Der Raum ist übersät mit Seiten aus Telefonbüchern. Überall am Boden liegen Schnipsel und Blätter. In der Mitte steht ein undefinierbares, weißes Etwas. Die Kinder nennen es Ding, Oschi oder Viech. Es handelt sich um einen Rohling aus Pappmaché und es wird ein Alien.
Passend zum Namen des Jugendclubs Area 51 in Röttenbach basteln 18 Kinder in einem Projekt außerirdische Wesen. Drei Tage lang rühren sie mit Kleister eine Pampe an und formen auf Draht- und Holzgestellen die phantastischen Viecher aus dem All. "Wenn sie bemalt sind, suchen wir zusammen die besten Plätze an den Wänden aus", sagt Jugendpfleger Frank Schulte vom Area 51. Auch den Diskoraum, in dem gerade das kreative Chaos herrscht, soll später eine Figur zieren. "Wir bemalen sie auch mit fluoreszierenden Leuchtfarben.
Das kommt besonders gut im Schwarzlicht", erklärt Radka Tuhácková, die mit vom Kleber verschmierten Händen zwischen den Kindern steht. Sie ist Künstlerin aus Nürnberg und leitet den Workshop mit den Siebtklässlern der Mittelschule Röttenbach. Das kreative Bastelprojekt wird vom Bezirksjugendring als Teil von "Mischen!", den Kinder- und Kulturtagen Mittelfrankens, organisiert. Auch das Material stellt der Jugendring.

"Es geht darum, die Phantasie der Kinder anzuregen und sie kreativ werden zu lassen. Was ist da besser geeignet als Wesen von fremden Welten zu erfinden", sagt die 39-Jährige. Und die Kinder sind mit voller Elan dabei. Dem 14-jährigen Denny Lonski aus Zeckern gefällt vor allem das Gematsche mit der Kleistermasse. Und er glaubt an Aliens: "Ich denke schon, dass es da oben etwas gibt. Auf dem Mars vielleicht." Er interessiert sich sehr für die Materie, auch für die Theorien um die Area 51, also das sagenumwobene Testgelände in den USA. "Dort sollen ja echte Ufos aufbewahrt werden", mutmaßt er.

Seine Mitschülerin Letizia Perovic aus Röttenbach hält eher nichts von den Geschichten über Außerirdische. "Sowas gibt's nicht. Ich glaube an die Menschheit", sagt die Zwölfjährige. Trotzdem freut sie sich schon, die Röttenbacher Papp-Aliens zu bemalen. "Grün und orange will ich sie machen."
Aber die meisten der Schüler glauben schon, dass es im All mehr Leben gibt als nur auf der Erde. Der 13-jährige Shawn Emminger aus Adelsdorf war im Urlaub sogar schon mal in der Wüste, wo die Area 51 sein soll. "Ich war noch ganz klein, als wir dort waren. Da gibt es Löcher im Boden und Informationstafeln, fast wie im Zoo." Angst vor einem außerirdischen Besuch hat Shawn aber keine. Viel mehr freut er sich schon auf die Bemalung der Papp-Aliens.

Am Anfang der Aktion sollten die Kinder ihre Ideen auf Papier skizzieren. Denn: Wie sieht ein Alien eigentlich aus? Wenn es nach den Röttenbacher Kindern geht, ist es knapp einen halben Meter groß, hat zwei bis vier Beine, Fühler und Tentakel und ist orange-grün.
Sobald sich in der Zukunft ein echter E.T. nach Röttenbach verirrt, können die Schüler vergleichen. Bis dahin dienen die Aliens als kreative Dekoration im Schwarzlicht des Area 51.