Sie sind mit Leib und Seele bei der Sache, die Mitglieder der Werbegemeinschaft und Bürgermeister German Hacker (SPD), wenn es um das Mittelalterfest geht. Zehntes Jubiläum wollen sie nicht sagen, denn der Anfang verliert sich "im Dunkel der Geschichte", was für das Fest heißt: Es wuchs aus einem Märchenwochenende und kleineren Aktionen zu einem stadtübergreifenden Spektakulum. Zudem weiß der "Pürgermeister" genau: Bei dem Thema ist unter 500 Jahren kein Jubiläum."
Tatsächlich auf eine solche Tradition können sie sich für die am Sonntag geöffneten Ladengeschäfte (bis hin zu den Factory Outlets) berufen. "Das ist besonders mittelalterlich", beruhigt Rothild Schrepfer ihre Kollegen. Schließlich war es Jahrhunderte so, dass die Händler ihre Waren ausbreiteten, wenn die "Pürger" und "Pauern" und die Leute von auswärts nach dem Gottesdienst aus den Kirchen traten.
Das gab es aber für die "von auswärts" damals nicht: eine Tourist-Information. Nach über 100 Anfragen beim Altstadtfest steht sie interessierten Gästen im Schlosshof mit Rat und Tat zur Seite. Aber auch wenn sich einer "verlaufen" sollte, er wird in der ganzen Innenstadt vom Mittelalter begleitet, finden doch nur ein Teil der Attraktionen auf den Bühnen in der Hauptstraße und am Markt statt. Der große Zauberer Gidolfo, die Quellnymphe und der Plapperdrache - um nur einige zu nennen - sind in den Straßen unterwegs.

Nachtigallenklang


Freilich darf "in diesen Zeiten" die Musik nicht zu kurz kommen. Tolstafanz spielt bei mehreren Auftritten die Marktmusik des Mittelalters. Einem Genre, dem sich auch die neu gewonnen Gruppierung "Undschuldig" verschrieben hat. Auf die feinen Klänge und edle Tänze dagegen setzt das Ensemble "Luscinia Oscura" - die verborgene Nachtigall.
Das ist die eine Seite: ein bisschen höfisch. Auf der anderen stehen raue Burschen: Ritter und ihre Begleitung. Und es ist schon jetzt vorherzusehen, dass sie sich zwischendurch handfest prügeln werden. Am Samstag auf der Marktbühne um 13 und um 16 Uhr; am Sonntag werden sich die Knappen und Haudegen auf der Marktbühne um 13 und um 15.30 Uhr "gar prächtig schlagen". Die Stadtwache übernimmt diesmal die Ritterspiele.

Hinrichtungen am laufenden Band


Wem das nicht genügt, der darf tief in die mittelalterliche Schaulust bei Hinrichtungen und anderen grausigen Aufzügen hineinfühlen: Jeden Mittag (Samstag um 12 Uhr und Sonntag um 11 Uhr - nach der Kirche) wird die Wasserguillotine auf der Bühne in der Hauptstraße in Aktion sein. Um 14 Uhr bzw. um 14.30 und 16 Uhr wird das "gar schröckliche" Geschehen wiederholt.
"Voriges Jahr war ich froh, das die Männer im Mittelalter Strumpfhosen trugen", kommentiert ein Mitstreiter von Ursula Dorweiler den Festwetterbericht. "Ich habe ein bissl ein warmes Wetter bestellt", bekennt sich Schrepfer schuldig. HoheTemperaturen , das dürfte zumindest den Clan MacScott freuen, gehört ja bekanntlich ein recht kurzer Rock zum Outfit männlicher Highlander. Ob kalt oder warm, sie werden nun schon zum zweiten Mal im Garten der VHS campieren.

Tavernentreiben


"Wir machen alles mit einem gewissen Schmunzeln", versichert Hacker. Offenbar auch das Stroh zusammen kehren. Denn bis Montag zur Ladenöffnung wird die Innenstadt wieder blitzeblank sein. Auch wenn Dorweiler in ihren Laden 15 Ballen Stroh holen wird. "Wir machen das gerne, weil's ankommt", versichert sie. Aber auch, dass die Werbegemeinschaft richtig Geld in die Hand nimmt. ein zweiter Jahresbeitrag ist für das Mittelalterfest fällig.
Herzogenaurach feiert zwei ganze Tage: Am Samstag um 11 Uhr geht es mit dem festlichen Umzug der Gewandeten ab dem Pfarrhof los und am Sonntagabend um 17.45 beschließen ein Tavernentreiben und die Stelzenläufer - seit zehn Jahren erstmals wieder - das Spektakel. Bis es zum Festende heißt: Das Volk möge sich trollen.