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Erlangen
Volksfest

Bergkirchweih: Und mittendrin zeichnet ein Reichsbürger Porträts

Die Bergkerwa in der Stadt mit dem Motto "Offen aus Tradition" zieht Menschen aus allen Nationen an. Und mittendrin ist ein Stand von einem Reichsbürger.
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Kleiner Stand, der es in sich hat.
Kleiner Stand, der es in sich hat.
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Update: Die Stadt Erlangen hat inzwischen den Porträtzeichner und "Reichsbürger" wieder ausgeladen. Grund war dieser Bericht auf inFranken.de

Ausführlicher Artikel: Bergkirchweih 2017: Porträtzeichner und Reichsbürger von Stadt ausgeladen


Kein Interview! Toni All möchte nicht über alles sprechen. Höchstens über seinen Stand. Er ist nämlich Schnellporträtzeichner und tingelt von Volksfest zu Volksfest. Darüber spricht er - und über seine Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde "als erster, populärster und schnellster Porträtzeichner der Welt honoriert".

Diese Eintragung offeriert er auf seiner Homepage, aber auch auf den Werbezetteln, die er im Vorfeld der Volksfeste an die vertretenen Medien vor Ort versendet. Und genau dieser Hinweis auf das Rekordebuch verrät über den Künstler etwas, über das er nicht sprechen mag. Statt der Eintragungen ins Guinness-Buch finden sich Hinweise darauf, dass Toni All ein bekennender Reichsbürger ist.


Verschwörung und Aluhütchen

In seinem Internetauftritt finden sich unter dem Hinweis "Firma BRD" die Ausführungen: "Sie wissen vielleicht auch nicht, dass es von den Machthabern im BRD-System ganz gezielt unterlassen wurde, eine Verfassung für Deutschland zu verabschieden, und dass das Grundgesetz alles Andere als eine Verfassung ist. Vielleicht glauben Sie auch noch, dass die BRD ein souveräner Staat sei, dass das Besatzungsrecht längst nicht mehr gelte?" Für All ist der Schluss daraus klar: "Ebenso gut können Sie an den Weihnachtsmann oder den Osterhasen glauben, nichts von dem ist wahr."



In den Flyern zu seinem Stand spielt diese Gesinnung aber keine Rolle. "Die Zeichnungen werden in Pastellschwarz auf weißem Papier und anhand einer von mir speziell für Kirmes- und Großveranstaltungen entwickelten Technik in maximal drei Minuten angefertigt." Am fahrbaren Stand hängt ein Zettel, auf dem sich die bereisten Städte und die bereisten Volksfeste befinden. Von Aachen bis Walsrode sind es die unterschiedlichsten Volksfeste, die Toni All besucht habe. Kein Wort zu seinen Auftritten unter anderem in Regensburg. Dort war der in diversen Medien, u. a. der Zeit, titulierte "Reichsbürger und Künstler Toni All, bei Mahnwachen in Regensburg zu Gast und konnte sich zusammen mit anderen Verschwörungstheoretikern sich ein Forum aufbauen."


Verfolgte Schausteller

Der Chef des Süddeutschen Schaustellerverbandes Lorenz Kalb erklärt, dass dies ein neues Problem für die Schausteller darstelle, da diese Thematik so noch nicht im Bewusstsein ist. "Wir wissen von diesem speziellen Anbieter nichts. Unter unseren Schausteller ist die rechte Gesinnung oder die Reichsbürgergesinnung generell eher kein Problem." Das sei, so führt Lorenz aus, letztlich auch eine Folge der Nazizeit. Denn auch Schausteller wurden als "fahrendes Volk" verfolgt und als "Zigeuner" abgestempelt. Till All kenne Lorenz selber nicht, das liege aber auch daran, dass im Schaustellergewerbe viele der Anbieter nicht organisiert seien.

Für die Stadt nimmt Pressechef Christofer Zwanzig Stellung: "Der Berg wird überwiegend mit bereits bekannten Schaustellerbetrieben beschickt. Wenn sich neue Betriebe bewerben, werden von der Stadt allgemeine Erkundigungen eingezogen. Zu den genannten Hintergründen ist der Stadt bislang nichts bekannt. Sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, wird die Stadt Schritte prüfen, um vom Vertrag mit dem Schausteller zurückzutreten."

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