Herzogenaurach
Bewegung

Radlerduo aus Herzogenaurach "runderneuert" an der Elbe

Heiner und Georg Seeberger legten mit neuen "Ersatzteilen" ihre jüngste Tour zurück. Sie saßen 1300 Kilometer im Sattel.
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Georg Seeberger (76): Das neue Knie hielt, die Radreise wurde zum Erlebnis.  Fotos: privat
Georg Seeberger (76): Das neue Knie hielt, die Radreise wurde zum Erlebnis. Fotos: privat
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Kennengelernt haben sich Heiner und Georg Seeberger vor etwa 30 Jahren - beim Sport. "Wir haben zusammen Triathlon gemacht", sagt Heiner, der Jüngere. Und weil der Sport verbindet und beide gern in die Pedale traten, haben sie sich entschieden, fortan auch gemeinsam größere Radtouren zu unternehmen. Der berufliche Ruhestand ermöglichte das: Nach "Probeläufen", unter anderem nach Frankreich und Venedig, startete das Duo 2007 mit einer Tour nach Santiago de Compostella.

Seither sind die Männer nicht mehr zu bremsen. Sei es von Kroatien über Montenegro nach Herzogenaurach oder auf dem Donauradweg bis hinab zum Schwarzen Meer, sei es durch Polen und Masuren oder durch die Lavendelfelder in Südfrankreich - alle ein bis zwei Jahre unternahmen die Beiden eine mehrwöchige Tour, einmal waren es sogar anderthalb Monate.
Fahrten in die Herzogenauracher Partnerstädte gehören selbstverständlich auch dazu.

Und so sind die beiden radelnden Seebergers aus Herzogenaurach vielen Bürgern ein Begriff. "Wir werden oft als Brüder bezeichnet", sagt Heiner, inzwischen 73 Jahre alt. "Dabei sind wir nicht mal verwandt."

Weil das Alter auch seinen Tribut zollt, machten die zwei "Brüder im Sport" zuletzt eine zweijährige Pause. Georg (heute 76) brauchte ein neues Knie, Heiner ließ sich eine neue Hüfte einsetzen. Entsprechend "runderneuert" starteten sie nun ihre neuste Tour. Und auch diese konnte sich mit 1300 geradelten Kilometern nach 17 Tagen durchaus sehen lassen. Ziel war diesmal der Elbe-Radweg. Die Tour führte die Beiden von der Mündung der Elbe in die Nordsee bis zur Quelle im Riesengebirge in Tschechien.


Fast immer eben

Ganz so wild bei der Heimreise aus Kroatien über Österreich und die Alpen haben sie es diesmal aber nicht gemacht. Damals fuhren sie mit Gepäck über den Großglockner zurück, erinnert Heiner. Doch jetzt sahen sie sich gezwungen, die Tauglichkeit der "Ersatzteile" zu prüfen. Auf Berge wurde daher verzichtet.

Der Weg an der Elbe entlang sei nicht so schwer, "der geht meistens eben", sagt Heiner. Knie und Hüfte haben es gemeistert, und die beiden Sportler haben eine Fülle neuer Erinnerungen von der Tour durch den Norden Deutschlands, durch Sachsen und durch Tschechien mitgebracht (siehe unten stehenden Erlebnisbericht).




Der Erlebnisbericht der beiden Radreisenden: Durch die ehemalige DDR zur Quelle im Riesengebirge


Gestartet sind wir in "Cuxhaven". Neben uns die großen "Pötte" (Schiffe), auf der anderen Seite der Deich, der von Rindern und Schafen beweidet wird. Am zweiten Tag wechselten wir die Seite und fuhren über "Blankenese" bis "Altona". Eine Übernachtung auf der Reeperbahn war gebucht. Wir machten eine Stadtrundfahrt mit unseren Rädern um die Außen- und Binnenalster mit einem Stopp. Auf der Treppe am Jungfernsteg entstand dabei eine angeregte Unterhaltung. Ein älterer türkischer Gastarbeiter, welcher schon lange in Hamburg lebt, erzählte uns ein wenig aus seinem Leben hier bei uns. Und natürlich sprachen wir auch über die große und kleine Politik. Am Abend gingen wir in das bekannte Fischer-Haus und aßen eine Scholle "Finkenwerter Art". Am nächsten Morgen, vor unserer Weiterfahrt, haben wir noch einen Abstecher ins größte, weltbekannte Miniatur-Eisenbahn-Museum gemacht - ein unvergessliches Erlebnis.

Nach drei Stunden Besichtigung ging es weiter über gute Radwege am oder auf dem Deich entlang. Nach Lauenburg, Hitzacker, Dannenberg und Lenzen wechselten wir mal wieder die Seite. Vor uns ein ehemaliger Wachturm aus DDR-Zeiten, jetzt wussten wir, dass wir in Brandenburg waren. Kurz vor Magdeburg überquerten wir Europas größtes Wasserstraßen-Kreuz. Das ist ein imposantes Bauwerk: Der Mittelland- und Elbe-Havel-Kanal überqueren die Elbe.

Auf einem Bauernhof, in einem Wohnwagen, fanden wir eine etwas andere Übernachtung: 16,50 Euro mit Frühstück pro Person. Unsere nächste Anfahrt war die Lutherstadt Wittenberg. Der neue Morgen bescherte uns wieder einen kräftigen Rückenwind. Er gab uns ein Gefühl, als sitzen wir auf einem E-Bike. Von weitem war schon das mächtige Schloss Hartenfels, direkt an der Elbe gelegen, zu sehen. Langsam wurde das Elbtal rechts und links von Weinbergen eingerahmt.

Von Meißen über Dresden, über Wehlen, Königstein, Bad Schandau und durch das Elbsandstein-Gebirge durchfuhren wir eine einmalige und sehenswerte Region. Hier könnte man mal Urlaub machen! Wir machten einen Abstecher auf die Festung, die eine der größten Burgfestungen Europas ist. Aus 240 Meter Höhe hatten wir eine grandiose Aussicht. Das Tal wurde wieder breiter.

Bei unserer nächsten Kaffeepause mussten wir schon mit Kronen bezahlen. Wir waren in Tschechien angekommen. Ab hier macht die Elbe einen großen Bogen in südöstliche Richtung. In Usti fanden wir in einem Hostel für 13 Euro pro Person eine gute Übernachtung. Ein Gasthof mit einem alten schattigen Innenhof lud zum Abendessen ein und wir genossen die deftige böhmische Küche. Weil die Radwege hier oft sehr holprig waren, wichen wir ab und zu mal auf Nebenstraßen aus.

Unser nächstes Ziel war Melnik, wo die Moldau in die Elbe fließt. Weiter ging es über Nymburg, Kolin bis Pardubice. Ab hier bog die Elbe in nördliche Richtung ab, um im Riesengebirge nach etwa 70 Kilometer in Spindel-Mühlen als junges Flüsschen zu starten. Um an die Elbe-Quelle zu kommen, mussten wir mit der Sesselbahn auf 1150 Meter hoch fahren. Ab da ging es zu Fuß noch etwa zehn Kilometer auf 1400 Meter. Hier hatten wir endlich unser Ziel erreicht.

Nach zwei Wochen und drei Tagen waren wir am Ziel nach 1300 geradelten Kilometern.
                    
  Heiner und Gerch

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