Herzogenaurach
Abschluss

Positive Bilanz der Herzogenauracher Kulturtage

Die Herzogenauracher Kulturtage brachten zwei Monate lang mit diversen Veranstaltungen den Besuchern Afrika näher. Kulturamtsleiter Helmut Biehler zieht eine positive Bilanz.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sylvie Nahounou macht ihren Kunden Rasta-Zöpfe ins Haar - auch ein Stück afrikanische Kultur. Fotos: lf
Sylvie Nahounou macht ihren Kunden Rasta-Zöpfe ins Haar - auch ein Stück afrikanische Kultur. Fotos: lf
+1 Bild
Bunte Stoffe. Ein breites Lächeln mit weißen Zähnen aus einem dunklen Gesicht. Trommeln und Stammesgesänge. Das sind einige der Dinge, die wir hier im oft kalten Deutschland mit Afrika in Verbindung bringen. Die Herzogenauracher Kulturtage, die jetzt zu Ende gingen, brachten ein wenig afrikanisches Leben zu uns nach Mittelfranken. Zum Abschluss gab es im Vereinshaus einen Afrika-Markt und ein Konzert, dessen Trommeln auch noch auf der Straße zu hören waren.

"Ich habe von einer Afrika-Show gehört und mir gedacht, dass ich da vielleicht auch meine Sachen ausstellen könnte", erzählt Sylvie Nahounou. Die 42-Jährige von der Elfenbeinküste verkauft allerlei afrikanischen Schmuck, doch ihr Spezialgebiet sind Rastazöpfe. Diese macht sie sowohl in echten als auch mit falschen Haaren. "Ich habe das schon in Afrika gemacht und als ich 2003 nach Deutschland kam, habe ich es auch hier weitergemacht." "Im Sommer sind wir viel unterwegs, ziehen von Festival zu Festival. Oft auch Open-Air-Festivals", erzählte ihre 19-jährige Tochter Leaticia.

Einen Stand weiter haben Christine Camara (52), Silvia Henning (52) und Ulrike Klug-Groh (57) selbstgemachte Sachen, Schmuck aus Tansania und Uganda und eine Tombola aufgebaut. Die drei Frauen arbeiten ehrenamtlich für das Kinderhilfswerk Plan International. "Wir waren alle selbst schon Paten von Kindern aus der Dritten Welt, wollten aber gern noch mehr bewirken", sagt Christine Camara.

Erlös geht an Schulprojekt

Der Erlös des Marktes geht an das Projekt "Schulen für Guinea-Bissau". Die Patenkinder der Frauen kommen aus Guinea, Mali, Ecuador, Uganda, Peru und Honduras. "Wir sind 20 Leute in der Aktionsgruppe. Jeder von uns bringt ein, was er kann und die Tombolapreise werden meist gespendet von Firmen oder Apotheken", sagt Klug-Groh. Die afrikanischen Waren, die sie verkaufen, stammen teilweise von Aids-Witwen, teilweise von Massaistämmen. Sie und Camara waren beide schon in mehreren Ländern in Afrika und wissen ein bisschen, wie es dort zugeht.

"Was bei den Herzogenauracher Kulturtagen immer im Vordergrund steht, ist die Beziehung Deutschlands zu einem anderen Kontinent", meint Helmut Biehler (52), Kultursachgebietsleiter in Herzogenaurach. Jedes Jahr beginnen im Herbst die Kulturtage und gehen Ende November zu Ende. Und das schon seit etwa 20 Jahren. "Das Programm ist sehr vielfältig: Es gibt Konzerte, Ausstellungen, Lesungen und wissenschaftliche Vorträge. Dieses Jahr haben wir aus der Partnerstadt Kaya in Burkina Faso einen Chor eingeladen, die Musik und Tanz präsentiert haben. Es war sehr interessant, weil wir hier teilweise eine völlig andere Vorstellung von afrikanischer Musik haben", resümiert Biehler.

Ein Bild einer Ausstellung habe ihn sehr berührt: Eine afrikanische, sichtlich vom Hunger gezeichnete Frau sagt zu ihrem ebenso dürren Kind "Wir sind nicht systemrelevant". "Es ist natürlich ein schweres Thema. Die Armut dort, auch wie sich die Europäer dort im Land verhalten, alles nicht so einfach", meint Biehler.

Einsatz für Fairtrade-Siegel

An einem Stand mit Fairtrade-Angeboten sitzt Karin Peucker-Göbel. Die 51-Jährige arbeitet ehrenamtlich und will helfen, dass Herzogenaurach das Siegel als Fairtrade-Town bekommt. "Die Städtepartnerschaft und das Fairtrade-Projekt, das spielt alles ein bisschen Hand in Hand. Wichtig ist, dass heute die Produkte ausschließlich aus Afrika kommen. Deswegen haben wir auch keine Schokolade, die gibt's im Moment nämlich nur aus Brasilien", erklärt Peucker-Göbel.

Sie war auch schon in Afrika: In Ghana, in Togo, in Burkina Faso und im Benin. "Mich hat das Afrika-Fieber gepackt. Vor allem die Herzlichkeit und die Fröhlichkeit trotz der Armut sind es, die mich begeistern. Es ist wunderschön, wenn einem Leute, die man nicht kennt, auf der Straße zulächeln und einen grüßen."

Peter Fehrmann (67) und seine 65-jährige Frau Heidelore sind schon oftmals auf Veranstaltungen der Kulturtage in Herzogenaurach gewesen. "Wir sind immer dabei, jedes Jahr! Meistens schauen wir uns musikalische Darbietungen an. Die Veranstaltungen sind immer sehr originell und man sieht Künstler aus anderen Ländern, die man sonst wahrscheinlich niemals sehen würde."

Ernährung und Bildung

An einem Stand mit Ledertaschen, typisch afrikanischen Bildern und ein wenig Schmuck ist Thomas Schäfer zu finden. Er ist einer von drei Vorsitzenden vom Partnerschaftsverein Herzogenaurach-Kaya. "Der Verein und die Kulturabteilung hatten die Idee, dieses Jahr einen Markt zusammenzustellen. Die Projekte in Kaya haben zwei Schwerpunkte: Auf der einen Seite Ernährung, wozu auch Wasserversorgung, Anbaumöglichkeiten und anderes zählen. Auf der anderen Seite Bildung", sagt der 52-Jährige.

Am Abend bringt mit ein wenig afrikanischer Verspätung die Musikgruppe Argile den Saal zum Beben. Lautes Getrommel, Gerassel und dazwischen die Klänge von Querflöte und Akkordeon. Nicht wirklich typisch Afrika. Aber auch nicht typisch Deutschland. Die Gruppe besteht aus deutschen und afrikanischen Musikern, die aus dem Senegal und Burkina Faso stammen. Das ist das Konzept der Gruppe seit etwa 25 Jahren.

Bandleader und Flötist Dieter Weberpals spielt mit immer anderen Musikern, aber es ist immer das Gleiche: deutsche und afrikanische Elemente vermischen sich. Die Klänge erfüllen den Raum und das Trillern der Tänzerin aus Burkina Faso entführt das Publikum in ferne Welten. Das ist keine deutsche Musik, das ist keine afrikanische Musik. Das ist Weltmusik. Leonie Fössel
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren