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Natur

Pilz-Saison: Experte aus Höchstadt gibt Tipps

Der Herbst ist für Pilzsucher bisher keinen Pfifferling wert. Doch die Saison ist noch lange nicht vorbei.
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Hans Krautblatter zeigt seinem siebenjährigen Enkel Paul den seltenen Perlhuhnegerling, der in seinem Garten gedeiht. Essen sollte man den Pilz allerdings nicht.  Fotos: Christian Bauriedel
Hans Krautblatter zeigt seinem siebenjährigen Enkel Paul den seltenen Perlhuhnegerling, der in seinem Garten gedeiht. Essen sollte man den Pilz allerdings nicht. Fotos: Christian Bauriedel
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Ein Glückspilz muss man im wahrsten Sinne des Wortes sein, wenn man sich derzeit auf die Suche nach den kleinen Knubbelmännern macht. Denn wer momentan durchs Unterholz streift, mit Pilzmesser und Körbchen bewaffnet, der mag zwar einen schönen Spaziergang an der frischen Luft hinter sich haben. Die Ausbeute ist jedoch meist eher mau.

"Heuer ist es sehr bescheiden", sagt Günther Christel. Der 64-jährige Elsendorfer, früherer Bezirksschornsteinfeger, geht leidenschaftlich gern in die Pilze. Heuer sei er schon vier Mal unterwegs gewesen. Resultat: ein paar Maronen, drei bis vier Rotkappen, wenige Steinpilze. "Eigentlich die Ausbeute von einer halben Stunde", sagt Christel lachend.

Er gehe schon seit 30 Jahren in die Pilze. Sein Interesse dafür sei geweckt worden, als er früher immer mit dem Hund die Runde gedreht hat. So weite Wege müsse er nicht mehr machen.
"Ich habe meine Ecken, da gehe ich hin und schaue nach, ob welche da sind", sagt er. Aber auch an seinen Plätzen: Fehlanzeige.

Hoffnung, dass die Pilzsaison noch anläuft, habe er nicht. "Das wird nichts mehr. Jetzt ist es zu kalt." Selbst auf den goldenen Altweibersommer hoffe er nicht mehr.

Förmlich aus dem Boden geschossen sind dagegen erneut die seltenen Perlhuhnegerlinge im Garten von Hans Krautblatter. Der Biologe aus Höchstadt hat vergangenes Jahr zum ersten Mal die Ansiedlung des außergewöhnlichen Pilzes beobachtet. Für Kenner eine Sensation. Denn für unsere Region sei bisher kein einziger Fund bekannt. Zudem sei er auch auf der Roten Liste zu finden. Verzehren sollte man den Perlhuhnegerling jedoch nicht. Er ist ungenießbar.


Ein Hexenring im Garten

"Eine solche Massierung an Großpilzen auf einer Wiese habe ich noch nie gesehen", schwärmt Krautblatter. Die Pilze stehen in einem sogenannten Hexenring mit einem Durchmesser von mehr als sechs Metern. 330 Exmeplare habe er gezählt. Vergangenes Jahr seien es zehn Mal weniger gewesen. Ein Zeichen, welche Power in dem unterirdischen Myzel steckt.


Im Boden schlummert die Kraft

Und auf diese Kraft der Pilze setzt Krautblatter, wenn es darum geht, ob 2016 noch ein gutes Pilzjahr wird. Denn das Myzel eines Pilzes verfalle bei Wassermangel lediglich in eine Trockenstarre. Das Wachstum wird mit den ersten Regentropfen qusi wieder wachgeküsst. Es dauere dann etwa zehn Tage, bis die Fruchtkörper, also die sichtbaren Pilze oberhalb des Bodens herauskommen. Krautblatter rät also zur Geduld.


Tipps für die richtigen Orte

"Zwar ist es heuer sehr trocken, aber die Bodentemperatur ist dafür auch dementsprechend hoch." Solange es keinen starken Nachtfrost gebe, sei also noch auf Pilze zu hoffen. Er gibt den Tipp, momentan nicht im Wald zu suchen, da der Regen nur schwer durch das Blätterdach dringt. Auf offenen Flächen oder am Rand von Waldwegen könne man mehr Glück haben.

"Der fehlende Niederschlag heuer ist ein großes Problem", sagt Krautblatter. Doch so schlecht sei die Pilzausbeute gar nicht gewesen. Bis Mitte Juni sei es ganz gut gelaufen. Krautblatter spricht gar von einem "Morcheljahr", da im April viele dieser Pilze vorhanden waren. Doch nach der Gewitterzeit mit viel Niederschlag sei es in Franken deutlich zu trocken gewesen.

Ein bisschen mehr Regen, das wäre den Pilzfreunden also zu wünschen. Auch wenn alle, die Pilze eher im Supermarkt finden, darauf wohl verzichten können.
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