Adelsdorf
Asyl

Neues Zuhause für Flüchtlinge im Adelsdorfer Heimatmuseum?

Die Gemeinde Adelsdorf sucht nach Räumen, in denen unbegleitete minderjährige Flüchtlinge untergebracht werden können. Neben dem Heimatmuseum könnte auch das Umkleidegebäude am ehemaligen Schulsportplatz in Frage kommen. Doch der Umbau käme teuer.
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Ein Architekt soll prüfen, ob sich das Heimatmuseum in ein Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umbauen lässt. Foto: Michael Memmel
Ein Architekt soll prüfen, ob sich das Heimatmuseum in ein Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umbauen lässt. Foto: Michael Memmel
Viele Kommunen sind bemüht, Wohnraum für Flüchtlinge zu schaffen, da will sich auch Adelsdorf nicht ausklammern. Der Ausschuss für Kultur und Soziales gab jetzt einem Architekten den Auftrag zu überprüfen, ob sich das Heimatmuseum in ein Wohnheim für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge umbauen lässt.

Derzeit leben in Adelsdorf bereits an zwei Standorten mehrere männliche Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Zwölf sind in Aisch, acht im Anwesen in der Aischer Straße untergebracht. Ab November wird auch die ehemalige Metzgerei Goß bezogen, die derzeit noch umgebaut wird.


Arztpraxis wird bald frei

Als weiteres Gebäude steht bald die frühere Praxis von Helga Seile zur Verfügung. Die Ärztin verlegt ihre Praxis in die Bahnhofstraße. Dann können 32 bis 40 unbegleitete junge Flüchtlinge untergebracht werden. Betreut werden die Flüchtlinge von der WAB Kosbach und dem Puckenhof.

Dem Landkreis, so Bürgermeister Karsten Fischkal (FW) in der Ausschusssitzung, würden täglich neue Menschen zugewiesen. Es entschärfe die Situation etwas, dass nun in Herzogenaurach 500 Personen unterkommen. Gleichwohl stellte er die Frage: "Geht noch etwas in Adelsdorf?"

In die Diskussion geworfen wurden schon vor einiger Zeit die Umkleideräume am alten Schulsportplatz. Diese wären vielleicht eine Übergangslösung als Winterquartier. "Besser als Zelte wäre diese Lösung allemal", sagte Hans Mönius (CSU).


Nur eine Übergangslösung

Die Gemeindeverwaltung hat sich das Gebäude, das seit Jahren ungenutzt ist, bereits angeschaut und eine Reihe von baulichen Mängeln festgestellt. Die Sanitäreinrichtungen funktionieren nicht mehr und die Stromversorgung ist mangelhaft. Rund 50.000 Euro, so schätzt man, würden die Reparaturen kosten. Hinzu käme noch der Aufwand für eine Heizung und eventuell auch eine Isolierung.

Sehr viel Geld für eine Übergangslösung. Denn das Gebäude liegt im Bebauungsplan "Alter Schulsportplatz" und soll neuen Wohnhäusern weichen. Im Moment lagern dort Kleiderspenden, meist für Kinder, für die es in Adelsdorf keine Abnehmer gibt. Man will noch abwarten und sie später einem Hilfsdienst wie der Rumänienhilfe der Johanniter übergeben.

Mönius überzeugte das Gremium, die Umkleideräume dennoch den zuständigen Mitarbeitern des Landratsamts vorzustellen. Er hält die nötige Instandsetzung für nicht größer als die in den angemieteten Baumärkten, auch wenn sie Ratskollegin Marion Bierlein (FW) für "menschenunwürdig" einschätzt.

Schon vor eineinhalb Jahren hat die Kommune der Regierung ein Grundstück in der Industriestraße angeboten, damit dort Container für Flüchtlinge aufgestellt werden. Trotz Nachfragen wurde dieses Angebot bislang nicht angenommen, nicht zuletzt, weil der Markt für Container leergefegt sein soll. Über die Absichten der Regierung will man sich Gewissheit verschaffen.

Bürgermeister Fischkal hat mit der Heimaufsicht das Heimatmuseum bereits besichtigt. Sie hält es - nach einem Umbau - für geeignet, um Jugendliche dort längerfristig ohne besondere Betreuung unterzubringen. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung hat dazu eine Umbaulösung in Zimmer mit Sanitärnische und Küchenzeile vorgelegt. Zu den Kosten ist nur bekannt, dass eine Finanzierung über ein zinsgünstiges KfW-Darlehen möglich wäre. Für sich gingen die Ausschussmitglieder von einer Größenordnung um die 500.000 Euro aus.

Wenn so viel investiert werden müsse, fragten sie nach der langfristigen Nutzung. Dazu hat der Bürgermeister bereits mit Jürgen Ganzmann von der WAB Kosbach gesprochen. Der potenzielle Träger könnte sich nach dem Auszug der minderjährigen Flüchtlinge ein Haus für betreutes Wohnen vorstellen, da die kleinen Einzimmer-Wohnungen dafür geeignet wären. Als weitere Alternative brachte Fischkal noch die Nutzung als Büroräume für die Verwaltung ins Gespräch.

"Was machen wir aber mit dem Museumsinventar?", fragte Mönius. Es müsse auf jeden Fall "ansehenswürdig" untergebracht werden. In anderem Zusammenhang war dafür schon die Schlossscheune genannt worden. Allerdings stehen auch hier Umbau- und Renovierungsarbeiten an.

Norbert Birkner (FW) erinnerte an das große Engagement von Adelsdorfern, die über Jahre erhaltenswerte Gegenstände gesammelt haben. Neben landwirtschaftlichem Gerät vergangener Jahrzehnte wurde eine Arztpraxis der 1950-er Jahre im Museum aufgebaut.

Bevor irgendeine Entscheidung getroffen werden kann, will der Gemeinderat erst eine Kostenschätzung einholen.

Adelsdorf hilft: Treffen am 17. Oktober

Am 18. September haben sich Bürger zum Helferkreis "Adelsdorf hilft" zusammengeschlossen. Die Schirmherrschaft hat Bürgermeister Kasten Fischkal (FW) übernommen. Inzwischen wurden sechs Arbeitskreise gebildet, die sich vor allem um Kleidung, Bildung und Sprachunterricht sowie Mobilität und Freizeitgestaltung kümmern.
Das nächste öffentliche Treffen für Helfer und Interessierte findet am Samstag, 17. Oktober, um 10.30 im Rathaus statt. Umfangreiche Informationen über den Helferkreis gibt es im Internet unterwww.adelsdorf-hilft.de.

Es ist eine eigene Rubrik für aktuell Benötigtes eingerichtet. Gesucht werden dort unter anderem ein Geigenlehrer für einen minderjährigen Flüchtling und eine Wohnung für eine Familie. Kontakt zum Helferkreis kann über die E-Mail-Kontaktfelder aufgenommen werden. Zudem steht im Rathaus der Bürgermeister als Ansprechpartner (karsten.fischkal@adelsdorf.de) zur Verfügung. Ihm zur Seite steht Monika Herzig.
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