Röttenbach
Ausgleichsflächen

Röttenbach räumt sein Ökokonto

Seit dem Bürgerentscheid ist klar: Röttenbach bekommt ein Baugebiet. Hierfür hat die Gemeinde bereits die nötigen Ausgleichsflächen "angespart".
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Beim Flächenmanagement der Gemeinde arbeiten Bürgermeister Ludwig Wahl und Karin Klein-Schmidt vom Landschaftspflegeverband eng zusammen. Die Gemeinde hat seit 2011 ein "Ökokonto". Sie profitiert damit bei der Ausweisung von Ausgleichsflächen. Foto: Christian Bauriedel
Beim Flächenmanagement der Gemeinde arbeiten Bürgermeister Ludwig Wahl und Karin Klein-Schmidt vom Landschaftspflegeverband eng zusammen. Die Gemeinde hat seit 2011 ein "Ökokonto". Sie profitiert damit bei der Ausweisung von Ausgleichsflächen. Foto: Christian Bauriedel
Wenn man so will, ist Röttenbach das Eichhörnchen unter den Gemeinden. Eichhörnchen denken mit. Sie fressen nicht drauf los, sondern sammeln Nahrung, bunkern sie und zehren in den kalten Monaten davon.
Im übertragenen Sinn macht das Röttenbach mit Ausgleichsflächen, also mit jenen Flecken Land, die der Natur zurück gegeben werden müssen, wenn woanders versiegelt wird.

Hierzu hat die Gemeinde seit 2011 ein sogenanntes Ökokonto. Bereits seit 2001 gibt es das Modell, betreut vom Landschaftspflegeverband. Es sei vergleichbar mit einem Sparkonto, sagt Bürgermeister Ludwig Wahl (FW). Die Gemeinde kauft im Laufe der Zeit Flächen auf, die ökologisch aufgewertet werden sollen und bringt diese in das Ökokonto ein.


Drei Prozent Zinsen

Anders als beim Geldsparer regiert hier aber nicht Mario Draghi von der Zentralbank dazwischen. Beim Ökokonto gibt es eine satte "Verzinsung" von drei Prozent.

Bringt die Gemeinde 1000 Quadratmeter ein, kommen 30 Quadratmeter pro Jahr hinzu, rechnet Wahl vor. Nach zehn Jahren liegen dann nicht mehr 1000, sondern 1300 Quadratmeter auf dem Ökokonto.

Auch wenn die 300 Quadratmeter rein fiktiv sind: Es soll sich um eine "Win-Win-Situation" handeln, so der neudeutsche Begriff. Die Gemeinde wird belohnt, wenn sie Flächen ökologisch aufwertet, die Natur bekommt Lebensraum zurück.

Lobbyistin dieses Lebensraums für Storch, bedrohte Insekten oder seltene Kräuter ist Karin Klein-Schmidt. Sie ist Biologin beim Landschaftspflegeverband Mittelfranken und damit die "Bundesbank der Ökokonten".

"Im Landkreis Erlangen-Höchstadt haben sechs von 25 Gemeinden ein Ökokonto", sagt Klein-Schmidt. Darunter seien Hemhofen, Weisendorf und Herzogenaurach. "Gerade Herzogenaurach hat einen hohen Bedarf an Ausgleichsflächen", sagt Klein-Schmidt mit Bezug auf die rege Bautätigkeit in der Aurachstadt. Neben Kommunen könnten seit 2014 auch Firmen und Institutionen wie etwa die Erlanger Stadtwerke Ökokonten anlegen.

Für das geplante Baugebiet in Röttenbach, das per Bürgerentscheid noch einmal bestätigt wurde, stünden die pflichtmäßigen Ausgleichsflächen schon zur Verfügung, sagt Wahl.


2,5 Hektar für das Baugebiet

2,5  Hektar hat die Gemeinde in sechs Jahren angesammelt. Das entspreche in etwa dem, was für die rund 7,5 Hektar des Wohngebiets schätzungsweise an Ausgleich vorgeschrieben wird (etwa ein Drittel). "Ohne das Ökokonto wäre es nicht so einfach möglich, neuen Wohnraum zu schaffen", sagt der Bürgermeister. Mit Baureife fürs neue Gebiet rechnet Wahl in vier Jahren. Vorher müssen Flächennutzungs- und Bebauungsplan erstellt werden.


Nicht gegen die Landwirtschaft

Das heißt, Röttenbach räumt das Konto. Und dann? "Die Gemeinde wird alle Flächen aufkaufen, die wir bekommen. Immer unter dem Gesichtspunkt, dass sie auch aufwertbar sind" sagt Wahl.

Dem Argument, man nehme den Bauern die Flächen weg, widerspricht Biologin Klein-Schmidt. Man suche sich vorwiegend für die Landwirtschaft uninteressante, weil nährstoffarme Flächen. "Was wollt ihr denn mit der Sandpritsche?", heiße es oft. Aber manchmal sind gerade diese Areale interessant.

Sie sind Lebensraum von blauflügeligen Ödlandschrecken oder Sandmagerrasenarten. Auch der Storch hat eigene Gebiete. Man suche sich bei der Pflege der Ökoflächen gezielt Landwirte sowie Obst- und Gartenbauvereine als Partner. Wiese mähen, Streuobstwiesen anlegen, Hecken pflanzen und stutzen. Auch wenn die Landschaftspflege eher dem Bild vom Landwirt als Park-Gärtner entspricht als dem des Nahrungsproduzenten: Das Ökokonten-Modell versucht einen Ausgleich zu schaffen: Wohnungs- und Straßenbau, Landwirtschaft und Natur. Mitdenken, nicht einfach drauflos fressen.
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