Erlangen
Diskussionen

Rechte Büchermesse in Erlangen - Stadt organisiert Gegendemo

Die schlagende Erlanger Burschenschaft "Frankonia" hat ihr Verbindungshaus in Erlangen für eine Veranstaltung der rechtsintelektuellen Szene zur Verfügung gestellt. Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) fand bei der Gegendemonstration deutliche Worte gegen den "Zwischentag" in Erlangen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Foto: Nikolas Pelke
Foto: Nikolas Pelke
+1 Bild
Hier stehen die Rechten, dort stehen die Linken. Dazwischen hat die Polizei die Straße abgesperrt. Auf das Gelände der Erlanger Burschenschaft Frankonia gelangt man nur mit einem geheimen Codewort. An der Hauswand sind noch die Spuren des Farbbeutels zu sehen, den Unbekannte an das Haus der Verbindung geworfen haben, weil sie der "ultrarechten Szene" mitten in Erlangen einen Raum zur Verfügung stellt.

Felix Menzel läuft derweil aufgeregt hin und her. Leger begrüßt der 29-jährige Publizist die Gäste der Büchermesse und gibt das Thema des Tages vor. In Vorträgen wolle man sich der Masseneinwanderung annehmen, die durch außenpolitische Krisen an den Rändern des Kontinents ausgelöst würde.

Ob diese Krisen bewusst ausgelöst werden, kann Menzel nicht sagen. Wissen tut er dagegen, dass er am Pranger steht. "Wenn man über Einwanderer spricht, ist man gleich gegen Einwanderer. Ich will verhindern, dass es zu Flüchtlingswellen kommt. Ein Flüchtling zu sein ist doch nichts Tolles", sagt Menzel während sich im Saal ein anderer Akademiker über das miese außenpolitische Politikerpersonal in Deutschland mokiert und Putins Annexion der Krim als geopolitisches Bravourstück adelt.

Menzel wolle nicht, dass Menschen aus Afrika oder dem Orient viel Geld an Schleuser bezahlen müssen, um am Ende in Turnhallen zu nächtigen. "Ich wünsche mir, dass wir in Europa eine Obergrenze für Flüchtlinge festlegen und die Menschen dann gerecht auf die einzelnen Länder verteilen", sagt Menzel und ärgert sich, dass man in Deutschland die Flüchtlinge mit relativ großzügigen Sozialleistungen auch noch zur Flucht animiere.

Menzel senkt fast traurig den Kopf. Er weiß, dass niemand offiziell mit ihm etwas zu tun haben will. Das sei schon in der Schule in Chemnitz so gewesen, wo er angefangen habe, über Deutschland und seine Politik nachzudenken. Jetzt wohnt er mit seiner Frau und den beiden Kindern in Irland. In Deutschland sei es selbst bei den Burschenschaften immer schwieriger, einen Raum für seine Vorträge und seine Publikationen zu bekommen, gibt er unumwunden zu.

"Geht auf das bunte Sommerfest und redet mit dem Oberbürgermeister", fordert Menzel seine Mitstreiter auf. Die Lage würde derzeit von allen Seiten aufgeheizt. Deshalb müsse man miteinander ins Gespräch kommen.

Gemeinsam mit der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion wendet sich die Stadt Erlangen mit einer Demonstration und einem bunten Aktionstag gegen die Veranstaltung in den Verbindungshaus. Silke Anger befestigt derweil ein Transparent mit der Aufschrift "Loewenichstraße gegen Rechts" an einen Zaun. "Wir wohnen hier. Wie sehen die Burschen immer in ihren Uniformen und mit ihren Schärpen. Die eigentliche Gefahr ist doch, dass das da drüben keine dummen sondern intellektuelle Rechte sind, die irgendwann Einfluss und Macht bekommen können", sagt die Anwohnerin und zeigt auf einen Mann, der in Anzug und Krawatte auf das Gelände der Burschenschaft marschiert.

Derweil spricht Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) mit vollem Elan und unter großem Beifall auf der Gegenkundgebung. "Wir erkennen Rechte auch ohne Glatze und Springerstiefel", ruft er den Burschen auf dem Balkon entgegen. Man müsse die Schneebälle zertreten, damit sie erst gar nicht zur Lawine werden können, sagt Janik während die Fahne am Haus der Burschen müde im Wind flattert.


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren