Adelsdorf

Rebecca Hippel lernt in Adelsdorf den Beruf des Goldschmieds

"Ich wollte schon immer Goldschmiedin werden", sagt Rebecca Hippel. Seit über einem Jahr erlernt sie in Adelsdorf ihren Traumberuf, der früher eine reine Männerdomäne war.
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Rebecca Hippel an ihrem ArbeitsplatzFoto: Johanna Blum
Rebecca Hippel an ihrem ArbeitsplatzFoto: Johanna Blum
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Mit dem Zwischenzeugnis in der Hand müssen sich viele Mittelschüler - bereits ein Jahr vor dem Abschluss - um eine geeignete Ausbildungsstelle bewerben. Meist ist die Entscheidung für junge Leute gar nicht so einfach, denn sie selbst wissen oft überhaupt noch nicht, welchen Beruf sie einmal ergreifen wollen.

Rebecca Hippel hatte dieses Problem nicht. "Ich wollte schon immer Goldschmiedin werden", erklärt sie dem FT - und große Begeisterung klingt in diesen Worten mit. Nun lernt sie in Adelsdorfs.

Auf Unikate spezialisiert

Amelie Weidhaus hat sich in ihrer kleinen Schmuckschmiede auf Unikate spezialisiert, das heißt auf die Anfertigung von Einzelstücken. Das bedeutet eine besondere Herausforderung für jeden Goldschmied.

Der Fränkische Tag traf die angehende Goldschmiedin zu einem Gespräch, in dem sie erzählte, wie sie zu diesem Berufswunsch kam und wie ihr die Ausbildung gefällt.

Nach dem Schulabschluss in die Schnupperlehre

Rebecca Hippel ist in Hirschaid aufgewachsen. Im "M-Zug" machte sie ihren Schulabschluss und ging dann direkt in eine "Schnupperlehre". Sie begann 2013 ihre Ausbildung in der Goldschmied-Werkstatt bei Amelie Weidhaus in Adelsdorf und steht jetzt, im zweiten Lehrjahr, kurz vor der Zwischenprüfung.

Wohin die Reise nach der dreieinhalbjährigen Ausbildung gehen wird, weiß Sie noch nicht. Der Wunsch der 18-Jährigen wäre es, im Traumberuf bleiben zu können und als Gesellin noch viele Erfahrungen in der Schmuckherstellung sammeln zu dürfen.

Was gefällt Ihnen an diesem Beruf?
Rebecca Hippel: Das ist ganz einfach: etwas zu erschaffen. Je kleiner und genauer, umso besser, denn so kann ich die Perfektion in Einklang mit edlen Metallen und Materialien bringen. Es macht einfach Spaß, wenn etwas entsteht, das man immer mit sich herum tragen kann und nicht als Figur im Schrank verstaubt. Außerdem ist es toll, den Menschen mit Schmuckstücken von hohem ideellem Wert oder mit Kostbarkeiten, die nach deren oder unseren Vorstellungen gearbeitet wurden, ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.

Mit welchen Schwierigkeiten mussten Sie schon kämpfen? Macht es Ihnen etwas aus, wenn das Werkstück misslingt und es "eingestampft" werden muss?
Klar musste schon einiges wieder eingeschmolzen oder von der Chefin "gerettet" werden, aber das macht das Lernen aus. Schwierig wird es zum Beispiel, wenn das Maß nicht ganz passt oder ich die Steinfassung nicht gerade auf eine Ringschiene gelötet bekomme. Aber aus jeder Situation lernt man und weiß hinterher, was man nicht oder anders machen sollte, damit es gelingt.

Wie fühlt es sich an, wenn man das erste Mal ein eigenes Werkstück kreiert?
Naja, das Gefühl war eher seltsam, da ich eigentlich diejenige bin, die Werkstücke lieber herstellt als sie zu kreieren. Hier in der Schmuckschmiede habe ich keine andere Wahl als auch selbst Ideen zu Papier zu bringen. Aber es gelingt immer besser.

Mit welchem Material arbeiten Sie am liebsten?
Momentan mit Silber, da ich daraus am meisten arbeiten darf. Es ist mir am vertrautesten und somit am liebsten. Aber meine Leidenschaft gehört eindeutig den Perlen - egal in welcher Form und Farbe.

Ist Ihre Chefin mit Ihnen zufrieden?
Ich hoffe doch schon, aber wirklich beantworten kann das nur die Chefin selbst!

Amelie Weidhaus:
Rebecca ist eine tolle Auszubildende und Kollegin, die sich ganz den Wünschen der Kunden, der Schmuckschmiede und den an sie gestellten Aufgaben annimmt. Sie arbeitet gewissenhaft, ehrgeizig und immer mit der richtigen Portion Leidenschaft, und wenn mal etwas nicht so rund läuft, nimmt sie es mit der richtigen Coolness - es ist ja auch immer noch die Lehrzeit!


Ist es schwer die Kunden zufrieden zu stellen - Sie arbeiten ja hauptsächlich nach deren Vorstellungen? Da muss man ja sehr kreativ sein...

Es gibt für (fast) jeden Kunden eine Lösung: Der eine ist schneller zufrieden, ein anderer braucht eine längere Beratung. Kreativ ist auch relativ, man muss nur das eine mit dem anderen kombinieren, das gelingt mal besser, mal nicht so gut.


Schlechte Erlebnisse?

Schlechte Erlebnisse gab es besonders bei der "Schnupperlehre". Es ist wichtig, dass immer ein Ansprechpartner da ist, der auch erklären kann, wie es geht. Das hat leider bei der "Schnupperlehre" gefehlt. Darum bin ich jetzt in Adelsdorf!


Haben Sie einen Rat für junge Leute, die diesen Beruf ergreifen wollen?

Wer diesen schönen Beruf wirklich erlernen möchte, sollte auf alle Fälle ein Praktikum im zukünftigen Ausbildungsbetrieb machen und dann am Ball bleiben. Nur so kann man sich ein Bild davon machen, wo und mit wem man die nicht immer einfachen 3,5 Jahre lernen wird.


Zum Schluss noch eine Frage: Ist der Goldschmied nicht eher ein Mann?

Historisch gesehen war Goldschmied ein reiner Männerberuf. Dies sieht heutzutage ganz anders aus: Die Mehrheit der Goldschmiede ist weiblich!

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