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Mühlhausen
Vereinsgründung

Mühlhausener "Bär" soll weiterleben

Die "Kultur-Gemeinschaft Markt Mühlhausen" will das Dorfgasthaus am Marktplatz als Treffpunkt erhalten. Die Wirtschaft soll renoviert und verpachtet werden.
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165 Mühlhausener trugen sich in die Mitgliederliste ein. Foto: Evi Seeger
165 Mühlhausener trugen sich in die Mitgliederliste ein. Foto: Evi Seeger
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Nein, über den künftigen Bierpreis wurde nicht abgestimmt. Dieser Scherz kam Walter Jakob über die Lippen, als er zusammen mit Paul Hartenfels und Jürgen Pechthold die Wahlen leitete. Vom Bierpreis abgesehen, hatten die Initiatoren der "Kultur-Gemeinschaft Markt Mühlhausen" alles bestens für die Vereinsgründung vorbereitet.
Das Finanzierungskonzept samt Darlehenszusicherung der Bank stand. Eine juristisch überprüfte Satzung lag bereit. Steuerberater, Rechtsanwalt und Architekt hatten ihre Unterstützung zugesichert. Entsprechend "glatt" ging die Vereinsgründung in der Schule über die Bühne.

Oberstes Ziel der Kultur-Gemeinschaft ist es, das Traditionsgasthaus Bär langfristig zu erhalten und mit Leben zu erfüllen. Praktisch in letzter Minute hatten sich die Initiatoren das denkmalgeschützte Anwesen im Herzen der Marktgemeinde gesichert. Da war es schon so gut wie verkauft an einen Investor, der darin Wohnungen für Flüchtlinge einrichten wollte. Dabei handelt es sich nach den Worten von Bürgermeister Klaus Faatz (CSU) keineswegs um "Flüchtlingsverhinderungspolitik", wie der Gemeindechef im Gespräch mit dem FT betonte. Es gehe vielmehr darum, das Wirtshaus "am besten Platz der Gemeinde" zu erhalten.

Um an diesem - fast historischen - Ereignis teilzunehmen, hatten sich viele Mühlhausener auf den Weg gemacht. 165 trugen sich als Mitglieder in die Vereinslisten ein. Hermann Gamperling, der dann auch zum Vorsitzenden gewählt wurde, vermittelte eingangs überzeugend die Intentionen des Organisationsteams.

Der Fokus richte sich auf den Ortsmittelpunkt und dessen Belebung. "Wenn in Mühlhausen etwas los war, war das immer im Umfeld vom Bär!" Wo sollten sich die Jungen treffen, wo die Alten und die Vereine, fragte Gamperling in die Zuhörerreihen. Bis zuletzt war "der Bär" Vereinslokal für Gesangverein und Motorradclub. Hier trafen sich Gartenbauverein und Turnverein und natürlich wurde dort die Kirchweih ausgerichtet. "Wir befinden uns dabei auf Augenhöhe mit der Dorferneuerung", betonte Gamperling. Denn ohne einen solchen Mittelpunkt wäre die dörfliche Kultur nicht denkbar.

Nach Gamperlings Ausführungen sollen die Vereine auch weiterhin bleiben können. Das Wirtshausleben solle ohne Unterbrechung weiter gehen. "Allen Unkenrufen zum Trotz: Wir werden einen Platz schaffen, an dem sich jeder zu Hause fühlt." Auch Neubürger sollten sich dort in die Dorfgemeinschaft einklinken können. "Auch ich war mal ein Zugeraster. Heute ist Mühlhausen mein Zuhause, und ich bin stolz darauf", sagte Gamperling. Er ist sicher, "dass wir alle kommenden Aufgaben und Probleme meistern". Neben vielen Ideen bedürfe es dazu auch zahlreicher helfender Hände. "Manpower", wie Daniel Wagner sagte, der künftig dem Verein die Kassengeschäfte führt.

Thomas Moor, Mühlhausener Bürger und Professor an der Uni Erlangen, kam die Aufgabe zu, als Moderator die Versammlung zu leiten, die Satzung zu verlesen und beschließen zu lassen. Einwände oder Fragen wurden sogleich erörtert. Unterschiedliche Meinungen herrschten bei der Festlegung des Mitgliederbeitrags. Ein Grundbeitrag von 25 Euro jährlich war vorgeschlagen. Darüber hinaus gehende Zuwendungen sollten auf dem Beitrittsformular vermerkt werden.

Einigen Mitgliedern schien der Beitrag zu niedrig. 50 Euro, sogar 100 wurden vorgeschlagen. "Wir möchten viele Mitglieder gewinnen, die uns tatkräftig unterstützen", sagte Friedel Pickel. Der Beitrag solle daher nicht zu stark belasten. Am Ende blieb es bei den vorgeschlagenen 25 Euro pro Jahr.

Die Initiatoren, insbesondere der Zweite Vorsitzende Reinhard Klaus, hatten schon vor der Gründung fleißig gesammelt. 240 000 Euro an zinslosen Darlehen und Spenden sind dem Verein bereits zugesichert. Außerdem ein Bankdarlehen in Höhe von 400 000 Euro. "650 000 Euro brauchen wir insgesamt, um die Scheune als Kulturscheune auszubauen und die Gastwirtschaft so zu renovieren, dass wir einen Pächter finden", erklärte Hermann Gamperling.


Die Scheune kommt zuerst

Denn eine "Kulturscheune" wollen sich die Mühlhausener selbst zum Geschenk machen. Kleinkunst, Lesungen und Musikveranstaltungen sollen dort stattfinden. Die Scheune soll für alle offen sein und auch privat genutzt werden können. Sie zu renovieren, ist auch das erste Ziel, das der Verein angehen will. Der Betrieb könne dann während der Renovierung der Gastwirtschaft ohne Unterbrechung in der Scheune weiterlaufen. Schon in diesem Jahr will man dort die Europameisterschaft feiern. Auch der Saal und das oberste Stockwerk sollen umgebaut und eventuell als Wohnungen vermietet werden.
Daniel Wagner, von Beruf Banker und nun Kassier, erhofft sich langfristig 350 bis 400 Mitglieder. "Bis Ende 2018 wollen wir einen Pächter für die Wirtschaft präsentieren können", sagte er. Der Verein plane, 2016 die Kirchweih und zwei weitere große Veranstaltungen durchzuführen. Der Schatzmeister rechnet mit einer jährlichen Belastung in Höhe von 32 000 Euro für Zinsen, Rückzahlungen, Rückstellungen, Unterhalt und ähnliches.
"Wir werden das packen", war das Schlusswort des Vorsitzenden Gamperling. Ihm schwebt ein Vereinsstammtisch vor, an dem zwei bis dreimal im Jahr die Vereine zusammen kommen, um ihre Angelegenheiten "auf kurzem Wege" zu regeln.

Der Vorstand:
1. Vorsitzender Hermann Gamperling

2. Vorsitzender Reinhard Klaus

Kassier Daniel Wagner

Schriftführer Friedel Pickel

Kassenprüfer Robert Pickel, Thomas Moor

Stellvertreter Rainer Morgenroth, Klaus Faatz

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