Höfen

Richard Tille ist mit 93 Jahren gestorben

Richard Tille ist tot. Der frühere Kreisheimatpfleger starb am Montag im Alter von 93 Jahren. Richard Tille wohnte im Herzogenauracher Orttsteil Höfen.
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Richard Tille, wie man ihn kennt.  Foto: Bernhard Panzer (Archiv)
Richard Tille, wie man ihn kennt. Foto: Bernhard Panzer (Archiv)
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Der einstige Lehrer in Münchaurach, Höfen und Herzogenaurach, der aus Erlangen stammte und im Herzogenauracher Ortsteil Höfen wohnte, ist für seine Verdienste vielfach ausgezeichnet worden. Tille erhielt unter anderem die Stadtmedaille in Gold, das große goldene Bundesabzeichen als höchstes Abzeichen des Frankenbunds und die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. Der Freistaat Bayern würdigte ihn darüber hinaus mit der Denkmalmedaille.

Richard Tille war eine Institution in Herzogenaurach und Umgebung. Er war Franke mit Verstand und Leidenschaft, ein Kämpfer für den Denkmalschutz, immer hartnäckig aber fair, wenn es um den Erhalt wertvoller Bausubstanz ging. 160 Flurdenkmäler hat er katalogisiert und vor dem Verfall bewahrt. Dank seiner Initiative konnte er in der Stadt die Politiker dazu bewegen, das älteste Bürgerhaus im Steinweg zu erhalten. Und bei vielen weiteren Umbauten und Restaurierungen war es Richard Tille, der gegen den Abriss oder einen modernen Umbau votierte. Auch wenn er den Abbruch des Hebammenhäuschens in der Reytherstraße oder den des "Schießhäuslas" an der Aurach nicht verhindern konnte.

Was Geschichte und Geschichtsdokumente betrifft, so war Tille ein echter "Jäger und Sammler". Vom alten Schulbuch über Zeitschriften und Ausschnitten aus Tageszeichnungen bewahrte er auf , was ihm erhaltenswert schien. So glich sein Haus einem Privatmuseum.

Er war es, der immer wieder dank seines eigenen Archivs Anregungen gab oder bei der Erstellung von Stadtbüchern half. Ohne ihn hätte es bei den ersten Altstadtfesten keine Stadtmedaillen gegeben.

Akzente im Landkreis gesetzt

Im gesamten westlichen Landkreis, von Adelsdorf bis Zweifelsheim, war es "der Herr Lehrer Tille", der Akzente setzte, sich in Sachen Museen engagierte und mit Rat und Tat zur Seite stand. So hat er auch das Herzogenauracher Stadtmuseum einst im Ostteil des Schlosses aufgebaut und betreut und es nur sehr schwer verkraftet, dass er bei der Gestaltung des heutigen Stadtmuseum nur eine Außenseiterrolle gespielt hat.

Der Herzogenauracher Heimatverein hat den einstigen Ortssprecher von Zweifelsheim, Dondörflein und Höfen, den Leiter des Posaunenchors in Puschendorf und den Chorleiter des Gesangsvereins HDZ (Höfen, Dondörlein, Zweifelsheim) schon in den 80er Jahren zum Ehrenmitglied und Ehrenvorsitzenden ernannt und hätte es begrüßt, wenn man Tille auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen hätte.

Richard Tille war ein Kämpfer

In zahlreichen Vorträgen in Herzogenaurach und im Landkreis hat Richard Tille sein Wissen über die Geschichte und das Brauchtum weitergegeben und für den Erhalt denkmalgeschützter Objekte gekämpft. Und gekämpft hat Richard Tille immer. Als er nach seiner Militärzeit bei der Marine sich in elf Tagen von Berlin in seine fränkische Heimat durchgeschlagen hat, als er den schwierigen Kampf der Umschulung vom Feinmechaniker zum Volksschullehrer in den harten Jahren des Wiederaufbaus gewonnen hat oder als er den Schmerz über den frühen Tod seines Sohnes und seiner Ehefrau bekämpfen musste.

Klaus-Peter Gäbelein

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