LKR Erlangen-Höchstadt

Politiker aus dem Landkreis zu den Landtagswahlen

Auch die Politiker im Landkreis Erlangen-Höchstadt machen sich Gedanken zum Wahlausgang.
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Anhänger der AfD reagieren auf der Wahlparty zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in Magdeburg auf die ersten Hochrechnungen. Foto: Sebastian Willnow/dpa
Anhänger der AfD reagieren auf der Wahlparty zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in Magdeburg auf die ersten Hochrechnungen. Foto: Sebastian Willnow/dpa
Manfred Bachmayer, Kreissprecher der Grünen, schwärmt vom Erfolg, den Winfried Kretschmann in Baden-Württemberg feiern kann: "Eine Belohnung für die gute Regierungsarbeit." Dass die AfD so stark abgeschnitten hat, sieht Bachmayer mit Sorge. "Das war kein guter Tag für die Demokratie, dass jetzt Rechtspopulisten ins Parlament einziehen." Für ihn ist die AfD eine Partei der "sozialen Kälte". Das macht Bachmayer an AfD-Positionen wie der Abschaffung des Mindestlohnes, der Senkung des Spitzensteuersatzes oder einer sehr arbeitgeberfreundlichen Arbeitsmarktpolitik fest. "Viele wissen nicht, was sie da genau gewählt haben."


Der AfD die Grundlage entziehen

Auch Walter Nussel, CSU-Landtagsabgeordneter sieht die AfD kritisch. Die Protestpartei stellt für ihn ein "No-Go" dar. Um der AfD in der Auseinandersetzung zu begegnen sieht er die Flüchtlingsfrage als entscheidend. Die AfD habe ausschließlich auf dieses Thema gesetzt. Sobald es Lösungen der Regierung gibt, werde der AfD die Grundlage entzogen, so Nussel. "Die Leute müssen den Eindruck bekommen, dass wir das auf Dauer auch schaffen, was da auf uns zurollt." Jetzt müsse man bei der AfD aber erst einmal sehen, "wie die versuchen, in den Landtagen Politik zu machen."

Siegfried Ermer, Vorsitzender der AfD Erlangen-Höchstadt, freut sich naturgemäß über das starke Abschneiden seiner Partei. Vor allem das Ergebnis des Kandidaten Jörg Meuthen in Baden-Württemberg freue ihn. Die 24 Prozent in Sachsen-Anhalt seien nicht überraschend gewesen. Mit 18 Prozent habe man ja gerechnet. Vom rechtspopulistischen Wahlkampf, den die Kollegen der AfD teils geführt haben, distanziert Ermer sich jedoch: "Wir schlagen andere Töne an als manch anderer Kreisverband. Klar ist das Flüchtlingsproblem wichtig. Aber man sollte es nicht mit Lautsprecherparolen sondern mit Sachverstand und Weitsicht angehen."


Ist die AfD eine Einthemenpartei?

Aber wie passt das zu seinen Parteifreunden, die teils radikal fremdenfeindlich auftreten? Den Wahlkampf in Sachsen-Anhalt könne er aus der Ferne schlecht bewerten. Dass es sich bei der AfD um eine Einthemenpartei handelt, könne er jedoch nicht erkennen. Ermer nennt als weitere Schwerpunkte neben den Flüchtlingen die Eurokrise, die Bargeldabschaffung oder steigende Energiekosten. "Wir werden ganz bewusst diffamiert, weil andere Parteien uns als Konkurrenz sehen." Die AfD biete vielen Enttäuschten eine neue politische Heimat. "Das zeigt etwa die Abwanderung ehemaliger CDU-Mitglieder, die bei uns einen Posten besetzen wollen", sagt Ermer.

Bei der SPD blickt man mit gemischten Gefühlen auf die Wahlen. "Eine Ohrfeige für beide Volksparteien", fasst SPD-Landtagsabgeordnete Alexandra Hiersemann zusammen. "Selbstverständlich" sei die SPD noch eine Volkspartei. Dies definiere sich nicht nur über einzelne Wahlergebnisse. Die SPD blicke auf eine lange Historie zurück. "Wir müssen schaffen, mit unseren Kampagnen die Menschen besser zu erreichen."

Sie wolle die AfD-Wähler nicht verdammen, sagt Hiersemann. Man müsse auf die Unzufriedenheit mit den etablierten Parteien eingehen. "Eine Haltung nach dem Motto: Das sind nur Rechte, die nicht nachdenken, wäre politisch gefährlich." Es handle sich um eine inhomogene Wählergruppe, um die man werben müsse. Bei der AfD gelte nun: "Haben die Inhalte oder sind das nur schnelle Nummern, die verbreitet werden?", sagt Hiersemann. So manches könnte sich bei den AfD-Positionen bis zur Bayernwahl 2018 entzaubern.














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