Laden...
Etzelskirchen
Restaurierung

Neuer Glanz für eine Fahne aus dem Jahr 1927

In Etzelskirchen gab es vor dem Zweiten Weltkrieg den Radfahrerverein Concordia. Die erhaltene Standarte haben die örtliche Feuerwehr und der Heimatverein restaurieren lassen. Pfarrer Pröckl wird sie am Sonntag segnen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Grün ist die Farbe der Radfahrer-Vereinigungen. Flügelrad und Eichenlaubkranz wurden eingestickt einschließlich der Lorbeerverzierungen. Fotos: Jürgen Ganzmann
Grün ist die Farbe der Radfahrer-Vereinigungen. Flügelrad und Eichenlaubkranz wurden eingestickt einschließlich der Lorbeerverzierungen. Fotos: Jürgen Ganzmann
+3 Bilder
Am Sonntag wird Pfarrer Stefan Pröckl die restaurierte Radfahrerstandarte des Radfahrervereins Concordia Etzelskirchen nach dem Festgottesdienst zum Pfarrfest segnen. Den Radfahrerverein gibt es nicht mehr, die Fahne ist jedoch erhalten geblieben. Der Heimatverein und die Feuerwehr aus Etzelskirchen haben den Auftrag für die Restaurierung gegeben.
Im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts wurden überall Radfahrervereine gegründet. Das geschah 1907 auch in Etzelskirchen, wo sich eine Gruppe junger Männer zusammenschloss und den Radfahrerverein Concordia Etzelskirchen gründete. Es gibt keine Unterlagen mehr über den Verein. Überliefert sind nur die Artikel aus dem Aischtalboten.
Am 29. Mai 1927 wurde eine neue Standarte geweiht. Als deren Pate hat sich Concordia Höchstadt nachbarlich angeboten.
Zur damaligen Zeit wurden viele Ausfahrten unternommen, viele Gründungsfeste und Standartenweihen wurden mitgefeiert und es wurde Theater gespielt, wie aus den alten Zeitungsartikeln zu entnehmen ist.
Nach dem Zweiten Weltkrieg hat sich der Radfahrerverein nicht mehr zusammengefunden. Als einziges Zeugnis blieb die Standarte übrig. Die Radfahrerstandarte ist eine von insgesamt drei Fahnen, die in Etzelskirchen in dieser Zeit entstanden sind. Die Kriegervereinsfahne und die Burschenvereinsfahne wurden bereits vor einigen Jahren vorbildlich restauriert.
Die Standarte wurde im Schwesternhaus Pommersfelden hergestellt. Es handelt sich um eine historisch besonders wertvolle Standarte, deren Ausführung ebenso kunstvoll wie auch sinnig ist.
Auf der grünen Seite - das ist auch die Farbe der Radfahrer-Vereinigungen in Deutschland - wurde ein Flügelrad mit einem Eichenlaubkranz und Eicheln eingestickt.
Das Flügelrad ist das Symbol der Radfahrer. Der Eichenlaubkranz steht für Treue und Kraft und ist deshalb sehr sinnvoll in Verbindung mit dem Flügelrad. Diese beiden Motive wurden eingerahmt von einer stilisierten Lorbeer-Ranke mit roten Früchten. Lorbeerverzierungen stehen symbolisch für Ruhm und Sieg.
Auf der anderen Seite wurde auf dem cremefarbigen Grundstoff der Erzengel Michael mit Schwert und Scheide sowie dem Drachen eingestickt. Der Drache ist das Symbol der gottfeindlichen Mächte. Michael ist der Engelfürst, der den Drachen in den Abgrund stürzt.
Die Motive wurden damals teilweise in reiner Handarbeit, teilweise in handgeführter Maschinenstickerei angefertigt. Die Schrift ist reine Handarbeit. Das Gesicht, die Arme und Füße vom Erzengel Michael hat man seinerzeit in Handmalerei hergestellt. Bei der Standarte handelt es sich um eine wertvolle Kunststickerei, die der Nachwelt unbedingt erhalten werden sollte.
Die Restaurierung wurde bei Fahnen Kössinger in Schierling durchgeführt. Die hervorragende Sachkenntnis, das große Einfühlungsvermögen und die Geschicklichkeit, mit der die sehr gut gelungenen vorangegangenen Restaurierungen der Kriegerfahne und der Burschenfahne durchgeführt wurden, haben sich auch bei der Radfahrerstandarte bestätigt.
Die Fahnenstange musste neu hergestellt werden, der Bannerträger mit Adlerspitze und Knauf konnte restauriert werden. Die Kosten der sehr aufwendigen Restaurierung betragen 4220 Euro. Die Kosten teilen sich die Feuerwehr und der Heimatverein jeweils zur Hälfte. Jürgen Ganzmann

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren