Erlangen
Ausstellung

Nah am Wasser gebaut

Wenn in Bayern Hochwasser herrscht, stehen die Kameras in Passau oder Deggendorf. Erlangen kennt man nicht als Gefahrenzone, auch wenn die Stadt seit Jahrhunderten eng mit dem Wasser verbandelt ist. Das dokumentiert eine Ausstellung im Stadtmuseum.
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Nirgends in Europa gab es so viele Wasserräder wie an der Regnitz zwischen Erlangen und Forchheim.  Foto: epd
Nirgends in Europa gab es so viele Wasserräder wie an der Regnitz zwischen Erlangen und Forchheim. Foto: epd
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Wer Erlangen auf der Autobahn durchquert, begegnet einem seltsamen Denkmal. Es feiert einen Kanal, von dem weit und breit nichts mehr übrig ist. Außer dem Denkmal eben.

1846 wurde hier der neu errichtete Ludwig-Donau-Main-Kanal offiziell eingeweiht und seinem Erbauer gehuldigt. Gut hundert Jahre lang fuhren Treidelschiffe nach Bamberg oder Kelheim, wenngleich der Kanal für die Stadt schon bald ganz andere Bedeutungen bekam: als Eislieferant für die Bierkeller, als Schlittschuhrevier oder verbotenes Baderevier. Kurz nach der Auflassung taugte das Kanalbett noch einmal zur Verlegung von Abwasserkanalrohren, dann verschwand es unter der Autobahn.

Die tilgte damit nicht nur ein Baudenkmal aus der Landschaft, das heute bei unveränderter Nutzbarkeit eine grandiose Attraktion Frankens wäre, sondern wurde zum unüberwindlichen Sperrriegel zwischen der Innenstadt und ihrem Fluss, der Regnitz. Die Ausstellung "Stadt - Land - Fluss. Erlangen und die Regnitz", erinnert an diese uralte Beziehung.

Die Regnitz diente einst als Grenzfluss zwischen Bistümern, Territorialherren und Verwaltungsbezirken. An der Regnitz wurden seit 1797 auch Flussbäder errichtet, allerdings nur solange, bis die Stadt das Baden im Fluss wegen der hohen Verschmutzung strikt untersagte. Die Regnitz trieb Mühlen, Hammerwerke und Fabriken an und war Motor der frühen Industrialisierung.

Lange vor dem Ludwigskanal schon war ein anderes Kanalprojekt in Erlangen den Bach runtergegangen war: Das war anno 1686, als neu angesiedelte französische Kaufleute einen Kanal von der Regnitz zur Neustadt bauten, um die dortigen Gerber und Färber besser mit Wasser zu versorgen. Ein Hochwasser zerstörte den fast fertigen Graben, danach gab man den Kanal auf.

Einem besonderen Kapitel der innigen Beziehung Erlangens zum Wasser, den Wasserschöpfrädern, widmet sich ein Schwarzweiß-Film aus den 1960er Jahren. Nirgendwo in Europa war diese Art der Felderbestellung so verbreitet wie im Regnitztal zwischen Fürth und Forchheim, wo sich einst mehr als 200 Räder drehten. Sie ermöglichten den Bauern drei statt einer Ernte im Jahr und waren eine großartige Versicherung gegen Hunger und Not.

Schon seit mehr als 90 Jahren wird in Erlangen Strom durch Wasserkraft erzeugt: 1920 bauten die Stadtwerke eine der alten Kunstmühlen in ein Wasserkraftwerk um, das bis heute ausreichend Strom für die Hälfte der Erlanger Straßenbeleuchtung erzeugt. Fünf weitere Kleinkraftwerke sind im Stadtgebiet in Betrieb.

Heute ist die Regnitz eher eine ökologische denn eine ökonomische Lebensader. Auf engstem Raum finden sich Auwälder, Wiesen und Sandflächen; zu den prominentesten Bewohnern dieser Lebensräume gehören Wasserfledermäuse, Kiebitze und Biber. Weil das Regnitztal aber gleichzeitig als Verkehrsraum ständig an Bedeutung zugenommen hat, sind Konflikte programmiert - etwa der uralte Stadtentwicklungsstreit um den "Kosbacher Damm", der schon vor Jahrzehnten als vierter Talübergang geplant war und nun möglicherweise als "Kosbacher Brücke" für die geplante Stadt-Umland-Bahn doch noch umgesetzt werden soll.

Dramatische Hochwasserfotos gibt es dann doch noch zu sehen. Die aus Nürnberg sind echt, sie zeigen das Jahrhunderthochwasser von 1909, bei dem der Denkmalkopf des Hans Sachs auf dem gleichnamigen Platz so eben noch aus dem Wasser ragte. Die aus Erlangen sind Fotomontagen.


Die Ausstellung


Schau
"Stadt - Land - Fluss. Erlangen und die Regnitz": Die Ausstellung im Stadtmuseum Erlangen, Martin-Luther-Platz 9, ist bis zum 3. November 2013 zu sehen.

Öffnungszeiten Die Ausstellung ist dienstags, mittwochs und freitags von 9-17 Uhr, donnerstags von 9-20 Uhr sowie samstags und sonntags von 11-17 Uhr geöffnet.

Führungen Die Ausstellung wird museumspädagogisch begleitet. Sonntags werden Führungen angeboten. Anmeldung unter 09131/862408.

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