"Nach dem School's out ist vor dem School's out" - und dazwischen? Wird ordentlich gerockt! Christine Taistra, Leiterin des Jugendhauses Rabatz, blickt entspannt auf die Uhr. Um 16.30 Uhr öffnete der Herzogenauracher Jugendclub am Samstag für die Gäste des traditionellen "School's out"-Konzerts die Pforten. Zwar ist der Andrang am Einlass eine Stunde danach noch sehr verhalten, dennoch blickt Taist ra zuversichtlich dem alljährlichen Event entgegen: "Wenn das Wetter so bombastisch bleibt, erwartet uns ein schöner Abend."
Auch die erst 34 Gäste, die sich bis 17.30 Uhr eines der Eintrittsbändchen sicherten, machen der langjährigen Rabatz-Leiterin keine Sorgen. Schließlich könne sie sich gut vorstellen, dass auch in diesem Jahr wieder die 800er Marke aus den Vorjahren geknackt werde.
Unter dem Motto "Rock gegen Rechts" entwarfen die Verantwortlichen des Rabatz seit Herbst letzten Jahres gemeinsam mit den Arbeitskreisen "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" des Gymnasiums und der Realschule Herzogenaurach ein Programm, das vor allem auch musikalisch einiges zu bieten hatte. Denn neben Lokalgrößen wie "DJ iPas" oder "APoL" erklärten sich auch deutschlandweit bekannte Musikgruppen wie "Rantanplan" oder "Montreal" dazu bereit, die Sommerferien in Herzogenaurach inoffiziell einzuläuten.
Schon im vergangenen Jahr fand das Open-Air-Festival mit dem Themenschwerpunkt "Rock gegen Rechts" statt. Doch wie ist es dazu eigentlich gekommen?
"Wir veranstalten School's out ja schon seit 2006. Parallel dazu organisierten die Arbeitskreise der beiden Schulen noch eigene Rock-gegen-Rechts-Events. Seit letztem Jahr haben wir das aber zusammengelegt, denn zwei Festivals kurz hintereinander sind Schwachsinn", erklären Taistra und Jessica Walz, ehemaliges Mitglied der Projektgruppe des Gymnasiums.
Sogar ein gemeinsames CD-Projekt mit den Konzertbands wurde ins Leben gerufen. Dass diese Kooperation auch für das Rabatz eine historische Rolle spielt, ist der Jugendhausleiterin durchaus bewusst. Immerhin habe der Jugendtreff gerade an seinem alten Standpunkt "eine bewegte Geschichte, was Nazis angeht" (Taistra). So galt vor einigen Jahren ein Parkplatz direkt vor dem alten Jugendhaus als etablierter Treffpunkt der rechten Szene.
Inhaltlich habe sich ansonsten nicht viel verändert. Und musikalisch erst recht nicht; Taistra: "Die Planung verlief eigentlich komplett unkompliziert. Spannend war hingegen wieder die Frage nach den Bands. Wir haben leider einige Wunschbands nicht buchen können, da diese bereits ein Jahr vor der Veranstaltung ausgeplant waren. Trotzdem haben wir erneut ein tolles Programm."
Zwar spielten die ersten Künstler, zum Beispiel die Erlanger HipHop-Gruppe "52er" oder die Reggae-Rock-Band "Zico" aus Nürnberg am frühen Abend für ein sehr kleines Publikum, dennoch gaben sie bereits einen musikalischen Vorgeschmack auf das, was noch später am Abend kommen sollte. Denn gerade die beiden Headliner "Rantanplan" und "Montreal" sollten den Jugendlichen ordentlich einheizen.
Etwa 400 feierwillige Jugendliche waren rechtzeitig zum Auftritt der siebenköpfigen Band "Rantanplan" ins Rabatz gekommen. Für diese sollte sich der Besuch des "School's out"-Festivals bereits gelohnt haben. Denn die Hamburger Ska-Punk-Gruppe überzeugte durch schrille Sounds und wilde Trompetensolos und sorgte für ausgelassene Stimmung. So motivierte ein Bandmitglied, das sich immer wieder wild unter das Publikum mischte, zum Tanzen und Mitsingen. Pogo, Headbangen, Stage Diving - "Rantanplan" lieferte einen durchwegs gelungenen Auftritt ab und rockte ordentlich in die Sommerferien.
Dennoch schimpfte ein jugendlicher Gast nach dem letzten Song: "Das ist so ärgerlich. Da hat man einmal ein paar richtig geile Bands in der Stadt und dann kommen nur so wenige Jugendliche und machen Stimmung."
Den Schlussakkord setzte anschließend die Hamburger Punk-Rock-Band "Montreal". Diese trat bereits in den vergangenen Jahren regelmäßig beim Herzogenauracher "School's out"-Konzert auf und überzeugte in der Vergangenheit ein ums andere Mal das kritische Publikum. Mittlerweile waren knapp 500 Musikfans da, um mitzugrölen, zu tanzen oder einfach nur den pfiffigen Texten der Hamburger zuzuhören.
Auch wenn die 800er Besuchermarke aus den Vorjahren nicht geknackt wurde, blickten die Organisatoren zufrieden auf den Verlauf des Events zurück. Steffen Docter, Mitglied der zuständigen Projektgruppe, empfand auch das kleiner gewordene Publikum als nicht so schlimm: "Ich weiß, dass es vor zwei Jahren mehr als 900 Besucher waren. Heuer sind etwa 500 gekommen. Das ist natürlich sehr schade, aber ich bin mir sicher, dass die 500, die da waren, auf ihre Kosten gekommen sind."