer wieder machen, sagen Max' Eltern. Und sie machen es auch bald wieder: Ihr zweieinhalbjähriger Sohn soll ein Geschwisterchen bekommen. Vom selben Spender, damit sich die Kinder ähnlich sehen. "Das wäre mir sonst doch ein bisschen zu viel Patchwork", sagt die Mutter und schmunzelt. Eine Weile war ihr allerdings das Schmunzeln vergangen - der Erzeuger von Max wollte keinen Samen mehr abgeben.

Dann ein Hoffnungsschimmer: Ein "Rest" seiner Proben ist von der Behandlung einer anderen Patientin übrig. Den können M.'s nutzen. Klingt gut. Klingt aber auch befremdlich. Samen, Proben, Reste. Maja M. lacht. "Ja", sagt sie, "man braucht ein bisschen abgebrühten Humor, um damit umgehen zu können. Aber es wäre fatal, wenn es ein verschämtes Tabuthema zwischen den Ehepaaren wäre."

Für Maja und Tom M. ist es kein Tabu. Intern zumindest. Extern - schwierig. "Die Familie meines Mannes ist sehr konservativ, die würde das nicht verstehen", sagt Maja M. Deshalb haben sie die Wahrheit verschwiegen, obwohl Maja M. zumindest ihre Geschwister gern eingeweiht hätte. Doch niemand weiß, dass Max einen anderen Erzeuger hat. Umso lustiger finden es die Eltern, wenn sie auf die Ähnlichkeiten zwischen Kind und Vater angesprochen werden. "Wir kommentieren es nicht weiter. Aber es ist klar, dass das Kind die Wahrheit erfahren muss."

Max muss die Wahrheit erfahren

Irgendwann werden sie Max sagen, dass er "anders" auf die Welt gekommen ist. Tom M. graut es vor diesem Tag ein bisschen. Wird sein Sohn verstehen, was das bedeutet? Wird er als trotziger Teenager sagen, ich will meinen "echten" Vater kennen lernen? "Das ist die einzige Wolke, die es für uns am Himmel gibt", sagt Maja M. Vielleicht, überlegt sie, wäre es einfacher, wenn ein zweites Kind da ist. "Die beiden hätten dann einander, um sich auszutauschen."

Wenn der Tag X kommt und Max Bescheid weiß, wird Tom M. seinen kompletten Frieden mit dem Thema machen. Bis dahin ist die Frage nach der Samenspende aber kein Problem, das die Eltern jeden Tag begleitet. "Uns begleiten eher volle Windeln", sagt Maja M.

*Alle Namen geändert.

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