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Besuch

Niederländisches Königspaar in Franken: Ein Mantel sorgt für Aufsehen

Ein Königspaar kommt nach Franken - und für Aufregung sorgt ein Mantel. Auf dem Kleidungsstück der Königin Máxima sind Hakenkreuz-ähnliche Symbole zu sehen.
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Auf dem Mantel von Königin Maxima waren Kreuze und Ornamente aus Schrauben und Nägeln geformt. In den sozialen Medien sorgte der Mantel sofort für Aufsehen, weil eins der Symbole entfernt an ein Hakenkreuz erinnerte.Foto: Nicolas Armer/dpa
Auf dem Mantel von Königin Maxima waren Kreuze und Ornamente aus Schrauben und Nägeln geformt. In den sozialen Medien sorgte der Mantel sofort für Aufsehen, weil eins der Symbole entfernt an ein Hakenkreuz erinnerte.Foto: Nicolas Armer/dpa
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Ein grauer Mantel kann für ziemlich viel Aufsehen sorgen - und zwar wenn auf ihm Hakenkreuz-ähnliche Symbole zu sehen sind. Zu einem regelrechten Politikum kann ein solcher Mantel werden, wenn ihn die Königin der Niederlande bei ihrem Besuch in Nürnberg trägt - der Stadt der NS-Kriegsverbrecherprozesse und zuvor der NSDAP-Reichsparteitage. Kaum waren am Donnerstagmorgen die ersten Bilder der 44-Jährigen mit jenem Mantel im Internet erschienen, gab es zuhauf kritische Kommentare im Netz zu den unter anderem aus Schrauben und Nägeln geformten Ornamenten. Dabei war Máxima schon mehrmals in dem Kleidungsstück des holländisch-dänischen Designers Claes Iversen zu sehen - etwa bei einem Staatsbesuch im vergangenen Jahr in Dänemark. Dabei fiel die Symbolik kaum jemandem auf.

Die Nürnberger selbst nehmen das Kleidungsstück der Königin nicht so ernst. Begeistert bejubeln hunderte Fans König Willem-Alexander und Máxima bei jedem öffentlichen Auftritt - am Tucherschloss, vor dem Alten Rathaus oder später am Dürer-Haus. Kindergartenkinder rufen im Chor "Máximaaaaaa, Máximaaaaaa" - doch die niederländische Königin muss schnell weiter. Mehrmals versucht die 44-Jährige, durch die Fotografenschar noch einen Blick auf ihre kleinen Fans zu erhaschen. Sie bückt sich, streckt sich, winkt und ruft "Dankeschön" - ehe sie im Tucherschloss verschwindet.


Königspaar gibt sich volksnah

Schon zuvor - vor einem Siemens-Werk in Erlangen - nimmt sich die Königin und dreifache Mutter gemeinsam mit ihrem Mann besonders Zeit für die Kinder, die sie reichlich mit Blumen beschenken. Das Paar gibt sich am zweiten Tag seines Bayern-Besuchs volksnah, sucht Kontakt zu den Bürgern, die am Straßenrand warten. Auch später empfangen mehrere hundert Nürnberger das Königspaar vor dem Alten Rathaus freudig. "Wenn der Mittelfranke spontan klatscht und jubelt, ist es schon eine maximale Euphoriewelle", kommentiert Finanzminister Markus Söder (CSU), der auch selbst Franke ist.

"Schönes Wetter, alles gut organisiert", sagt der König, als er im Sonnenschein über einen roten Teppich spaziert. Nach der Begrüßung durch Nürnbergs Oberbürgermeister Ulrich Maly (SPD) und Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gibt es für das königliche Paar einen Tag nach dem Besuch in München auch in Nürnberg Spargel zum Mittagessen. Aber auch Rinderschulter und Petersilien-Eis. Ansonsten versucht Franken, bei den Niederländern mit Technik, Geschichte und Kunst zu punkten.

In Erlangen interessieren sich Máxima und Willem-Alexander sehr für die Magnetresonanztomographen bei Siemens. Mehrfach fragt der König beim Gang durch die Fertigungshalle auf Deutsch nach dem Preis für die vorgeführte Software. Máxima - mit seitlichem Dutt unter einem grauen, schlichten Hut - unterhält sich mit den Mitarbeitern auf Englisch. "Was sehe ich hier?", fragt die 44-Jährige und deutet auf eine sich drehende 3D-Computer-Animation eines Gehirns.


"Bayern war spitze"

Ganz pragmatisch sieht OB Maly den royalen Besuch: Im Rathaus seien endlich einmal ein paar Stellen gemalert worden, bei denen er schon seit 15 Jahren darum bitte, erzählt er. "Es gibt also eine bleibende Erinnerung an den Besuch." Zum vollen Programm der Niederländer an diesem Tag sagt Maly: "Viel Zeit zum Durchschnaufen ist nicht."

Ein Termin reiht sich an den anderen. Im Albrecht-Dürer-Haus, dem früheren Wohnhaus des Malers, eröffnet das Paar eine Sonderausstellung mit Kupferstichen, Holzschnitten und Radierungen des Nürnberger Meisters. Schon in der Alten Pinakothek in München haben sich die Niederländer mit Dürer beschäftigt. "Bayern war spitze", sagt der König.

Mit der dunklen Nazi-Geschichte der Franken-Metropole wird das Paar am Nachmittag konfrontiert. Im durch die NS-Kriegsverbrecherprozesse weltberühmten Saal 600 des Justizpalastes und dem dazu gehörenden Memorium Nürnberger Prozesse wird eine niederländisch-deutsche Zusammenarbeit im Bereich des Völkerrechts besiegelt. Inzwischen hat Máxima den grauen Mantel ausgezogen und trägt nur noch ein schlichtes dunkelblaues Kleid.

Von Teresa Tropf und Cathérine Simon, dpa


Dazu ein Kommentar von Günther Flegel:

Ein Raunen geht durch die wartende Menge: Ein Korso aus Polizeimotorrädern in Grün rollt an, eine Limousine in Schwarz fährt vor. Fähnchen in Orange werden geschwenkt, und Jubel brandet los: Maaaaaaaaxima! Das letzte "A" geht in ein enttäuschtes "O" über, denn dem ersten Wagen, der in Erlangen vorfährt, entsteigt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann. Er winkt staatstragend und lächelt huldvoll, aber vergebens.

Der Glanz, der dem folgenden Wagen entschwebt, ist nicht zu toppen. Und selbst eingefleischte Anti-Royalisten müssen in diesem Moment zugeben, dass so ein Königshaus schon etwas an sich hat; es verbreitet Glanz und Gloria, in diesem Fall: Glanz & Maxima. Wir haben einen Horst und den Joachim (der Gauck ist gemeint, nicht der Herrmann), die sich noch so sehr mühen können, sie bleiben blass. Hat es jemals in einem sozialen Netzwerk Diskussionen über die Krawatte Seehofers oder die Hose Gaucks gegeben? Eben. Das ist der Unterschied.

Den Abstand zwischen den gekrönten Häuptern und dem gemeinen Volk markierten an diesem denkwürdigen Tag in Franken alleine schon Maximas Schuhe, wenn man Gehkunstwerke so nennen will. Die Königin schwebte auf gefühlt 20 Zentimeter hohen nadelspitzen Absätzen durch Erlangen und Nürnberg. Genau genommen hat sie Franken also nie betreten. Schade.
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